Rudolf Gleichauf, um 1880, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 455.
Blick in das renovierte Treppenhaus der Handelslehranstalt II in der Englerstraße 12; oben an der Decke drei von insgesamt zwölf Ölgemälde von Rudolf Gleichauf, 16. Januar 1977, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A33/76/7/11.

Rudolf Gleichauf

Maler, * 29. Juli 1826 Hüfingen/Schwarzwald-Baar-Kreis, † 15. Oktober 1896 Karlsruhe, kath., ledig.

Ersten Zeichenunterricht erhielt der aus einfachsten Verhältnissen stammende Rudolf Gleichauf bei Lucian Reich, dem Vater von Franz Xaver Reich und Lucian Reich dem Jüngeren. Reich erwirkte für den talentierten Schüler eine finanzielle Unterstützung durch den Fürsten Karl Egon II. zu Fürstenberg, so dass dieser 1843 bei Julius Schnorr von Carolsfeld an der Münchner Akademie ein Studium beginnen konnte. 1846 folgte er Schnorr nach Dresden, wo dieser die Leitung der Gemäldegalerie und eine Professur an der Akademie übernommen hatte. 1849-1852 besuchte Gleichauf noch, wie ehemals die Brüder Reich, das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt.

Sicherlich auf Veranlassung von Franz Xaver Reich, der von Heinrich Hübsch seit 1840 zu allen wichtigen Bauvorhaben als Bildhauer herangezogen wurde, beauftragte Hübsch 1852/53 Gleichauf, zusammen mit dem ebenfalls aus Hüfingen stammenden und bei Schnorr ausgebildeten Josef Heinemann, mit der Ausmalung des neuerbauten Großherzoglichen Hoftheaters in Karlsruhe. Gleichauf und Heinemann entwarfen für Hübsch 1853/54 auch die Allegorien der vier Weltteile für die Lünetten über den Portalen des Orangeriegebäudes. Außerdem führte der Maler in den 1850er-Jahren an der Trinkhalle Baden-Baden den Kinderreigen über den Eingängen in den Brunnensaal aus.

Wichtigster Auftraggeber für Gleichauf, der Karlsruhe nur noch zu Studienreisen verließ, wurde seit Anfang der 1870er-Jahre allerdings Josef Durm. In dessen Auftrag fertigte er für private, städtische und staatliche Bauten monumentale Malereien an, darunter für das städtische Vierordtbad (Giebelfeld über dem Portikus mit der Allegorie der "Hygieia", 1872/73; 1892 Übertragung in sechseckige Fliesen), für die Kapelle des neuen Hauptfriedhofs (Altarbild "Der erstandene Christus mit den Frauen am Grabe", 1875/76), für die städtische Festhalle (Innen: Bogenzwickel der Bühnenwand mit den Allegorien des Rheins und der Donau, 1877; außen: Rundbogenfeld des Südwestportals mit der Personifikation von Karlsruhe, einem Sänger den Siegeskranz darreichend, 1885; Nischengewölbe des Nordostportals mit der Allegorie der von Tänzern und Musizierenden umgebenen Freude, 1889), für den neuen Ostflügel der Staatlichen Kunsthalle (im Treppenhaus zwölf Lünetten, 1896; im Nordsaal das Wandgemälde mit den Allegorien der Architektur, Bildhauerei und Malerei, 1896, unvollendet) sowie allegorische Gestalten im Kupferstichkabinett. Auch außerhalb von Karlsruhe führte Gleichauf Aufträge für Durm aus, wie die vier Rundbilder mit den Allegorien der Philosophie, Medizin, Jurisprudenz und Theologie für die neu gestaltete Aula der Heidelberger Universität 1886.

Des Weiteren schuf Gleichauf für das von Karl Josef Berckmüller entworfene Großherzogliche Sammlungsgebäude (fertig gestellt 1874; heute Staatliches Naturkundemuseum) – in Analogie zu den allegorischen Standbildern der Ethnografia, Minerva, Klio und Isis von Carl Johann Steinhäuser am Außenbau – Allegorien der vier Sammlungsschwerpunkte im Inneren. Ebenso fertigte er für das Treppenhaus des nach Plänen von Heinrich Lang 1876 erbauten Realgymnasiums (heute Ludwig-Erhard-Schule) zwölf lünettenförmige Ölgemälde mit Sinnbildern der Wissenschaften und der Künste an. Der Großteil der angeführten Malereien ist noch heute erhalten.

Katja Förster 2016

Literatur

Thomas Cathiau: Rudolf Gleichauf, in: Badische Biographien, Bd. V, hrsg. von Friedrich von Weech und Albert Krieger, Heidelberg 1906, S. 202-206, http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/pageview/251332 (Zugriff am 1. August 2016) ; Andreas Tacke: Ruperto-Carola 1386-1886. Rudolf Gleichaufs Entwürfe der Fakultätsbilder zum 500. Heidelberger Universitätsjubiläum, in: Weltkunst, Jg. 67, 1997. S. 936 f.