Titelseite der ersten Ausgabe des Karlsruher Volksblatts, später Badische Zeitung, 1. Februar 1924, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 8.
Zeitungskopf der Badischen Zeitung vor der Umbenennung, 28. Februar 1925, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 8.
Zeitungskopf der Badischen Zeitung nach der Umbenennung, 2. März 1925, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 8.

Badische Zeitung

In Karlsruhe erschien vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eine Vielzahl von Zeitungen, zu denen seit 1924 auch die Badische Zeitung - Karlsruher Volksblatt für nationale und christliche Politik (1924-1934) gehörte. Sie war das Hauptorgan der badischen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Das Karlsruher Volksblatt, wie die Zeitung bis 1925 hieß, hatte seine Leserschaft mit dem Bekenntnis begrüßt, „die völkische Idee zu verfechten“ und der Forderung „Deutschland den Deutschen! – Hinweg mit allem, was undeutsch, was unserem innersten Wesen widerspricht.“ und damit schon darauf hingewiesen, dass man die deutlich antisemitischen und völkischen Tendenzen in der badischen DNVP in vollem Umfang mittrug. Auch in der Folgezeit brachte das Blatt immer wieder Artikel mit antisemitischem Inhalt. Es erschien zunächst viermal in der Woche, ehe es zum 1. März 1924 zum sechsmaligen Erscheinen überging.

Bis zum 2. November 1924 führte es den Untertitel „Für die schaffenden Stände in Stadt und Land“, danach „Für nationale, christliche und völkische Politik“. Mit der Umbenennung ab 2. März 1925 in „Badische Zeitung“ verbunden war auch ein neuer Untertitel „Karlsruher Volksblatt für nationale und christliche Politik“. Angekündigt war noch am 28. Februar „für nationale, christliche und völkische Politik“. Die Streichung des Attributs völkisch hing offensichtlich mit dem Kurswechsel der Partei und ihrer erstmaligen Beteiligung an der Reichsregierung zusammen. Die deutschnationalen Minister Martin Schiele, Innenminister, und Albert Neuhaus, Wirtschaftsminister, schieden zwar noch Ende Oktober des Jahres wieder aus der Regierung aus. Der gemäßigte Kurs hatte aber trotz der ein oder anderen antisemitischen Agitation – so veröffentlichte die Karlsruher DNVP im Februar 1925 ein Flugblatt antisemitischen Charakters - noch Bestand bis nach der Reichstagswahl 1928, als eine deutliche Wahlniederlage die nationalistischen und antisemitischen Kräfte in der Partei wieder erstarken ließ. Anfang 1932 firmierte die Badische Zeitung mit dem Untertitel Reichsnachrichten des Stahlhelm. Die Berichterstattung über den der DNVP nahestehende paramilitärischen Bund der Frontsoldaten hatte schon zuvor breiten Raum eingenommen.

Die Auflage der Zeitung lag 1926 bei 8.000, fiel dann aber auf rund 3.000 in der Endphase der Weimarer Republik zurück. Die Konkurrenz am äußersten rechten Rand der Parteizeitungen durch das NSDAP-Gauorgan Der Führer hatte vermutlich maßgeblichen Anteil an diesem deutlichen Rückgang. Anfang 1934 stellte die Zeitung ihr Erscheinen ein. Sie war im NS-Staat so überflüssig geworden wie die DNVP, die sich am 27. Juni 1933 selbst aufgelöst hatte. Da sich auch der Stahlhelm Anfang 1934 in Auflösung befand, war die Einstellung nur folgerichtig.

Ernst Otto Bräunche 2021

Quelle

Badische Zeitung, StadtAK 8/Ze 8.

Literatur

Konrad Dussel: Pressebilder in der Weimarer Republik. Entgrenzung der Information, Münster 2012; Viktor Fichtenau: "Bei der nationalen Revolution nach Kräften mitarbeiten": Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) in Karlsruhe, in: Ernst Otto Bräunche/Frank Engehausen/Jürgen Schuhladen-Krämer (Hrsg.): Aufbrüche und Krisen. Karlsruhe 1918-1933, Karlsruhe 2020, S. 141-161 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 35); Ernst Otto Bräunche: „Schon wieder eine neue Zeitung!“ Ein Überblick zur Entwicklung der Presselandschaft in Karlsruhe seit dem 18. Jahrhundert, in: Forschungen und Quellen. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 21 (erscheint 2021).