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De:Lexikon:bio-1360: Unterschied zwischen den Versionen

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=Hermann Stenz=
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[[Datei:Stenz Hermann 8 PBS oVI 558.jpg|alternativtext=Ankunft der "Schutzhäftlinge" in Kislau, umringt von SS- und SA-Leuten, ganz links mit Hut Hermann Stenz, 16. Mai 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 558.|links|mini|Ankunft der "Schutzhäftlinge" in Kislau, umringt von SS- und SA-Leuten, ganz links mit Hut Hermann Stenz, 16. Mai 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 558.]]

Dekorationsmaler, Politiker, Verwaltungsbeamter, * 23. Mai 1877 München, † 23. Februar 1953 Karlsruhe, kath., später freireligiös, ∞ 1920 Emma Johanna, geb. Kamm (1893–1958), keine Kinder. <br/ ><br/ >
Dekorationsmaler, Politiker, Verwaltungsbeamter, * 23. Mai 1877 München, † 23. Februar 1953 Karlsruhe, kath., später freireligiös, ∞ 1920 Emma Johanna, geb. Kamm (1893–1958), keine Kinder. <br/ ><br/ >
Hermann Stenz blieb als Sohn eines Zimmermanns eine akademische Bildung verwehrt, sodass er nach Abschluss einer Realschule in München eine Ausbildung zum Dekorationsmaler absolvierte. Über sein Leben vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> ist nahezu nichts bekannt. Zwischen August 1914 und November 1918 kämpfte Stenz an der Westfront und kehrte "kriegsbeschädigt" zurück. Als aktiver <lex id="ins-0330">Sozialdemokrat</lex> und <lex id="ins-1633">Gewerkschafter</lex>, der bereits vor dem Krieg ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen hatte, geriet Stenz in den Blick von <lex id="bio-0060">Adam Remmele</lex>. Dieser schlug ihn Anfang Dezember 1918 zum Sekretär der Landeszentrale der badischen <lex id="ereig-0226">Arbeiter- und Soldatenräte</lex> vor, die Ende November 1918 infolge der Zentralisierung der Räte in Mannheim entstanden war.
Hermann Stenz blieb als Sohn eines Zimmermanns eine akademische Bildung verwehrt, sodass er nach Abschluss einer Realschule in München eine Ausbildung zum Dekorationsmaler absolvierte. Über sein Leben vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> ist nahezu nichts bekannt. Zwischen August 1914 und November 1918 kämpfte Stenz an der Westfront und kehrte "kriegsbeschädigt" zurück. Als aktiver <lex id="ins-0330">Sozialdemokrat</lex> und <lex id="ins-1633">Gewerkschafter</lex>, der bereits vor dem Krieg ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen hatte, geriet Stenz in den Blick von <lex id="bio-0060">Adam Remmele</lex>. Dieser schlug ihn Anfang Dezember 1918 zum Sekretär der Landeszentrale der badischen <lex id="ereig-0226">Arbeiter- und Soldatenräte</lex> vor, die Ende November 1918 infolge der Zentralisierung der Räte in Mannheim entstanden war.
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Als Folge der jahrelangen vorherigen Angriffe und Hetze wurde Stenz nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> am 10. März 1933 in <lex id="ereig-0137">"Schutzhaft"</lex> genommen und auf Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem Staatsdienst entlassen. Gemeinsam mit weiteren Sozialdemokraten wurde er am 16. Mai 1933 in einer inszenierten <lex id="ereig-0229">Schaufahrt</lex> von Karlsruhe in das <lex id="ins-1739">Konzentrationslager Kislau</lex> gebracht und so einer öffentlichen Demütigung preisgegeben. Als Dekorationsmaler restaurierte er dort im Schloss das Fürstenbad: "Eine durchaus zu unterschreibende Massnahme, da sinnvolle Arbeit die einzige Möglichkeit bildete, längere politische Schutzhaft ohne schwere seelische Schädigung zu ertragen", wie später Stenz an den Lagerdirektor berichtete. Am 9. März 1934 wurde er schließlich gegen Abgabe einer Loyalitätserklärung aus Kislau entlassen. Anschließend betätigte sich Stenz als Schriftsteller, nahm Kunstaufträge an und betrieb auf Auftragsbasis Wappen- und Familienforschung. Angesichts des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 und der daraufhin folgenden Verhaftungen floh Stenz aus der Stadt nach Dauchingen, wo er gesundheitlich schwer angeschlagen das <lex id="ereig-0074">Kriegsende</lex> erlebte.
Als Folge der jahrelangen vorherigen Angriffe und Hetze wurde Stenz nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> am 10. März 1933 in <lex id="ereig-0137">"Schutzhaft"</lex> genommen und auf Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem Staatsdienst entlassen. Gemeinsam mit weiteren Sozialdemokraten wurde er am 16. Mai 1933 in einer inszenierten <lex id="ereig-0229">Schaufahrt</lex> von Karlsruhe in das <lex id="ins-1739">Konzentrationslager Kislau</lex> gebracht und so einer öffentlichen Demütigung preisgegeben. Als Dekorationsmaler restaurierte er dort im Schloss das Fürstenbad: "Eine durchaus zu unterschreibende Massnahme, da sinnvolle Arbeit die einzige Möglichkeit bildete, längere politische Schutzhaft ohne schwere seelische Schädigung zu ertragen", wie später Stenz an den Lagerdirektor berichtete. Am 9. März 1934 wurde er schließlich gegen Abgabe einer Loyalitätserklärung aus Kislau entlassen. Anschließend betätigte sich Stenz als Schriftsteller, nahm Kunstaufträge an und betrieb auf Auftragsbasis Wappen- und Familienforschung. Angesichts des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 und der daraufhin folgenden Verhaftungen floh Stenz aus der Stadt nach Dauchingen, wo er gesundheitlich schwer angeschlagen das <lex id="ereig-0074">Kriegsende</lex> erlebte.


