Außenansicht des Gefängnisses Durlach, um 1985, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 2535.

Stadtgefängnis Durlach

Das Stadtgefängnis Durlach befand sich in der Marstallstraße und wurde 1843–1846 von Jakob Hochstetter, dem späteren Direktor des Karlsruher Polytechnikums, auf dem Sumpfgebiet des Weiherhofgeländes (heute Scheck-In-Center), das damals außerhalb der Stadtmauern lag, auf einem U-förmigen Grundriss aus Buntsandstein gebaut. Das Gefängnis ersetzte die zur selben Zeit abgerissenen Durlacher Stadttore (ausgenommen das Basler Tor), deren Türme zuvor als Hafträume gedient hatten. 1848/49 erfolgte eine Erweiterung und Aufstockung des Gefängnisses um ein drittes Stockwerk. Der feuchte Untergrund führte allerdings dazu, dass das Gebäude bereits 1872 wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. Ein Neubau in T-Form, der 1872/73 von dem Karlsruher Bezirksbauinspektor Franz Serger geplant wurde und eine baldige erneute Verschlechterung der Bausubstanz verhindern sollte, erfolgte daher auf den Mauerresten der mittelalterlichen Durlacher Stadtbefestigung. Dabei wurden Baumaterial sowie charakteristische Gebäudeteile des Vorgängerbaus wie Portal, Gesims oder Fensterwände wieder verwendet. 1892/93 kam es zu einer Erweiterung des Zellentrakts nach Westen.

Im weiteren Verlauf fungierte das Gefängnis als Jugendarrestanstalt und zuletzt als Untersuchungsgefängnis des Bundesgerichtshofs. Aus dieser Zeit stammt auch der bekannteste Häftling. Anfang 1963 saß der damalige Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein während der Spiegel-Affäre für kurze Zeit im Durlacher Gefängnis. Eine weitere bekannte Insassin war die Durlacher Revolutionärin Henriette Obermüller(-Venedey), die 1849/50 hier eine Strafe wegen Hochverrats absaß.

Im Oktober 1990 erfolgte – unter großem Protest der Durlacher Bevölkerung – der Abriss des Gefängnisses.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 8/ZGS 83; GLA 234 Nr. 11421-11425; 236 Nr. 8559-8560; Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 8. Februar 1963, StadtAK 8/Ze 15.

Literatur

Susanne Asche: Die Bürgerstadt, in: Susanne Asche/Olivia Hochstrasser: Durlach – Staufergründung, Fürstenresidenz, Bürgerstadt, Karlsruhe 1996, S. 147-444, hier S. 232 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 17) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP76vk57UXv/Durlach_Staufergruendung.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020); Datenbank Bauforschung/Restaurierung des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg, http://www.bauforschung-bw.de/objekt/id/121316109016/ehem-amtsgefaengnis-in-76227-karlsruhe-durlach/ (Zugriff am 5. August 2015).