Bürgerverein der Weststadt

Der Bürgerverein der Weststadt ist die Interessenvertretung der Bewohnerinnen und Bewohner des Karlsruher Stadtteils Weststadt. Sein Zweck besteht laut Satzung in der Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde, des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege, des Natur- und Umweltschutzes und der Landschaftspflege, der Förderung von Kunst und Kultur sowie der Jugend- und Altenhilfe.

Der Verein wurde am 15. Februar 1894 als „Bürger-Vereinigung der Weststadt“ gegründet. Unmittelbarer Anlass der Vereinsgründung war der durch Abfälle und Aas entstehende unangenehme Geruch des damals noch offenen Landgrabens, für dessen Überbauung sich der Bürgerverein in seiner Anfangszeit erfolgreich einsetzte. 1919 schloss sich der Bürgerverein mit der seit 1904 bestehenden und ähnliche Ziele verfolgenden Weststadtgesellschaft zusammen. Die erste größere Aktivität des Bürgervereins nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bestand in der Ausrichtung eines Volksfests, dem Lindenblütenfest, auf dem Gutenbergplatz. Ein weiteres wesentliches Anliegen des Vereins bestand in der Sicherstellung einer nahe gelegenen Bade- und Schwimmgelegenheit, nachdem das Freibad an der Alb und das Militärschwimmbad am Kühlen Krug wegen der Albverschmutzung für die Öffentlichkeit gesperrt wurden. Das Militärschwimmbad wurde 1921 durch den Karlsruher Schwimmverein von 1899 als Hallenbad West übernommen. 1929 konnte der Bürgerverein den Weiterbetrieb des Schwimmbads bis zu seiner Zerstörung 1944 sicherstellen.

Nachdem am 30. Juni 1934 noch die 40-Jahr-Feier des Vereins begangen werden konnte, folgte 1935 die von den nationalsozialistischen Machthabern erzwungene „freiwillige“ Auflösung. 1947 wurde der Verein als „Bürgerverein der Weststadt“ wiedergegründet. Seit der Nachkriegszeit besteht eine wichtige permanente Aufgabe des Bürgervereins in der konstruktiv-kritischen Begleitung von Bauvorhaben, Infrastrukturmaßnahmen und der Verkehrsplanung. So wirkte der Bürgerverein beispielsweise mit an der Planung der Überführung am Westbahnhof, der Anlage von Kinderspielplätzen, der Bebauung des Beiertheimer Felds oder dem Schulhausbau. Außerdem kam es auf seine Initiative 1960-1962 zur Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeteile des Krautkopfbrunnens auf dem Gutenbergplatz, der am 5. August 1962 wieder eingeweiht wurde.

Darüber hinaus bietet der Verein regelmäßig kulturelle und gesellige Veranstaltungen. Zu diesen gehörten bzw. gehören der Silvesterball, der Rosenmontagsball, das Frühlingsfest, das Lindenblütenfest, die Herbstfeier und die Weihnachtsfeier. Die erste Ausgabe des Mitteilungsblatts des Bürgervereins Weststadtspiegel erschien erstmals im Jahr 1950. Das Informationsorgan erscheint sechsmal im Jahr und wird unentgeltlich an alle Haushalte der Weststadt verteilt.

Vorsitzende des Bürgervereins waren Jakob Friedrich Nagel (1894-1903), Friedrich Nagel (1903-1911), Wilhelm Lipp (1911-1920), Johannes Melchior Burger (1920-1924), Franz Herrmann (1924-1930), Ernst Lützerath (1930-1932), Gottfried Zinser jun. (1932-1934), August Loser (1934-1935), Hermann Kaefer/Paul Kolb (1947-1948), Franz Luipold (1948-1965), Rudolf Schmerbeck (1965-1978), Horst Diefenbach (1978-1998), Hans-Joachim Kessler (1998-2015) und Joachim Kluge (2015-2017). Seit 2017 hat Marcus Burkard dieses Amt inne.

René Gilbert 2019

Quelle

StadtAK 8/StS 20/816.

Literatur

Eugen Singer: Der Bürgerverein der Weststadt, in: Festschrift anlässlich der 65. Gründungs-Feier des Bürgervereins der Weststadt Karlsruhe. Weststadtspiegel 27 (1959), S. 11-45; 80 Jahre Bürgerverein der Weststadt Karlsruhe e. V. 1894-1974; Roland Eichler: Die Weststadt im Spiegel der Zeit. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des Bürgervereins der Weststadt Karlsruhe e. V., Karlsruhe 1994; Bürgerverein der Weststadt e. V. (Hrsg.): 100 Jahre Lindenblütenfest – 125 Jahre Bürgerverein, Karlsruhe 2019 (Festschrift); Homepage des Bürgervereins der Weststadt, http://www.ka-w.de/ (Zugriff am 5. Mai 2019).