Arbeitslosenzählung während des Ersten Weltkrieges, Februar 1917, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 1060.
Arbeitslose während der Weltwirtschaftskrise, 1929, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 482.
Bürgerfestumzug 1929: Werbung für die Unterstützung Durlacher Betriebe, Pfinzgaumuseum Durlach U I 52/10.
Arbeitsloser Bauarbeiter im Arbeitsamt, Januar 1959, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A6/4/7/31A.

Arbeitslosigkeit

Hohe Arbeitslosenzahlen waren erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ein gravierendes Problem der städtischen Fürsorge. Mit den zurückkehrenden Soldaten war seit Ende 1918 die Zahl sprunghaft angestiegen, da diese kaum Arbeitsplätze vorfanden. Die Stadt richtete zusätzlich eine Zweigstelle des Fürsorgeamts bei den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken ein, deren Arbeiter und Arbeiterinnen besonders betroffen waren, da am 23. November 1918 die Betriebe in Karlsruhe und Grötzingen geschlossen und die nicht mehr benötigten Arbeitskräfte entlassen worden waren.

Im Laufe des Jahres 1920 stieg die Zahl der Erwerbslosen auf 1.100 im Dezember, fiel aber im folgenden Jahr, als die Scheinkonjunktur der Inflation einsetzte, wieder deutlich, so dass kaum noch Facharbeiter verfügbar waren. Dies führte 1922 zu dem niedrigsten Stand an Arbeitslosen nach dem Krieg. Ein katastrophaler Einbruch kam erst wieder 1922/23 mit dem Beginn des Ruhrkampfes und der dramatischen Beschleunigung der Inflation.

Auch nach der Einführung der Rentenmark blieb die Arbeitslosigkeit zunächst noch hoch. Im Winter 1925/26 stieg die Erwerbslosenzahl kontinuierlich an und erreichte im Februar 1926 eine neue Höchstmarke. Nach einer kurzfristigen Beruhigung stiegen die Zahlen mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise wieder dramatisch an und erreichten 1932 einen Höchststand.

Die neue nationalsozialistisch geleitete Stadtverwaltung profitierte von den vor 1933 eingeleiteten Gegenmaßnahmen und der allgemeinen Erholung der Wirtschaft. So ging die Arbeitslosigkeit deutlich zurück. Im März 1936 war sie gegenüber 1933 um 64,7 % gefallen, womit Karlsruhe aber hinter dem Reichsdurchschnitt von 67,8 % blieb. Hier bestätigte sich die Erfahrung der Weimarer Republik, dass die Arbeitslosigkeit nicht die Spitzen wie in anderen Großstädten erreichte, aber auch nicht so schnell wieder sank. 1938 brachte der Bau des Westwalls eine nochmalige spürbare Verbesserung der wirtschaftlichen und damit der Beschäftigungslage. Aber erst kurz vor Kriegsbeginn war bei nur 620 Arbeitssuchenden im März 1939 wieder eine Vollbeschäftigung erreicht.

Nach dem Ende des Krieges besserte sich die Arbeitsmarktlage, als die ersten nicht zerstörten Industriebetriebe ihre Produktion wieder hatten aufnehmen können. 1949/50 lag die Arbeitslosigkeit in der Stadt aber mit 8,4% wegen des Umstrukturierungsprozesses der Karlsruher Wirtschaft noch höher als in anderen deutschen städtischen Regionen. Im Zuge des deutschen Wirtschaftswunders fiel sie aber auf 0,33 % im Jahre 1960. Die erste wirtschaftliche Rezession der bundesrepublikanischen Geschichte 1966 überstand die Karlsruher Wirtschaft gut. 1966 gab es 2.729 Arbeitslose, von Kurzarbeit betroffen waren 3.266 Karlsruher und Karlsruherinnen. Das waren 1,6 bzw. 2% aller Erwerbstätigen, deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt. Im Sommer 1968 war dann die Vollbeschäftigung wieder erreicht. Erst in den 1980-er Jahren wurde die Arbeitslosigkeit wieder zu einem Problem. Ende 1983 lag die Arbeitslosenquote bei 7,3 %, blieb aber bis heute immer unter dem Bundesdurchschnitt.

Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ernst Otto Bräunche: "Riesengroß ist die Not": Die Karlsruher Notgemeinschaft und die kommunale Sozialpolitik in der Endphase der Weimarer Republik, in: Wirtschaft. Gesellschaft. Städte. Festschrift für Bernhard Kirchgässner zum 75. Geburtstag, hrsg. von Hans-Peter Becht und Jörg Schadt, Ubstadt-Weiher 1998, S. 319-334; ders.: Residenzstadt, Landeshauptstadt, Gauhauptstadt. Zwischen Demokratie und Diktatur 1914-1945. in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 358-502, S. 409-412, und S. 471-473; Manfred Koch: Trümmerstadt - Residenz des Rechts – Zentrum der Technologieregion. Wechselvoller Weg in die Gegenwart, in: ebenda, S. 519-673.