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Opernsängerin, * 29. November 1910 Berlin, † 11. Juli 2008 Karlsruhe, ∞ 1. 1942 in Sasbachwalden <lex id="bio-1522">Karl Fritz</lex>, o/o 1951, 2. 1968 Carl Frey, 1 Sohn aus 1. Ehe (1942-1944). <br/ ><br/ > |
Opernsängerin, * 29. November 1910 Berlin, † 11. Juli 2008 Karlsruhe, ∞ 1. 1942 in Sasbachwalden <lex id="bio-1522">Karl Fritz</lex>, o/o 1951, 2. 1968 Carl Frey, 1 Sohn aus 1. Ehe (1942-1944). <br/ ><br/ > |
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Aufgewachsen ist Vilma Fichtmüller mit ihrem älteren Bruder in Berlin. Die 1920er-Jahre waren für die Familie nach dem frühen Tod des Vaters von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt. Fichtmüller besuchte neben der Volksschule ab dem 12. Lebensjahr die Charlottenburger Musikschule von Fritz Jodel. Dort erhielt sie Unterricht in Harmonielehre, Chorgesang und Violine. Ohne berufliche Ausbildung wirkte sie längere Zeit als Komparsin an der Städtischen Oper Berlin mit. Im Alter von 19 Jahren wurde ihre Stimme entdeckt und sie erhielt bei Paul Mangold kostenlos Gesangsunterricht. Bezahlt werden sollte er ab ihrem ersten Engagement als Sängerin. Unterricht in dramatischer Gestaltung erteilten ihr die Wagner-Interpreten Anna Bahr-Mildenburg und Carl Braun. 1934 debütierte sie an der Städtischen Oper Berlin, erhielt aber keinen Anschlussvertrag, um ihr an kleineren Bühnen die Erarbeitung eines Repertoires zu ermöglichen. |
Aufgewachsen ist Vilma Fichtmüller mit ihrem älteren Bruder in Berlin. Die 1920er-Jahre waren für die Familie nach dem frühen Tod des Vaters von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt. Fichtmüller besuchte neben der Volksschule ab dem 12. Lebensjahr die Charlottenburger Musikschule von Fritz Jodel. Dort erhielt sie Unterricht in Harmonielehre, Chorgesang und Violine. Ohne berufliche Ausbildung wirkte sie längere Zeit als Komparsin an der Städtischen Oper Berlin mit. Im Alter von 19 Jahren wurde ihre Stimme entdeckt und sie erhielt bei Paul Mangold kostenlos Gesangsunterricht. Bezahlt werden sollte er ab ihrem ersten Engagement als Sängerin. Unterricht in dramatischer Gestaltung erteilten ihr die Wagner-Interpreten Anna Bahr-Mildenburg und Carl Braun. 1934 debütierte sie an der Städtischen Oper Berlin, erhielt aber keinen Anschlussvertrag, um ihr an kleineren Bühnen die Erarbeitung eines Repertoires zu ermöglichen. |
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Adressbücher der Stadt Karlsruhe, https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648; Ein Hauch von Bayreuth - Opera Lounge https://operalounge.de/cd/wagner-in-dessau; Vilma Fichtmüller (1910 – 2008) - ein Phantom? - SÄNGERPORTRAITS - TAMINO-KLASSIKFORUM, https://www.tamino-klassikforum.at/index.php?thread/17886-vilma-fichtm%C3%BCller-1910-2008-ein-phantom/ (Zugriff jeweils am 13. April 2025). |
Adressbücher der Stadt Karlsruhe, https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648; Ein Hauch von Bayreuth - Opera Lounge https://operalounge.de/cd/wagner-in-dessau; Vilma Fichtmüller (1910 – 2008) - ein Phantom? - SÄNGERPORTRAITS - TAMINO-KLASSIKFORUM, https://www.tamino-klassikforum.at/index.php?thread/17886-vilma-fichtm%C3%BCller-1910-2008-ein-phantom/ (Zugriff jeweils am 13. April 2025). |
