Neubau der Firma Malsch & Vogel in der Stuttgarter Straße, 1968, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A15/146/2/41.

Buchdruckerei Malsch & Vogel

Am 20. Juli 1838 gründeten die beiden Buchdruckereifaktoren Jakob Malsch und Johann Georg Vogel die Buchdruckerei Malsch & Vogel, die zunächst in der Schloßstraße 22 (Rondellplatz) und seit 1842 im unternehmenseigenen Haus Adlerstraße 19 (später 21) untergebracht war. Während Vogel vor allem für die praktischen Belange der Buchdruckerei verantwortlich zeichnete, war Malsch für die angegliederte Verlagsabteilung zuständig, in der schon bald die wichtigsten staatlichen Gesetzes- und Verordnungsblätter erschienen. Dazu gehörten unter anderen von 1838 bis 1850 die „Kriegsdienst-Verordnungen für die Großherzoglich Badischen Truppen“, 1845 das „Strafgesetzbuch für das Großherzogthum Baden nebst dem Einführungs-Edict“, seit 1846 das „Großherzoglich Badische Regierungsblatt“, das seit 1869 als „Gesetzes- und Verordnungsblatt für das Großherzogtum Baden“ und von 1918 bis April 1945 als „Badisches Gesetz- und Verordnungsblatt“ firmierte, von 1869 bis 1920 der „Staats-Anzeiger für das Großherzogtum Baden“ und 1871 „Die Verfassung des Deutschen Bundes“.

Daneben ließen Lehranstalten wie das Lyzeum, die Polytechnische Schule und die Gewerbeschule, Gesellschaften wie die Ettlinger Spinnerei und Weberei, Vereine wie der „Verein für naturwissenschaftliche Mittheilungen zu Carlsruhe“ ihre Statuten und Jahresberichte in dem Unternehmen drucken und auch zahlreiche freie Autoren gaben Bücher und Erläuterungswerke in der Verlagsdruckerei heraus.

Seit der Wahl Jakob Malschs zum Oberbürgermeister 1848 ruhte die Hauptlast des Unternehmens auf Vogel. Als dieser am 1. November 1866 verstarb, erlosch die Gesellschaft Malsch & Vogel vorübergehend, um ab dem 30. November 1866 als offene Handelsgesellschaft (OHG) weitergeführt zu werden. Neben Malsch, der die Firma fortan allein vertrat, zählten die Witwe Friederike Vogel (geborene Willet) und deren sechs Kinder, darunter auch der unmündige Christian Vogel, der 1874 in das Unternehmen eintreten sollte, zu den Gesellschaftern.

Nach dem Rücktritt vom Oberbürgermeisteramt 1870 widmete sich Malsch wieder verstärkt der Verlagsdruckerei. Im Oktober 1875 wurden sowohl Buchdrucker Christian Vogel als auch Buchdruckereifaktor und Geschäftsführer Wilhelm Messerschmidt Prokura erteilt. Nachdem Messerschmidt im August 1894 und Malsch im Dezember 1896 verstarben, führte Vogel allein den Betrieb weiter. Malschs Sohn Karl, Student der Rechtswissenschaft, folgte seinem Vater 1898 als „Teilhaber ohne Vertretungsbefugnis“ nach. Nach dem Ausscheiden Vogels 1919 übernahm er dann gemeinsam mit dem Geschäftsführer und Prokuristen Rudolf Leisinger († 1940) die Geschäftsleitung.

Beim Luftangriff am 4. Dezember 1944 wurde der Betrieb in den drei Hinterhäusern der Adlerstraße 21 zerstört. Malsch verlegte daraufhin Anfang 1945 Druckerei und Verlag in die durch Umzug nach Immendingen frei gewordenen Geschäftsräume der Badischen Druckerei und Verlag J. Boltze GmbH in der Hirschstraße 9.

Bereits am 29. August 1945 erhielt die Buchdruckerei von der Militärregierung eine vorläufige Genehmigung zur Weiterführung des Betriebs, der als langjährige Vertragsdruckerei der Reichsbahn, des badischen Verbandes landwirtschaftlicher Genossenschaften und der Badischen landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft bereits zahlreiche Aufträge erhalten hatte. Auch nach 1945 sollten Verfassungs- und Verwaltungsgesetze, Vorschriften und Bestimmungen aller Art zunächst für den Landesbezirk Baden, seit 1952 für das Land Baden-Württemberg den Verlagsschwerpunkt bilden.

Im Herbst 1947 wurde die Buchdruckerei Malsch & Vogel Verlagsanstalt in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt. Sieben Firmeninhaber sind Anfang der 1950er-Jahre dokumentiert, darunter die beiden Geschäftsführer Wolfgang Malsch und Gunther Rudolph.

Im Frühjahr 1968 zog das Unternehmen von der Hirschstraße in die neue, vom Grötzinger Architekten Walter Mössinger entworfene Firmenanlage in der Stuttgarter Straße 57 c (Einweihung 10. April), die aus einem Bürogebäude und einem großen Hallenbau für Setzerei, Druckerei und Buchbinderei bestand. Auf dem 1.500 Quadratmeter großen Anwesen waren Druckerei und Verlag bis zu ihrer Auflösung am 11. November 1982 ansässig.

Katja Förster 2021

Quellen

StadtAK 1/Wi-ko-Amt 63; GLA EL 402/13 Bü 356, GLA 455 Zug. 1992-53 Nr. 25; Karlsruher Tagblatt vom 5. März 1869 (Handelsregister); Badische Landeszeitung vom 1. Oktober 1896 (Handelsregister).

Literatur

100jähriges Bestehen der Druckerei Malsch & Vogel, in: Badische Presse vom 19. Juli 1938; Druckerei Malsch & Vogel mit geschichtlichem Hintergrund. Neubau in der Stuttgarter Straße 57 c, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 11. April 1968; Zwischen Autor und Leser. Karlsruher Verlage von der Stadtgründung bis heute, hrsg. vom Stadtmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1999.