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De:Lexikon:ins-0821: Unterschied zwischen den Versionen

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Nach dem Ende der Monarchie in Baden im November 1918 wurden die Sammlungen des badischen Fürstenhauses weitgehend verstaatlicht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu sollten die Sammlungen für Altertumskunde, Völkerkunde und das Münzkabinett mit der Sammlung des <lex id="ins-1823">Kunstgewerbemuseums</lex> in einem noch zu gründenden Museum vereinigt werden. Am 21. November 1919 beschloss der <lex id="ins-1520">Badische Landtag</lex> die Gründung des Badischen Landesmuseums sowie seine Unterbringung im Karlsruher <lex id="top-2450">Schloss</lex>. Als Gründungsdirektor wurde der Kunsthistoriker Hans Rott eingesetzt, der seit 1909 als Direktorialassistent des Archäologen <lex id="bio-0686">Ernst Wagner</lex> in den Großherzoglichen Sammlungen gearbeitet hatte.
Nach dem Ende der Monarchie in Baden im November 1918 wurden die Sammlungen des badischen Fürstenhauses weitgehend verstaatlicht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu sollten die Sammlungen für Altertumskunde, Völkerkunde und das Münzkabinett mit der Sammlung des <lex id="ins-1823">Kunstgewerbemuseums</lex> in einem noch zu gründenden Museum vereinigt werden. Am 21. November 1919 beschloss der <lex id="ins-1520">Badische Landtag</lex> die Gründung des Badischen Landesmuseums sowie seine Unterbringung im Karlsruher <lex id="top-2450">Schloss</lex>. Als Gründungsdirektor wurde der Kunsthistoriker Hans Rott eingesetzt, der seit 1909 als Direktorialassistent des Archäologen <lex id="bio-0686">Ernst Wagner</lex> in den Großherzoglichen Sammlungen gearbeitet hatte.


Im Winter 1919/20 wurde mit der Überführung der Bestände aus dem ehemaligen Großherzoglichen Sammlungsgebäude und dem ehemaligen Kunstgewerbemuseum in das Schloss begonnen. Gleichzeitig wurden die Räume des ehemaligen Residenzschlosses für Ausstellungszwecke eingerichtet. Am 24. Juli 1921 öffnete das Landesmuseum, das zunächst nur einen Teil seines umfassenden Sammlungsbestandes im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Westflügels präsentieren konnte. Dazu gehörten Objekte der Altertumskunde, also der antiken Kulturen des Mittelmeerraumes und der Vor- und Frühgeschichte Badens, außerdem mittelalterliche Skulpturen, Glasgemälde und Kleinkunst sowie kunstgewerbliche Erzeugnisse. Ab Herbst 1923 wurde dann die Karlsruher Türkenbeute im Gartensaal des Schlosses und ab 1924 die Abteilung für badische Volkskunde im sogenannten Mansardengeschoss gezeigt. Mit der Eröffnung des Münzkabinetts im östlichen Seitengebäude des Schlosses im Frühsommer 1936 waren von allen Sammlungen Exponate ausgestellt.
Im Winter 1919/20 wurde mit der Überführung der Bestände aus dem ehemaligen <lex id="ort-0101">Großherzoglichen Sammlungsgebäude</lex> und dem ehemaligen Kunstgewerbemuseum in das Schloss begonnen. Gleichzeitig wurden die Räume des ehemaligen Residenzschlosses für Ausstellungszwecke eingerichtet. Am 24. Juli 1921 öffnete das Landesmuseum, das zunächst nur einen Teil seines umfassenden Sammlungsbestandes im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Westflügels präsentieren konnte. Dazu gehörten Objekte der Altertumskunde, also der antiken Kulturen des Mittelmeerraumes und der Vor- und Frühgeschichte Badens, außerdem mittelalterliche Skulpturen, Glasgemälde und Kleinkunst sowie kunstgewerbliche Erzeugnisse. Ab Herbst 1923 wurde dann die Karlsruher Türkenbeute im Gartensaal des Schlosses und ab 1924 die Abteilung für badische Volkskunde im sogenannten Mansardengeschoss gezeigt. Mit der Eröffnung des Münzkabinetts im östlichen Seitengebäude des Schlosses im Frühsommer 1936 waren von allen Sammlungen Exponate ausgestellt.


