Der Rondellplatz mit dem Obelisken und dem Markgräflichen Palais, 1903, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 395/390.
Der Rondellplatz mit Blick von Südwesten, im Vordergrund die Verfassungssäule, 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 259.
Südansicht des Rondellplatzes und des Gebäudes Karl-Friedrich-Straße 21 (um 1845 Karl-Friedrich-Straße 23), 1941, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 210.
Blick von Nordosten auf den Platz, links die Ruine des Markgräflichen Palais, gegenüber die Häuser Karl-Friedrich-Straße 24 und 26, rechts das Eckgebäude Karl-Friedrich-Straße 22, 1957, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/140/3/36.

Rondellplatz

Dieser Platz im Verlauf der Karl-Friedrich-Straße ist Teil der zentralen Nord-Süd-Achse Karlsruhes, der Via Triumphalis, und befindet sich zwischen Marktplatz und Ettlinger-Tor-Platz. Die Erbprinzenstraße und die Markgrafenstraße zweigen schräg nach Nordwesten bzw. Nordosten im Verlauf eines früheren Feldwegs von Mühlburg nach Durlach ab.

Der Rondellplatz ist ein wichtiges Element in der Entwicklung der jungen Stadt nach Süden. Er tauchte das erste Mal 1768 im Hauptplan auf, seine runde Form zuerst in einem Plan von 1786. Erst etwa zehn Jahre danach erscheinen in einem Entwurf des Architekten Maurizio Pedetti (1719-1799, Hofbaudirektor des Hochstifts Eichstätt in Bayern) der auf diese Kreisform zurückgehende Begriff Rondellplatz sowie das Denkmalmotiv eines Obelisken als städtebauliches Element (um 1788-90). Von 1800 bis 1809 wurden an dem nun fertig angelegten Platz durch den städtischen Baudirektor Friedrich Weinbrenner (1766-1826) Wohnhäuser im damals hochmodernen klassizistischen Stil gebaut. Der bis heute nie geänderte Name erscheint offiziell erstmals 1887.

Im Zentrum des Platzes steht die sogenannte Verfassungssäule mit Brunnen, das knapp acht Meter hohe Großherzog-Karl-Denkmal. Sein Gesamtentwurf stammt ebenfalls von Weinbrenner.

Die vier Kreisbögen sind, im Uhrzeigersinn betrachtet, heute von konkav geschwungenen Bauten aus unterschiedlichen Epochen, bedingt durch Kriegszerstörung und Modernisierungsdruck, bebaut. Die beiden nördlichen Bögen bilden das dreigeschossige Medienhaus des G. Braun Buchverlags (Karl-Friedrich-Straße 22) sowie das dreigeschossige Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz (vormals Sitz des Landesgewerbeamtes, Karl-Friedrich-Straße 17). Beide Bauten folgen einem städtischen Bebauungsplan von 1949 zur Wiederherstellung der Via Triumphalis, an dieser Stelle in modernen Formen. Gerade das Regierungspräsidium von 1965 bewahrt dabei bis heute die gestalterischen Vorstellungen aus den späten 1950er-Jahren mit Kolonnaden, raumhohen Glasflächen und Fußböden aus Waschbeton im Erdgeschoss. Bis zu ihrer Zerstörung beim ersten großen Luftangriff des Zweiten Weltkriegs auf Karlsruhe am 3. September 1942 standen hier das Haus Wohnlich, 1800 erbaut von Friedrich Weinbrenner, sowie das Haus Reutlinger, 1804 erbaut von Johann Christian Theodor Fischer, beide mit den für den Klassizismus typischen Dreiecksgiebeln.

Den südöstlichen Bogen bestimmt das frühere Markgräflich-Hochbergsche Palais, 1803-14 erbaut von Weinbrenner mit seinem dominanten Portikus aus korinthischen Säulen (Karl-Friedrich-Straße 23). Großherzog Karl Friedrich ließ es für die Söhne seiner zweiten Gattin, der Reichsgräfin Luise Karoline von Hochberg, erbauen. 1942 wurde das Palais weitgehend zerstört. 1960 wurden die Reste abgebrochen, im Jahr 1963 wurde es jedoch unter teilweiser Verwendung der klassizistischen Fassade wiederhergestellt. 2015 hat es die Stadt Karlsruhe von der BBBank für ihre eigenen Zwecke erworben.

Der südwestliche Bogen beherbergt in einem historistischen, viergeschossigen Fassadenfragment den Seiteneingang des modernen Einkaufszentrums ECE-Center Ettlinger Tor (Karl-Friedrich-Straße 24/Ettlinger-Tor-Platz 1). Das 1872 vom Architekten C. A. Gambs umgestaltete Haus Stemmermann beherbergte ab 1927 das beliebte Kino Gloria-Palast (1951 bis 1963 Rondell-Lichtspiele), von 1985 bis 2004 das Centre Culturel Français und das Kammertheater.

2004 stand zur Diskussion, ob der Rondellplatz der Standort des Kunstprojekts "Platz der Grundrechte" und entsprechend umbenannt werden soll, nachdem der Schlossplatz als zentraler Standort der Schilder ausschied. 2015 kam der Rondellplatz als "Platz der Menschenrechte" ins Spiel. Beide Ideen wurden aber nicht umgesetzt.

Die Straßenbahn fuhr von 1877 (damals noch als Pferdebahn-Stichstrecke zum alten Hauptbahnhof an der Kriegsstraße) bis 2013 um das Großherzog-Karl-Denkmal herum. Voraussichtlich ab 2021 wird sie als Südast der U-Strab den Platz in direkter Achse unterqueren.

Roland Feitenhansl 2019

Literatur

Gerlinde Brandenburger (u.a.): Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, Karlsruhe 1987 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 8. Mai 2020); Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Jochen Karl Mehldau: Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 122 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7); Gottfried Leiber: Friedrich Weinbrenners städtebauliches Schaffen für Karlsruhe, Karlsruhe 1999; Manfred Koch (Hrsg.): Stadtplätze in Karlsruhe, Karlsruhe 2003 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26); Claudia Pohl: Kunst im Stadtraum - Skulpturenführer für Karlsruhe, Bretten 2005; Clemens Kieser: „Universität des Handwerks“. Das ehemalige Landesgewerbeamt in Karlsruhe, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 43. Jg. 2014, Heft 1, S. 52-56; Friedrich Weinbrenner 1766-1826. Architektur und Städtebau des Klassizismus, Karlsruhe 2015 (Ausstellungskatalog).