Fidel Binz

Bildhauer, * 22. November 1850 Mahlberg/Ortenaukreis, † 12. März 1920 Karlsruhe, kath., ∞ Clementine Klages, 4 Söhne, 2 Töchter.

Fidel Binz, Sohn eines Küfermeisters, Land- und Gastwirts studierte ab Oktober 1868 an der Münchner Kunstakademie Bildhauerei. Seit 1874 ist Binz in Karlsruhe nachzuweisen, wo er bis 1882 im Haus seines Schwiegervaters, des Hofschauspielers Carl Wilhelm Klages, in der Bismarckstraße 45, in direkter Nachbarschaft zu Friedrich Moest und in unmittelbarer Nähe zur Großherzoglichen Kunstschule wohnte und arbeitete. Der Bildhauer plante wohl zunächst, seine Werkstatt für Steinhauerei in der Weststadt aufzubauen, denn zwischen 1881 und 1883 kaufte er in der neu hergestellten Lessingstraße drei Bauplätze, von denen er zwei bebaute. Zwischen 1885 und 1887 verkaufte er die drei Anwesen wieder und zog in die unmittelbare Nähe des neuen Hauptfriedhofs im kaum besiedelten Osten der Stadt, da er sich hier eine noch bessere Auftragslage, besonders in der Grabmalkunst, versprach. 1891 kaufte und bebaute er das Anwesen Karl-Wilhelm-Straße 6 und richtete sich darauf auch seine Werkstatt sowie eine kleine Ausstellungshalle für Grabmalkunst und Bauplastik ein. 1894 erweiterte er seinen Besitz noch um das Nachbargrundstück Nr. 8.

Bauplastik und Grabmalkunst bildeten die beiden Schwerpunkte des Betriebs. Zu Binz bedeutenderen bauplastischen Arbeiten gehörten die drei Lünettentondi (1879/80) und der ornamentale Fassadenschmuck (1899/1900) am Palais Bürklin; die Allegorie der Musik (1889) nach einem Entwurf von Adolf Heer am Nordostportal der Städtischen Festhalle; die gemeinsam mit seinem Sohn Hermann Binz ausgeführten figurativen Darstellungen (1901) an der Westfassade der Gaststätte "Zum Moninger"; sowie der nach einem Entwurf von Hermann Volz ausgeführte Brunnen im Akademiegarten (1906) anlässlich der Goldenden Hochzeit des badischen Großherzogspaares. Daneben schufen er und seine Werkstatt seit etwa 1890 zahlreiche Grabmäler mit figurativem oder auch nur dekorativem Schmuck. Von diesen sind heute noch einige auf dem Karlsruher Hauptfriedhof erhalten, darunter das eigene Familiengrabmal (um 1892), das Grabmal Weylöhner (um 1895), das Grabmal Jacobi (um 1911), das Grabmal von Stadtbaurat Wilhelm Strieder und Familie (1914) sowie das vom Deutschen Radfahrerbund Anfang der 1890er-Jahre in Auftrag gegebene Grabmal für den bereits 1851 verstorbenen Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn (1891).

Als kurz nach 1900 die Galvanoplastische Abteilung der Württembergischen Metallwarenfabrik die serielle Produktion von Grabfiguren aufnahm, wurden auch Modelle von Binz, der zweimal Italien bereiste, im Firmenkatalog angeboten. Hierbei handelte es sich durchgehend um jene trauernden Frauenfiguren im klassizistischen Stil, die er bereits in den 1890er-Jahren für Karlsruher Grabstätten in Marmor gefertigt hatte. Auch von den preisgünstigeren Galvanoplastiken finden sich heute noch Exemplare auf den Friedhöfen in Berlin, Dortmund und München.

Einige bekannte Bildhauer, wie Hermann Föry und Theodor Hengst, absolvierten ihre Lehrzeit in der Werkstatt von Binz, bevor sie ihre Ausbildung an staatlichen Schulen fortsetzten. Auch die beiden Söhne Hermann und Alfred traten in die Fußstapfen des Vaters, wobei Hermann zum bekanntesten Bildhauer der Familie wurde.

Katja Förster 2016

Quellen

Karlsruher Adressbücher 1875 ff.; Geburtstagsgruß an eine rüstige Neunzigjährige. Die Gattin des Bildhauers Binz glückliche Jubilarin, in: Badische Presse, Nr. 6 vom 8./9. Januar 1944, S. 6.