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==Werk, Tonaufnahmen== |
==Werk, Tonaufnahmen== |
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Vilma Fichtmüller. Erinnerungen, Durlach 2003; Horst Wolf - Die wiederentdeckte Stimme (5 |
Vilma Fichtmüller. Erinnerungen, Durlach 2003; Horst Wolf - Die wiederentdeckte Stimme (5 CDs); Giuseppe Verdi: Falstaff - Höhepunkte der Oper in deutscher Sprache / Wilma Fichtmüller, Hans Hotter, Else Tegetthoff, Arno Schellenberg, Chor und Orchester des Leipziger Rundfunks, Dirigent: Hans Weisbach / BASF LP / 10 22137-7. |
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==Literatur== |
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Birgitta Schmid: Zwischen Höhenflügen und Stimmkrisen. Die Karlsruher Kammersängerin Vilma Fichtmüller, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Nr. 85 vom 11. Dezember 2009. |
Birgitta Schmid: Zwischen Höhenflügen und Stimmkrisen. Die Karlsruher Kammersängerin Vilma Fichtmüller, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Nr. 85 vom 11. Dezember 2009. |
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Aktuelle Version vom 28. August 2025, 13:32 Uhr
Vilma Fichtmüller
Opernsängerin, * 29. November 1910 Berlin, † 11. Juli 2008 Karlsruhe, ∞ 1. 1942 in Sasbachwalden Karl Fritz, o/o 1951, 2. 1968 Carl Frey, 1 Sohn aus 1. Ehe (1942-1944).
Aufgewachsen ist Vilma Fichtmüller mit ihrem älteren Bruder in Berlin. Die 1920er-Jahre waren für die Familie nach dem frühen Tod des Vaters von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geprägt. Fichtmüller besuchte neben der Volksschule ab dem 12. Lebensjahr die Charlottenburger Musikschule von Fritz Jodel. Dort erhielt sie Unterricht in Harmonielehre, Chorgesang und Violine. Ohne berufliche Ausbildung wirkte sie längere Zeit als Komparsin an der Städtischen Oper Berlin mit. Im Alter von 19 Jahren wurde ihre Stimme entdeckt und sie erhielt bei Paul Mangold kostenlos Gesangsunterricht. Bezahlt werden sollte er ab ihrem ersten Engagement als Sängerin. Unterricht in dramatischer Gestaltung erteilten ihr die Wagner-Interpreten Anna Bahr-Mildenburg und Carl Braun. 1934 debütierte sie an der Städtischen Oper Berlin, erhielt aber keinen Anschlussvertrag, um ihr an kleineren Bühnen die Erarbeitung eines Repertoires zu ermöglichen.
Bei einem Vorsingen im Badischen Staatstheater, das für die Saison 1935/36 eine hochdramatische Sopransängerin suchte, beeindruckte Fichtmüller als Sieglinde in Wagners Walküre Zuhörer und Orchester mit ihrer Stimme, ihrer darstellerischen Fähigkeit und mit ihrer schlanken Gestalt. Fichtmüller wurde engagiert und erhielt schon in ihrer ersten Spielzeit sehr gute Kritiken, große Anerkennung durch den Generalmusikdirektor Joseph Keilberth und sie avancierte zum Publikumsliebling. Die 25-Jährige sang 1935/36 unter anderem die Amelia in Verdis Maskenball, die Gräfin in Mozarts Figaros Hochzeit und die Santuzza in der Cavalleria Rusticana. In der zweiten Spielzeit begeisterte sie als jugendliche Marschallin im Rosenkavalier und in der dritten Spielzeit als Turandot, als Elsa in Wagners Lohengrin, als Rezia in Webers Oberon und als Brünhilde in einer kompletten Ring-Aufführung. 1938/39 sang sie unter anderem die Isolde in Wagners Tristan und die Marie in der Erstaufführung von Richard Strauss' Friedenstag.
