Luftbild der Elisabeth-Selbert-Schule (vorne), direkt dahinter Carl-Engler-Schule und Heinrich-Hertz-Schule, 2003, Foto: Roland Helfer, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 488/1026 DO.

Elisabeth-Selbert-Schule

„Optimaler Ressourceneinsatz, ökonomische Auslastung der Kapazitäten, mehr Effizienz und Kostenersparnis“ waren die Beweggründe des Karlsruher Gemeinderats im Frühjahr 1996 für seinen Beschluss, die Gertrud-Bäumer-Schule und Helene-Lange-Schule zu einer Schule zu vereinen. Beide Schulen hatten in ihrer langen Geschichte nicht nur ein ähnliches hauswirtschaftlich-pflegerisches und sozialpädagogisches Profil entwickelt, sondern sie lagen seit 1984 auch in direkter Nachbarschaft im Beiertheimer Feld – eine Konzeption, welche der Gemeinderat bereits Anfang der 1960er-Jahre mit Blick auf die unmögliche Raumsituation beider Schulen entwickelt und als künftiges „Schulzentrum für Frauenbildung“ bezeichnet hatte.

Die Helene-Lange-Schule, die auf die 1873 gegründete Mädchenfortbildungsschule, seit 1938 hauswirtschaftliche Berufsschule, zurückging und bereits 1970 einen Schulhausneubau in der Steinhäuserstraße 25 beziehen konnte, war zum Zeitpunkt der Fusion eine Berufs-, Berufsfach- und Berufsaufbauschule hauswirtschaftlich-pflegerischer und sozialpädagogischer Fachrichtung mit dem erweiterten Angebot des Berufsvorbereitungsjahrs und verschiedener Fachklassen. Die Gertrud-Bäumer-Schule, deren Geschichte auf die 1840 gegründete Sophienschule zurückreichte und die seit 1938 als Städtische Hausfrauenschule bzw. seit 1940 als Städtische Haushaltungsschule mit angegliederter Frauenfachschule ihr Bildungs- und Berufsausbildungsangebot in die gleichen Fachrichtungen entwickelt und 1984 einen Schulhausneubau in der Steinhäuserstraße 27 bezogen hatte, umfasste beim Zusammenschluss 1996 Berufskollegs, Berufsfach- und Fachschulen und ein berufliches Gymnasium.

Leiterin der neuen hauswirtschaftlich-pflegerischen und sozialpädagogischen Schule, die von nun an die ganze Bandbreite des Ausbildungsangebots vom Berufsvorbereitungsjahr bis zum Gymnasium bündelte, wurde zum 1. August 1996 Studiendirektorin Mechthild Bruck, der die schwierige Aufgabe zufiel, aus bisher zwei Schulverwaltungen eine Lehranstalt zu machen. Während die beiden Schulhäuser, die seit 1973 nach zwei wichtigen Vorkämpferinnen für Frauenbildung und Frauenrechte benannt sind, weiterhin als Helene-Lange- und Gertrud-Bäumer-Bau bezeichnet werden sollten, sollte die neu geschaffene Schule, die nun die größte im Bezirk des Karlsruher Oberschulamts war, einen eigenen Namen erhalten. 1997 beschloss die Schulkonferenz, diese nach der Kasseler Juristin und Sozialdemokratin Elisabeth Selbert zu benennen, die als Mitglied des Parlamentarischen Rats 1948/49 an der Verfassung des Grundgesetzes beteiligt gewesen war und den zentralen Satz in Artikel 3 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ durchgesetzt hatte.

Seit der Fusion der beiden Schulen konnten die verschiedenen Abteilungen ihr Bildungs- und Berufsausbildungsangebot ausbauen und differenzieren. So gibt es zum Beispiel neben dem ernährungswissenschaftlichen Gymnasium seit 2006 auch ein biotechnologisches Gymnasium und seit wenigen Jahren mit dem sozialwissenschaftlichen Gymnasium noch ein drittes Profil. Durch eine Kooperation mit der Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld (FHM) wird seit dem Schuljahr 2018/19 sogar ein Bachelor-Studiengang in Sozialpädagogik und Management angeboten.

Seit 2019 entsteht bei der Elisabeth-Selbert-Schule eine Dreifeldersporthalle für den Schul- und Vereinssport sowie die Basketballmannschaft der in der 2. Bundesliga spielenden Lions des Postsportvereins Karlsruhe (PSK). Nach der Fertigstellung der Sporthalle vermutlich zum Frühsommer 2021 wird mit der Sanierung der nahegelegenen, seit 2014 aus Brandschutzgründen nur beschränkt nutzbaren Europahalle begonnen.

Katja Förster 2021

Quellen

Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 7. Mai 1996, 25. September 1996, 25. Juli 1997, 13. Oktober 2005, 4. Februar 2017, 11. Mai 2018, 27. Februar 2019, 15. Oktober 2020; Elisabeth-Selbert-Schule Karlsruhe, https://ess.karlsruhe.de (Zugriff am 31. März 2021).