Blick von Norden auf das Gasthaus Krokodil, um 1923, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 148.
Die Gaststätte "Zum Krokodil" nach der Renovierung durch die Brauerei Binding, 1976, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A32/144/6/27.

Gaststätte "Zum Krokodil"

Die traditionsreiche Gaststätte Zum Krokodil an der Ecke Wald- und Blumenstraße eröffnete zu Pfingsten 1884. Maurermeister und Architekt Heinrich Renz, seit 1882 Besitzer des Gebäudes, hatte die Wein- und Bierstuben nach neuestem Münchener Geschmack im altdeutschen Stil hergerichtet und noch 1884 das Anwesen an die Wirtsleute Adam und Marie Möloth verkauft. Möloths Konzept, Münchener Exportbier und Weine aus eigenem Oppenheimer Anbau auszuschenken sowie durchgehend warme Küche anzubieten, hatte nachhaltigen Erfolg, auch wenn er selbst bereits 1885 verstarb. Der Sohn Karl Jakob, der Theologie in Heidelberg studierte, übernahm daraufhin 1886 den väterlichen Betrieb.

Das Adressbuch nennt 1891 Heinrich Troß als Wirt und 1892-1894 Johann Georg Stark als Wirt und Eigentümer des Anwesens, während Karl Jakob in dieser Zeit Wirt im alten Schützenhaus im Schlossbezirk 19 war. Erst 1894 sind Mutter und Sohn wieder als Eigentümerin und Wirtsleute in der Waldstraße 63 verzeichnet, die 1898 gemeinsam mit der seit 1885 in Familienbesitz befindlichen Bürgerstraße 14 ganz auf den Sohn überging. Ab 1898 verpachtete Karl Jakob Möloth Räumlichkeiten des Krokodils an Franz Rischerle, der darin die Wirtschaft Zur Fortuna eröffnet, und um 1900 richtete er noch eine eigene Weinhandlung an der Adresse ein.

1914 ließ er das Eckhaus abreißen und bis 1915 durch einen originellen Neubau nach Plänen des Architekturbüros Pfeifer & Großmann ersetzen, der mit seiner Münchener Jugendstilarchitektur sowie der Darstellung der Münchner Frauenkirche (Majolika-Bild oberhalb des Haupteingangs) unmittelbar auf den Ausschank von Münchener Löwenbräu Bier anspielt. Die fünf vollplastischen emaillierten Porträtköpfe in den Bogenfeldern über den Biforienfenstern geben die Familie Karl Jakob Möloths wieder (ein Sohn mit Krokodil als Attribut).

Seit Ende der 1880er-Jahre wurde das Krokodil von zunehmend mehr Vereinen als Vereinslokal genutzt. Neben Sport-, Gesangs- und Künstlervereinen sowie Burschenschaften entwickelte es sich vor allem auch zu einem Treffpunkt der verschiedenen politischen Vereine. Möloth selbst wurde 1912 in den Stadtrat gewählt. Auch auswärtige Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, wie Gustav Stresemann am 23. Oktober 1925 oder Siegfried und Winifred Wagner am 27. Februar 1926, zählten regelmäßig zu den Gästen.

Nach dem Tod von Möloth um 1924 führte der Sohn Fritz mit seiner Frau Helene zunächst Wirtschaft und Weinhandlung fort, später nur noch die Weinhandlung, während er das Lokal, in dem 1933 die Kreisleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ihre Geschäftsstelle einrichtete, verpachtete. 1935 verlegte Fritz Möloth die Weinhandlung in die Ritterstraße 24 und verkaufte das Anwesen an die Brauerei Heinrich Fels GmbH, die nach einigen Umbauarbeiten zum 1. Oktober 1935 ihren Hauptausschank im Krokodil eröffnete. Während des Zweiten Weltkriegs wurde am 27. September 1944 das mit Dachgauben versehene Walmdach zerstört. Nach Kriegsende bis 1954 wurde das Lokal von der amerikanischen Militärregierung als Polizeistation genutzt.

1976 verkaufte die Brauerei Heinrich Fels GmbH das Gebäude an die Binding Brauerei AG, Frankfurt am Main, seit 2002 Radeberger Brauerei GmbH, welche bereits 1967 ihren Brauereibetrieb übernommen hatte. Rund eine Million Mark investierte die neue Eigentümerin in die in Kooperation mit dem Denkmalamt vorgenommene Renovierung des traditionsreichen Lokals. Der gastronomische Bereich wurde in Tagestreff, Abendtreff und zwei Hauptgasträume unterteilt. Nebenzimmer und Säle im ersten Obergeschoss dienten auch weiterhin Vereinen und Institutionen für ihre Versammlungen.

2008 wurde die Gaststätte von der Enchilada-Gruppe übernommen und seitdem als mexikanisches Restaurant Enchilada geführt. Der Gruppe gehören auch die am Ludwigsplatz gelegenen Gastronomiebetriebe Aposto und Lehner’s Wirtshaus sowie das Besitos am Marktplatz an.

Katja Förster 2015

Quellen

Karlsruher Adressbücher 1882 ff. https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648 (Zugriff am 27. Dezember 2020); Krokodil am Ludwigsplatz. Aus der Geschichte einer alten Karlsruher Gaststätte, in: Beilage zu "Der Führer", 30. September 1935 StadtAK 8/Ze 14; Bei jedem Anstich brüllte der Löwe. Erinnerungen an das alte "Krokodil" und seinen diplomatischen Wirt, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN), Nr. 295, 18. Dezember 1956; Attraktives Angebot vielseitiger Gastronomie: Das "Krokodil" am Ludwigsplatz wurde neu eröffnet, in: Badische Neueste Nachrichten, 9. Dezember 1976,StadtAK 8/Ze 15.

Literatur

Susanne Stephan-Kabierske: Ludwigsplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 164-173, S. 169-172 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).