Infolge des <lex id="ereig-0074">Kriegsausbruches</lex> am 1. September 1939 wurde das Museum Anfang Dezember geschlossen. Mit der Auslagerung der Bestände hatte man zwar schon im August des Jahres begonnen, aber erst der <lex id="ereig-0037">Luftangriff</lex> am 25. April 1944, bei dem die Schlosskirche ausbrannte, setzte die Evakuierung der Kultur- und Kunstwerke wirklich in Gang. Nicht transportierbare Objekte wurden in die Kellerräume des Museums geschafft, alle anderen Objekte in die Schlösser Salem, Langenstein und Baden-Baden, das Gefängnis Pfullendorf und das Salzbergwerk Heilbronn verbracht. So konnte der gesamte Sammlungsbestand gerettet werden, bevor beim schwersten Luftangriff auf Karlsruhe am 27. September 1944 das Schloss bis auf die Außenmauern niederbrennen sollte.
Infolge des <lex id="ereig-0074">Kriegsausbruches</lex> am 1. September 1939 wurde das Museum Anfang Dezember geschlossen. Mit der Auslagerung der Bestände hatte man zwar schon im August des Jahres begonnen, aber erst der <lex id="ereig-0037">Luftangriff</lex> am 25. April 1944, bei dem die Schlosskirche ausbrannte, setzte die Evakuierung der Kultur- und Kunstwerke wirklich in Gang. Nicht transportierbare Objekte wurden in die Kellerräume des Museums geschafft, alle anderen Objekte in die Schlösser Salem, Langenstein und Baden-Baden, das Gefängnis Pfullendorf und das Salzbergwerk Heilbronn verbracht. So konnte der gesamte Sammlungsbestand gerettet werden, bevor beim schwersten Luftangriff auf Karlsruhe am 27. September 1944 das Schloss bis auf die Außenmauern niederbrennen sollte.

Version vom 8. September 2026, 14:18 Uhr


Badisches Landesmuseum

Nach dem Ende der Monarchie in Baden im November 1918 wurden die Sammlungen des badischen Fürstenhauses weitgehend verstaatlicht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu sollten die Sammlungen für Altertumskunde, Völkerkunde und das Münzkabinett mit der Sammlung des Kunstgewerbemuseums in einem noch zu gründenden Museum vereinigt werden. Am 21. November 1919 beschloss der Badische Landtag die Gründung des Badischen Landesmuseums sowie seine Unterbringung im Karlsruher Schloss. Als Gründungsdirektor wurde der Kunsthistoriker Hans Rott eingesetzt, der seit 1909 als Direktorialassistent des Archäologen Ernst Wagner in den Großherzoglichen Sammlungen gearbeitet hatte.

Im Winter 1919/20 wurde mit der Überführung der Bestände aus dem ehemaligen Großherzoglichen Sammlungsgebäude und dem ehemaligen Kunstgewerbemuseum in das Schloss begonnen. Gleichzeitig wurden die Räume des ehemaligen Residenzschlosses für Ausstellungszwecke eingerichtet. Am 24. Juli 1921 öffnete das Landesmuseum, das zunächst nur einen Teil seines umfassenden Sammlungsbestandes im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Westflügels präsentieren konnte. Dazu gehörten Objekte der Altertumskunde, also der antiken Kulturen des Mittelmeerraumes und der Vor- und Frühgeschichte Badens, außerdem mittelalterliche Skulpturen, Glasgemälde und Kleinkunst sowie kunstgewerbliche Erzeugnisse. Ab Herbst 1923 wurde dann die Karlsruher Türkenbeute im Gartensaal des Schlosses und ab 1924 die Abteilung für badische Volkskunde im sogenannten Mansardengeschoss gezeigt. Mit der Eröffnung des Münzkabinetts im östlichen Seitengebäude des Schlosses im Frühsommer 1936 waren von allen Sammlungen Exponate ausgestellt.