Nachdem die französische Militärregierung <lex id="bio-2168">Paul Haußer</lex> mit der Leitung des badischen Innenministeriums beauftragt hatte, stellte er Stenz Anfang Juli 1945 als Regierungsdirektor erneut in den Staatsdienst ein. Zunächst übertrug er ihm die Leitung der Bauabteilung, die federführend für den Wiederaufbau und den Städtebau verantwortlich war. Nach der institutionellen Trennung des Landes Baden folgte Stenz Haußer nach Freiburg, wo die unter der französischen Kontrolle stehende südbadische Regierung errichtet wurde. In der Innenverwaltung übernahm Stenz neben der Bauabteilung später auch die Leitung der Reinigungskommission. Als Stellvertreter des Staatskommissars für den Wiederaufbau Erwin Eckert war Stenz ab 1947 zudem für die Gesamtplanung, Lenkung sowie Kontrolle des Wiederaufbaus in Südbaden verantwortlich.
Nachdem die französische Militärregierung <lex id="bio-2168">Paul Haußer</lex> mit der Leitung des badischen Innenministeriums beauftragt hatte, stellte er Stenz Anfang Juli 1945 als Regierungsdirektor erneut in den Staatsdienst ein. Zunächst übertrug er ihm die Leitung der Bauabteilung, die federführend für den <lex id="ereig-0283">Wiederaufbau</lex> und den Städtebau verantwortlich war. Nach der institutionellen Trennung des Landes Baden folgte Stenz Haußer nach Freiburg, wo die unter der französischen Kontrolle stehende südbadische Regierung errichtet wurde. In der Innenverwaltung übernahm Stenz neben der Bauabteilung später auch die Leitung der Reinigungskommission. Als Stellvertreter des Staatskommissars für den Wiederaufbau Erwin Eckert war Stenz ab 1947 zudem für die Gesamtplanung, Lenkung sowie Kontrolle des Wiederaufbaus in Südbaden verantwortlich.


Im Januar 1947 übernahm Stenz aufgrund seiner Erfahrung während der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> die Leitung der Polizeiabteilung im Innenministerium, die er bis zu seiner Pensionierung behielt. Neben der allgemeinen Organisation sowie Personalverwaltung oblag ihm die Dienstaufsicht über die Schutzpolizei, Gendarmerie und die Kriminalpolizei.
Im Januar 1947 übernahm Stenz aufgrund seiner Erfahrung während der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> die Leitung der Polizeiabteilung im Innenministerium, die er bis zu seiner Pensionierung behielt. Neben der allgemeinen Organisation sowie Personalverwaltung oblag ihm die Dienstaufsicht über die Schutzpolizei, Gendarmerie und die Kriminalpolizei.
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Das steinerne Meer. Erzählungen aus badischer Landschaft, Karlsruhe 1927.
Das steinerne Meer. Erzählungen aus badischer Landschaft, Karlsruhe 1927.
==Literatur==
==Literatur==
Viktor Fichtenau: Art. "Stenz, Hermann, Ministerialrat in (Süd-)Baden und Verfolgter des NS-Regimes", in: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), S. 350–351; Günter Wimmer: Adam Remmele. Ein Leben für soziale Demokratie, Ubstadt-Weiher u. a. 2009; Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hgg.?): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, München 2005, S. 134 f.; Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewußtsein. Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972 (Nationalsozialismus und Nachkriegszeit in Südwestdeutschland 4), München 1996; Peter Brandt/Reinhard Rürup: Volksbewegung und demokratische Neuordnung in Baden 1918/19. Zur Vorgeschichte und Geschichte der Revolution, Sigmaringen 1991; Peter Brandt: Arbeiter-, Soldaten- und Volksräte in Baden 1918/19 (Quellen zur Geschichte der Rätebewegung in Deutschland 3), Düsseldorf 1980.
Viktor Fichtenau: Art. "Stenz, Hermann, Ministerialrat in (Süd-)Baden und Verfolgter des NS-Regimes", in: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), S. 350–351; Günter Wimmer: Adam Remmele. Ein Leben für soziale Demokratie, Ubstadt-Weiher u. a. 2009; Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, München 2005, S. 134 f.; Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewußtsein. Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972 (Nationalsozialismus und Nachkriegszeit in Südwestdeutschland 4), München 1996; Peter Brandt/Reinhard Rürup: Volksbewegung und demokratische Neuordnung in Baden 1918/19. Zur Vorgeschichte und Geschichte der Revolution, Sigmaringen 1991; Peter Brandt: Arbeiter-, Soldaten- und Volksräte in Baden 1918/19 (Quellen zur Geschichte der Rätebewegung in Deutschland 3), Düsseldorf 1980.

