Werbeanzeige der Billing u. Zoller A.G. für Bau- und Kunsttischlerei, 1926.

Billing & Zoller AG für Bau- und Kunsttischlerei

Die Anfänge von Billing & Zoller reichen bis in das Jahr 1838 zurück, als Wilhelm Zoller in der Kronenstraße 4 eine eigene Glaserei gründete. 1863 heiratete seine Tochter Lisette den Maurer Christian Billing, der 1867 oder 1868 Teilhaber des von da an in der Wilhelmstraße 9 angesiedelten und mit „Zoller & Comp.“ firmierenden Unternehmens war. Bereits vor 1865 verfügte Zoller für Holzarbeiten über eine Dampfsägemühle. 1872/73 ging das Firmengrundstück in der Südstadt in den Besitz von Billing über, der darauf ein eigenes Wohnhaus errichtete, welches er 1874 mit seiner Familie bezog. Seit diesem Jahr firmierte der Betrieb mit „Billing & Zoller“.

Der mit der Reichsgründung 1871 einsetzende Bauboom brachte dem glas-, stein- und holzverarbeitenden Unternehmen einen enormen Umsatz. Billing spezialisierte sich in den kommenden Jahren zunehmend mehr auf den Holzbau, auf die Bearbeitung und den Verkauf von Bauholz und insbesondere auf die Bau- und Kunsttischlerei. Der kunstgewerbliche Innenausbau einschließlich Mobiliar machte das Unternehmen nach 1900 national und international bekannt, auch durch seine Teilnahme an internationalen Kunstgewerbe- und Weltausstellungen.

1900 übernahm Christian Billing junior, der ältere Bruder des Architekten Hermann Billing, das Baugeschäft, das er 1904 in eine „Aktiengesellschaft für Bau- und Kunsttischlerei“ umwandelte. „Billing & Zoller“ stattete nicht nur in Deutschland eine Reihe öffentlicher und privater Bauten, darunter Villen, Landhäuser, Banken und Hotels, nach eigenen oder von namhaften Architekten gefertigten Entwürfen aus, sondern belieferte auch zahlreiche Kunden in Holland, Italien, England und der Schweiz.

1910 wurde ein großer Teil der Fabrikanlage in der Wilhelmstraße durch Feuer zerstört. Vorübergehend konnte der Betrieb in die Roonstraße 23a ausweichen, bis er 1911 in der Zeppelinstraße 1 in Grünwinkel ein neues Firmenareal fand. Das der Brauerei Sinner gehörende Gelände ging 1913 in das Eigentum von Billing & Zoller über. Der Erste Weltkrieg führte zu großen wirtschaftlichen Einbußen: Aufträge mussten zurückgestellt werden, die Bauindustrie ging weitgehend zurück.

Mit der Innenausstattung der 1924/25 in Essen erbauten neuen Börse (rund 3.000 Quadratmeter eichene Wandvertäfelung für die Börsensäle, den Sitzungssaal und acht Treppenhäuser sowie das Mobiliar für die Säle und die 80 Besucherzellen) erlebte die Bau-, Möbel- und Kunstschreinerei nochmals einen Aufschwung. Aber bereits das Geschäftsjahr 1926/27 führte zu erheblichen Verlusten, die infolge der schlechter werdenden Konjunktur nicht mehr aufgefangen werden konnten. In der Weltwirtschaftskrise war die Firma ab November 1929 zahlungsunfähig, im Frühjahr 1930 kam es zu seiner Liquidation.

Katja Förster 2019

Quelle

Karlsruher Adressbücher 1838 ff. https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/bestaende/adressbuecher.de (Zugriff am 23. Dezember 2020).

Literatur

Deutsche Staedte. Karlsruhe, [„Kundi“ Kunst- und Industrie-Verlag] Stuttgart [1922], S. 74, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/content/pageview/3309839 (Zugriff am 3. Dezember 2019); Gerhard Kabierske: Der Architekt Hermann Billing (1867-1946). Leben und Werk, Karlsruhe 1996, S. 22-26 (= Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte Bd. 7).