Bereits nach der ersten Spielzeit verlieh die Theaterleitung Fichtmüller als jüngster deutscher Sängerin den Titel Kammersängerin, um sie längerfristig an das Haus zu binden. Diese Ehre, erfolgreiche Gastspiele in Stuttgart und die Zuneigung des Publikums führten zu Neid und Missgunst im Ensemble. Am Ende der Spielzeit 1937/38 sollte deshalb und wegen des Vorwurfs, bei einem jüdisch versippten Zahnarzt in Behandlung zu sein, das Engagement nicht verlängert werden. Nach ihrer Beschwerde bei NS-Gauleiter Robert Wagner erhielt sie zwar einen neuen Vertrag, beendete aber 1939 ihr Karlsruher Engagement. In den beiden folgenden Kriegsjahren sang Fichtmüller an der Wiener Volksoper und bis 1943 in Stettin. Die Zeit bis zum Kriegsende verbrachte sie wegen der anhaltenden Luftangriffe mit ihrem Baby zumeist im Wochenendhaus ihres Mannes in Sasbachwalden. Nach Kriegsende lebte sie in Baden-Baden, wo ihr Mann wegen seiner Aktivitäten für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) im Internierungslager Lichtenthal inhaftiert war. Nach ihren Vorsprachen bei der französischen Militärverwaltung wurde er vorzeitig entlassen. 1949 lebten beide wieder in Karlsruhe.
1945/46 absolvierte Fichtmüller Auftritte in Karlsruhe, Berlin und Wiesbaden, wo sie zwei Jahre engagiert war. In dieser Zeit erlebte sie heftige Stimmkrisen, bei deren Behebung ihr ehemaliger Gesanglehrer Paul Mangold mithalf. Ihre Karriere als Sängerin setzte sie zwischen 1953 und 1958 bei einem Engagement in Dessau (DDR) fort. Sie sang dort vor allem bei den Wagner-Festspielen die großen Frauenrollen, aber auch die Marschallin im Rosenkavalier, Jenufa, Elektra und die Martha in der Oper Tiefland von Eugen d‘Albert. Nach 1958 erhielt sie ohne Begründung keinen Vertrag mehr. Eine erneute Stimmkrise beendete die Versuche, in der Bundesrepublik neue Engagements zu erhalten.
Im so erzwungenen frühen Ruhestand beschäftigte sich Fichtmüller mit philosophischen Fragen, besuchte Albert Schweitzer in Lambarene, pflegte eine Bekanntschaft mit Martin Heidegger, heiratete einen Philosophiedozenten der Karlsruher Volkshochschule und unterrichtete dort selbst über die Kunst des Sprechens.
Quellen
Adressbücher der Stadt Karlsruhe, https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648; Ein Hauch von Bayreuth - Opera Lounge https://operalounge.de/cd/wagner-in-dessau; Vilma Fichtmüller (1910 – 2008) - ein Phantom? - SÄNGERPORTRAITS - TAMINO-KLASSIKFORUM, https://www.tamino-klassikforum.at/index.php?thread/17886-vilma-fichtm%C3%BCller-1910-2008-ein-phantom/ (Zugriff jeweils am 13. April 2025).
Werk, Tonaufnahmen
Vilma Fichtmüller. Erinnerungen, Durlach 2003; Horst Wolf - Die wiederentdeckte Stimme (5 CDs); Giuseppe Verdi: Falstaff - Höhepunkte der Oper in deutscher Sprache / Wilma Fichtmüller, Hans Hotter, Else Tegetthoff, Arno Schellenberg, Chor und Orchester des Leipziger Rundfunks, Dirigent: Hans Weisbach / BASF LP / 10 22137-7.
Literatur
Birgitta Schmid: Zwischen Höhenflügen und Stimmkrisen. Die Karlsruher Kammersängerin Vilma Fichtmüller, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Nr. 85 vom 11. Dezember 2009.