Westansicht der Markgrafenkaserne, im Vordergrund das Mannschaftsgebäude, rechts davon das Kammergebäude, 1917, Pfinzgaumuseum Durlach U I 1170.

Markgrafenkaserne (heute Landespolizeidirektion Karlsruhe, Außenstelle)

1913 beschloss das Preußische Kriegsministerium, dem das badische Militär seit 1870 unterstand, das in Durlach stationierte Train-Bataillon Nr. 14 um zwei Kompanien zu erweitern. Die Karlsburg, in dem das Bataillon seit 1895 garnisoniert war, reichte dafür nicht aus. Daraufhin kaufte der Reichsmilitärfiskus von der Stadt Durlach ein über drei Hektar großes Areal entlang der Weingartener Straße (heute Alte Weingartener Straße 49), auf dem 1914/15 nach Plänen des Regierungsbaumeisters und Vorstandes des Karlsruher Militärbauamts, Baurat August Seebold, die Markgrafenkaserne errichtet wurde. Da Anfang August 1914 der Erste Weltkrieg begann, konnte die zu diesem Zeitpunkt nahezu fertig gestellte Kaserne nicht mehr mit beiden Kompanien vollständig belegt werden. Zum Frühjahr 1919 wurde das Train-Bataillon aufgelöst.

Aufgrund der Einrichtung einer entmilitarisierten Zone nach Kriegsende 1918 durfte die Markgrafenkaserne nicht mehr militärisch genutzt werden. Gegen einen jährlichen Mietpreis von 16.440 Reichsmark überließ der Reichsfiskus der Stadt Durlach ab 1921 den Nordflügel des ehemaligen Mannschaftsgebäudes sowie das nördlich davon gelegene Kammergebäude für die Einrichtung des städtischen Krankenhauses. Im Südflügel des Mannschaftsgebäudes befand sich von 1921-1934 das neu geschaffene Finanzamt Durlach. 1927/28 bemühte sich die Stadt vergeblich, die Kasernenanlage zum weiteren Ausbau des Krankenhauses zu erwerben. Auf Betreiben des Badischen Innenministeriums musste das Krankenhaus zum 1. März 1935 die Markgrafenkaserne räumen. Die Anlage wurde sogleich von der 7. und 8. Hundertschaft der Landespolizei, welche bereits dem Reichsstab in Berlin unterstellt war, bezogen.

In den nächsten Monaten wurde das Kasernenareal vergrößert sowie Umbauten (ehemaliges Kammergebäude) und Neubauten (Trainstraße 1-3) vorgenommen. Die in der Markgrafenkaserne untergebrachte Landespolizei-Abteilung wurde 1936 als Teil des neu aufgestellten 2. Infanterie-Regiments 109 in die Deutsche Wehrmacht überführt. Als Einheit des 2. Bataillons bezogen die Männer Anfang April 1938 die eigens für das 2. Infanterie-Regiment 109 erbaute Freiherr-von-Forstner-Kaserne in Karlsruhe. Die in Bruchsal stationierte Nachrichten-Abteilung der 35. Infanterie-Division wurde daraufhin in die Markgrafenkaserne verlegt, was noch im selben Jahr zur Umbenennung der Kaserne in Funkerkaserne führte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Ersatz-Abteilungen der 35. Division, die maßgeblich an Verbrechen der Wehrmacht beteiligt war, in der Kaserne ausgebildet.

Nach Kriegsende 1945 wurde die Kaserne zunächst von französischen und dann von US-Streitkräften besetzt. Von 1946-1952 war in ihr die Polizeischule für Nordbaden sowie von 1952-1969 Abteilungen der Bereitschaftspolizei untergebracht. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wurde die ehemalige Kaserne im Herbst 1970 Außenstelle der Landespolizeischule Baden-Württembergs. Seit 1988 dient der Komplex der Landespolizeidirektion Karlsruhe als Außenstelle für technische Einrichtungen.

Katja Förster 2015

Quelle

StadtAK 5/Durlach A 3337 f.

Literatur

Herbert Roth: 1913-1988. 75 Jahre Markgrafenkaserne – Funkerkaserne – Polizeiunterkunft, Karlsruhe 1988; Garnisonstadt Karlsruhe. Militärische Liegenschaften einst und heute, zus. gestellt von Oberstleutnant Lüdke 1989, überarb. 1993 [Masch.schriftl. Manuskript], S. 49-51, S. 54 f., StadtAK 8/StS 11/103; Karlsruhe als Garnison. Festschrift zum Garnisontag 1956 und zur 2. Wiedersehensfeier der 35. Infanterie-Division in Karlsruhe am 29./30. September 1956, hrsg. vom Ausschuss für die Vorbereitung des Garnisontages 1956, Karlsruhe 1956.