Das frühere Welschneureut mit "Waldenser-Kirche" rechts, 1960, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger B10, S. 379, Bild 1.

Hugenotten

Seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Begriff Hugenotten im abwertenden Sinn für die verfolgte Minderheit der Protestanten, zumeist Anhänger der calvinistischen, reformierten Kirche, in Frankreich verwendet. Die Herkunft ist ungewiss: „Huis Genooten“ (Hausgenossen) für flämische Protestanten mit geheimen häuslichen Bibelkreisen wird ebenso angeführt wie das französische aignos (Eidgenossen) wegen der Verbindung zu den schweizerischen Calvinisten wie der Bezug zum Genfer Aufständischen Besançon Hugues (1487-1532). Als Folge des 1685 aufgehobenen Ediktes von Nantes (1598), das nach den Hugenottenkriegen (1562-1598) religiöse Toleranz gewährt hatte, flohen und emigrierten Hunderttausende Hugenotten vor allem in die protestantischen Kantone der Schweiz oder fanden Aufnahme in deutschen Ländern wie z. B. in Preußen, Hessen-Kassel oder Württemberg.

Der baden-durlachische Markgraf Friedrich Magnus nahm ebenfalls Flüchtlinge auf, nicht zuletzt um durch den Dreißigjährigen Krieg und den Pfälzischen Erbfolgekrieg entvölkerte Landstriche wieder zu peuplieren. Im Dezember 1699 gewährte er wallonischen Hugenotten umfangreiche Privilegien für die Neuansiedelung in Friedrichstal. Diese gewährte er umgehend auch hugenottischen Flüchtlingen, die zuvor aus der Schweiz per Schiff bei Daxlanden und Knielingen angekommen waren für die Ansiedlung im "Flecken Neureut". In dem Privilegienbrief vom 10. Dezember 1699 sind sie als Waldenser benannt, obwohl ein Brief einer ihrer Führungspersönlichkeiten an den Markgraf vom September 1699 ausdrücklich auf ihre hugenottische Herkunft hingewiesen hatte. Die Bezeichnung Waldenser für die hugenottischen Glaubensflüchtlinge in (Welsch)Neureut hielt sich bis in das 20. Jahrhundert. 1699 waren den "Refugés" nicht ohne Protest der Neureuter wüste Teile in der südlichen Gemarkung Neureuts zugewiesen worden. Das alte Neureut hieß fortan Teutschneureut, die neue Siedlung Welschneureut. Zu Anfang waren es 58 Familien überwiegend aus dem Dauphiné und dem Languedoc, außerdem aus der Guyenne, aus der Champagne und auch aus Burgund, ebenso welsche Schweizer (französisch sprechende Schweizer aus überbevölkerten, verarmten Kantonen).

In Karlsruhe selbst siedelten sich nach der Stadtgründung vereinzelt Hugenotten oder Nachfahren von Hugenotten aus Schweizer Kantonen oder den Zufluchtsorten in anderen deutschen Ländern an. Sie integrierten sich rasch als Mitglieder der reformierten Kirche in die Stadtgesellschaft.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Literatur

Wolfgang H. Collum: Hugenotten in Baden-Durlach. Die französischen Protestanten in der Markgrafschaft Baden-Durlach, insbesondere in Friedrichstal und Welschneureut, Ubstadt-Weiher 1999; Friedrich Askani: Welschneureut. Aus der Geschichte der Gemeinde, Karlsruhe 1924; Hermann Ehmer: Geschichte von Neureut, Karlsruhe 1983.