Neues Schulgebäude der Handelsschule Durlach (heute Engelbert-Bohn-Schule), Am Steinbruch 20, November 1966, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A13/182/1/43.

Engelbert-Bohn-Schule (ehemalige Handelslehranstalt Durlach)

Die Gründung einer kaufmännischen Fortbildungsschule in Durlach 1905, die als "Handelsabteilung" der dortigen Gewerbeschule in der Schillerstraße (später Gymnasiumstraße) 1 angeschlossen wurde, ging auf die Initiative des Kaufmännischen Vereins Durlach zurück. Der zunächst zweijährige Unterricht in besonderen Lehrfächern für kaufmännische Disziplinen war für Handelslehrlinge obligatorisch.

Von 1905-1914 stieg die Schülerzahl von 33 auf circa 80 Auszubildende an. Mit der Einrichtung eines eigenen Dezernats für Handelsschulwesen im Badischen Ministerium für Kultus und Unterricht 1920 war der Weg für die organisatorische Trennung von Gewerbe- und Handelsschulen geebnet, die in Durlach zum Schuljahr 1924/25 erfolgte. Bereits 1921/22 war an der Handelsabteilung eine Handelsjahresklasse eingerichtet worden, die zum Schuljahr 1928/29 in eine zweijährige Höhere Handelsschule umgewandelt wurde. 166 Schüler besuchten in dieser Zeit entweder die dreijährige Pflicht- oder Höhere Handelsschule, weitere 28 Handelsbeflissene die Abendfachkurse.

Anfang April 1945 wurde der Unterricht eingestellt und erst zum Frühjahr 1946 mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung und unter Leitung des von der Handelslehranstalt Pforzheim nach Karlsruhe-Durlach versetzten Studienrats Alfred Schey in bescheidenem Maße wiederaufgenommen. Nach der Währungsreform 1948 stieg die auf die Hälfte der Vorkriegszeit geschrumpfte Schülerzahl rasch an, besonders mit weiblichen Auszubildenden. Zum Schuljahr 1955/56 wurde die Kaufmännische Berufsschule und Höhere Handelsschule noch um eine zweijährige Kaufmännische Berufsfachschule (Handelsschule) ergänzt. Die Raumnot nahm in den 1950er-Jahren eklatante Ausmaße an: 410 Schülern in 17 Klassen standen nur sechs Schulräume und ein Schreibmaschinensaal zur Verfügung.

Als Übergangslösung, bis der projektierte Umbau der Karlsburg zu Unterrichtszwecken abgeschlossen sei, wurde für die Handelslehranstalt 1966 Am Steinbruch 20 ein Schulgebäude in Fertigbauweise mit zwölf geräumigen Klassenzimmern errichtet. Zum Schuljahr 1967/68 wurden die Höhere Handelsschule und die Handelsschule durch eine zweijährige Wirtschaftsschule ersetzt. Im März 1968 wurde die Handelslehranstalt IV Durlach nach dem ehemaligen badischen Referenten für Handelsschulwesen Engelbert Bohn umbenannt. In den 1970er-Jahren entwickelte sich die kaufmännische Schule rasch weiter.

Ab 1977 fand der Berufsfachschulunterricht für Bürotechnik in der Außenstelle Grötzingen statt. Als die Stadt 1982 die Verlegung der Engelbert-Bohn-Schule in das Schulzentrum Südwest in Oberreut, Joachim-Kurzaj-Weg 4, zum neuen Schuljahr 1983/84 beschloss, um durch das frei werdende Schulhaus Am Steinbruch die Raummisere an der Durlacher Gewerbeschule und dem Markgrafengymnasium zu verbessern, zählte die Schule 340 Schüler in den drei Fachgruppen der Kaufmännischen Berufsschule Bürogehilfinnen, Großhandels-/Bürokaufleute im Kraftfahrzeug-Bereich und Industriekaufleute sowie 231 Schüler in der Berufsfachschule für Wirtschaft und für Bürotechnik.

Mit dem Standortwechsel der Engelbert-Bohn-Schule kam es zwecks Sicherung ihrer weiteren Existenz zu einer Umstrukturierung des kaufmännischen Schulwesens in Karlsruhe. Das bisherige Berufsschul- und Berufsfachschulangebot der Engelbert-Bohn-Schule wurde noch um die Fachklassen für Sozialversicherungsfachangestellte, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte (bisher Friedrich-List-Schule) sowie Fachangestellte für Arbeitsförderung erweitert. Bis heute bestimmen die Büroberufe das Profil der Schule, die seit Ende der 1990er-Jahre von rund 1.100 Schülerinnen und Schülern besucht wird.

Katja Förster 2015

Literatur

Engelbert-Bohn-Schule Karlsruhe. Jahrbuch 1999 mit Chronik 1905-1999, hrsg. vom Förderverein der Engelbert-Bohn-Schule, Karlsruhe [1999]; Engelbert-Bohn-Schule Karlsruhe, http://www.ebs-karlsruhe.de (Zugriff am 30. August 2015).