Infolge des Kriegsausbruches am 1. September 1939 wurde das Museum Anfang Dezember geschlossen. Mit der Auslagerung der Bestände hatte man zwar schon im August des Jahres begonnen, aber erst der Luftangriff am 25. April 1944, bei dem die Schlosskirche ausbrannte, setzte die Evakuierung der Kultur- und Kunstwerke wirklich in Gang. Nicht transportierbare Objekte wurden in die Kellerräume des Museums geschafft, alle anderen Objekte in die Schlösser Salem, Langenstein und Baden-Baden, das Gefängnis Pfullendorf und das Salzbergwerk Heilbronn verbracht. So konnte der gesamte Sammlungsbestand gerettet werden, bevor beim schwersten Luftangriff auf Karlsruhe am 27. September 1944 das Schloss bis auf die Außenmauern niederbrennen sollte.

Nach Kriegsende im Frühjahr 1945 wurde der Kunsthistoriker Arthur von Schneider, von 1927 bis 1933 wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und von 1935 bis 1945 wissenschaftlicher Assistent an den Großherzoglichen Sammlungen, von der amerikanischen Militärregierung als Direktor des Badischen Landesmuseums eingesetzt. Schneider, der bis zu seinem Ruhestand am 1. Juli 1952 das Museum leitete, war vor allem für die Rückführung der in Kisten verpackten Kunstschätze nach Karlsruhe verantwortlich.

1948 wurde dem Badischen Landesmuseum das ehemalige Erbgroßherzogliche Palais als neuer Standort zugewiesen. Als aber der 1950 mit Hauptsitz in Karlsruhe gegründete Bundesgerichtshof das Palais für sich beanspruchte, musste das Museum den gerade erst begonnenen Einzug in das Palais abbrechen. Die Mitarbeitenden und Werkstätten des Museums wurden vorübergehend in der ehemaligen Telegrafenkaserne (heute Campus West des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)) untergebracht.

Schneiders Nachfolger, der Kunsthistoriker Rudolf Schnellbach, trieb dann ab 1952 den Wiederaufbau des Schlosses und seines östlichen Seitengebäudes entschieden voran. Bis 1954 war der Schlossturm und bis 1958 auch der Mitteltrakt wiedererrichtet. Am 29. Mai 1959 wurde das Badische Landesmuseum mit einer vorerst noch begrenzten Ausstellungsfläche wiedereröffnet. Am 13. Juni 1966 erfolgte dann die offizielle Eröffnung des neu eingerichteten Museums im wiederaufgebauten Schlosskomplex. Bereits im März 1965 hatte das Schlosscafé, eines der ersten Museumscafés in Deutschland, den Betrieb aufgenommen.

Der Wiederaufbau der barocken Schlossanlage war nach derselben architektonischen Konzeption realisiert worden wie der der Weinbrenner-Bauten entlang der "Via Triumphalis". Während der Außenbau detailgetreu wiederhergestellt wurde, war im Inneren, den Funktionen eines modernen Museums entsprechend, ein neues Raumkonzept umgesetzt worden. Die für den Barock typischen Raumfluchten waren aufgegeben und durch Einziehen großer Spannbetondecken Ausstellungsräume von jeweils etwa 650 Quadratmetern Fläche geschaffen worden. Die Kunstschätze konnten erstmals, nach Epochen geordnet, wirkungsvoll präsentiert werden.

