Robert Wagner, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/25.

Robert Wagner

Berufssoldat, NSDAP-Gauleiter Baden, * 13. Oktober 1895 Lindach/Rhein-Neckar-Kreis, † 14. August 1946 Fort Ney/Dép. Territoire de Belfort/Frankreich, ev., ∞ 1930 Anna Luise Theresia Mayer, 1 Kind.

Robert Wagner wurde als Robert Heinrich Backfisch in Lindach bei Eberbach am Neckar als Sohn eines Landwirts geboren - den Namen Wagner seiner Mutter nahm er 1921 an. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung am Lehrerseminar Heidelberg. Obwohl er diese nicht abschloss, wurde er später häufig als Lehrer bezeichnet. Zutreffender ist aber die Berufsbezeichnung Berufssoldat. Der Leutnant wurde nach vierjährigem Kriegsdienst und Zugehörigkeit zu einem Freiwilligenbataillon seines Regiments, das an der Bekämpfung von Revolutionären in Nordbaden beteiligt war, 1919 in die 100.000 Mann starke Reichswehr übernommen und dort zum Oberleutnant befördert. Aus dem Ersten Weltkrieg brachte er seinen Hass auf die Linksparteien und die sogenannten Novemberverbrecher mit, wie die Politiker in Verkennung der wahren Ursachen des verlorenen Krieges genannt wurden, die 1918 den Waffenstillstand und 1919 den Versailler Vertrag unterschrieben und mitgetragen hatten.

Wegen seiner Teilnahme am Hitlerputsch 1923 wurde er zu einer 15-monatigen Festungshaft verurteilt und aus der Reichswehr entlassen. Nach der Haft in der Festung Landsberg, wo er mit Adolf Hitler einsaß, gründete er am 22. März 1925 in dessen Auftrag den Gau Baden der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Dieser wurde unter seiner Leitung zu einem der am besten organisierten im Deutschen Reich. Nach seiner Wahl 1929 in den Badischen Landtag überließ er die Fraktionsführung dem redegewandten Walter Köhler und war dort auch relativ wenig präsent. Die wenigen Auftritte nutzte er, um unmissverständlich seine antidemokratische Haltung klar zu machen. Die Parteiarbeit in Baden hatte für ihn Vorrang. Auf eine Karriere in der Reichsleitung der NSDAP verzichtete der im Dezember 1932 zum Stellvertreter des neuen Reichsorganisationsleiters Robert Ley und zum Leiter des NSDAP-Hauptpersonalamts berufene Wagner, als er im Zuge der Machtübernahme der NSDAP nach der Reichstagswahl am 5. März 1933 nach Baden zurückkehrte. Er übernahm wieder von seinem Nachfolger Walter Köhler die Gauleitung und wurde am 8. März als Reichskommissar, am 5. Mai als Reichsstatthalter von Baden eingesetzt. Nach der widerrechtlichen Absetzung der demokratischen Regierung fungierte er als Staatspräsident und Innenminister. Beide Ämter gab er nach der Einsetzung der neuen nationalsozialistischen Regierung mit dem Ministerpräsidenten Walter Köhler am 6. Mai 1933 wieder ab. Die Stadt Karlsruhe verlieh ihm am 10. Mai 1933 die Ehrenbürgerschaft und nannte die Durlacher Allee in Robert-Wagner-Allee um, beides wurde 1945 aufgehoben.

Im Dritten Reich übte er als badischer Reichsstatthalter und Gauleiter nachhaltigen Einfluss auf die Stadt aus. So ordnete er Eingemeindungen an, beeinflusste Amtsbesetzungen und nach der Niederlage Frankreichs 1940 entschied er - seit Juni 1940 Chef der Zivilverwaltung des Elsass - die Verlegung der Gauhauptstadt nach Straßburg. In seiner Verantwortung lagen die Verfolgung und Ermordung der politischen und rasseideologischen Gegner. Vor Beginn der reichsweiten Aktionen 1942 veranlasste er am 20. Oktober 1940 gemeinsam mit dem saarpfälzischen Gauleiter Josef Bürckel die Deportation der badischen und pfälzischen Juden nach Gurs und übte im Elsass ein strenges Regiment im Sinne einer Germanisierungspolitik. Wegen der Verbrechen im Elsass wurde er zum Tode verurteilt und am 14. August 1946 in Fort Ney bei Straßburg erschossen. Wagner blieb bis zuletzt ein unbelehrbarer Nationalsozialist, wie seine letzten Worte vor der Hinrichtung belegen: "Es lebe Großdeutschland, es lebe Adolf Hitler, es lebe der Nationalsozialismus."

Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ludger Syré: Der Führer vom Oberrhein, in: Michael Kißener/Joachim Scholtyseck (Hrsg.): Die Führer der Provinz - NS-Biographien aus Baden und Württemberg, Konstanz 1997, S. 733-780 (= Karlsruher Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus Bd. 2).