Unter Ernst Petrasch, der im August 1967 die Museumsleitung übernahm, erfolgte die systematische Inventarisierung, Dokumentation und Neuordnung der Bestände, die konservatorische Sicherung der Objekte und deren wissenschaftliche Bearbeitung. Zwar gab es bereits in dieser Phase der Konsolidierung eines fortschrittlichen Museums- und Forschungsbetriebes Sonderausstellungen mit den Schwerpunkten Archäologie, Antike, Regionalgeschichte und Kunsthandwerk, diese reichten aber bei weitem noch nicht an das Format der ersten großen Landes- und Sonderausstellungen heran, die unter Volker Himmelein, von 1981 bis 1991 Direktor des Museum, einsetzten und dann ab 1992 unter Harald Siebenmorgen in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß fortgeführt wurden.

Schon Himmelein begann konzeptionell neue Wege zu beschreiten, indem er anstelle der reinen Objektpräsentation die Exponate erzählerisch in ihren kultur- und gesellschaftspolitischen Kontext stellte, der dem Besucher ermöglichen sollte, die geschichtlichen Zusammenhänge zu verstehen. Siebenmorgen, der von 1992 bis 2014 das Museum leitete, setzte diesen Ansatz von Kontextualisierung und Inszenierung der Objekte wesentlich radikaler um. Während seiner Amtszeit richtete er die 15 Abteilungen des Museums in dieser Weise neu ein und brachte zu jeder Abteilung einen thematischen Sammlungsführer heraus. Bis zu drei populärwissenschaftlich aufbereitete Ausstellungen fanden jährlich statt, darunter etliche große Landes- und Sonderausstellungen. Unter seiner Leitung vervierfachten sich die Besucherzahlen. 2009 – das Museum feierte in diesem Jahr seinen 69. Geburtstag – wurden rund 300.000 Besucher verzeichnet. Daneben erweiterte Siebenmorgen das Badische Landesmuseum um Außenstellen und Zweigmuseen, darunter das Museum beim Markt, das Deutsche Musikautomaten-Museum in Bruchsal, das Schloss Neuenbürg und das Klostermuseum in Hirsau.

2002 wurde am Badischen Landesmuseum ein Pilotprojekt gestartet. Als erstes Museum in Baden-Württemberg erhielt es mit einem wissenschaftlichen Direktor und einer kaufmännischen Direktorin eine Doppelspitze.

Auf Siebenmorgen folgte im Juli 2014 Eckart Köhne als wissenschaftlicher Direktor nach. Köhnes Fokus liegt insbesondere auf interaktiven und digitalen Vermittlungsformaten, die den Besucher aktiv in die Sammlungs- und Ausstellungspräsentation einbinden sollen. In den letzten Jahren bereitete er außerdem die mehrjährige Generalsanierung des Schlosses mit vor, welche die Schließung des dortigen Museumsbetriebes am 29. September 2025 bedingte. Die Kunsthalle Baden-Baden, die seit dem 1. Mai 2025 unter der Leitung des Badischen Landesmuseums steht, dient in dieser Zeit als Interimsstätte.

Katja Förster 2026

Quellen

Das Badische Landesmuseum, https://www.landesmuseum.de/ (Zugriff am 17. Juni 2026); Die Geschichte des Badischen Landesmuseum anlässlich seines 100-jährigen Bestehens 2019, https://lb.boa-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/13209/file/Die_Geschichte_des_Badischen_Landesmuseums.pdf (Zugriff am 12. Juli 2019); Archäologie berührt multimedial. Badisches Landesmuseum: Besucher werden Nutzer, in: Professional System vom 12. Juli 2019; Andreas Jüttner: 22 Jahre lang Direktor. Harald Siebenmorgen ist tot, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 20. März 2020; Eva Maria Schlosser: Kunsthalle Baden-Baden: Neue Führungsspitze in Baden-Baden kommt aus Karlsruhe, in: Staatsanzeiger. Wochenzeitung für Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Baden-Württemberg vom 2. Mai 2025.