Aktuelle Version vom 9. April 2026, 13:18 Uhr


Hermann Stenz

Ankunft der "Schutzhäftlinge" in Kislau, umringt von SS- und SA-Leuten, ganz links mit Hut Hermann Stenz, 16. Mai 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 558.
Ankunft der "Schutzhäftlinge" in Kislau, umringt von SS- und SA-Leuten, ganz links mit Hut Hermann Stenz, 16. Mai 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 558.

Dekorationsmaler, Politiker, Verwaltungsbeamter, * 23. Mai 1877 München, † 23. Februar 1953 Karlsruhe, kath., später freireligiös, ∞ 1920 Emma Johanna, geb. Kamm (1893–1958), keine Kinder.

Hermann Stenz blieb als Sohn eines Zimmermanns eine akademische Bildung verwehrt, sodass er nach Abschluss einer Realschule in München eine Ausbildung zum Dekorationsmaler absolvierte. Über sein Leben vor dem Ersten Weltkrieg ist nahezu nichts bekannt. Zwischen August 1914 und November 1918 kämpfte Stenz an der Westfront und kehrte "kriegsbeschädigt" zurück. Als aktiver Sozialdemokrat und Gewerkschafter, der bereits vor dem Krieg ehrenamtliche Tätigkeiten übernommen hatte, geriet Stenz in den Blick von Adam Remmele. Dieser schlug ihn Anfang Dezember 1918 zum Sekretär der Landeszentrale der badischen Arbeiter- und Soldatenräte vor, die Ende November 1918 infolge der Zentralisierung der Räte in Mannheim entstanden war.

Remmele sollte sich zu einem wichtigen Förderer von Stenz entwickeln. Nachdem Remmele im Dezember 1919 zum badischen Innenminister gewählt worden war, holte er Stenz in sein Ministerium. Als persönlicher Referent war Stenz der hauptverantwortliche Sachbearbeiter in verschiedenen Abteilungen des Innenministeriums. Unter anderem war er Landeswahlleiter sowie Vorstandsmitglied des Landesjugendamtes. Nach Remmeles Ernennung zum Kultus- und Unterrichtsminister übernahm Stenz – 1930 zum Regierungsrat befördert – ein Referat in der Hochschulabteilung. Unter Emil Maier wurde er im September 1931 Referatsleiter in der Polizeiabteilung. Neben dem Staatsdienst betätigte er sich zudem als Autor. Aus seiner Feder stammen außer den heimatkundlichen Erzählungen "Das steinerne Meer" auch zahlreiche Theaterstücke, die er teilweise selbst inszenierte.

Diese untypische Quereinsteiger-Karriere dürfte nicht nur hinter vorgehaltener Hand bei den konservativen Ministerialkollegen für Unmut gesorgt haben, sondern lockte auch rechtsextreme Hetzer an, die ihn stellvertretend für die angeblich ausufernde "Parteipatronage" der SPD innerhalb der Ministerien angriffen. Schon seine Ernennung zum Regierungsdirektor im August 1930 führte zu einer öffentlichen Diffamierungskampagne in konservativen und rechten Kreisen. "Herr Stenz, der heute in der Antichambre des Herrn Unterrichtsministers sitzen soll, […] ist kein 'gelernter' Beamter, sondern von Haus aus Blechner. Er ist als Parteifreund des Herrn Dr. h.c. Remmele erst in die mittlere Verwaltungslaufbahn hineingekommen und nun Regierungsrat im Unterrichtsministerium geworden", so der Politiker der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Ernst-Christoph Brühler (1891–1961) in seinem gegen Remmele gerichteten Pamphlet.

Als Folge der jahrelangen vorherigen Angriffe und Hetze wurde Stenz nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten am 10. März 1933 in "Schutzhaft" genommen und auf Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem Staatsdienst entlassen. Gemeinsam mit weiteren Sozialdemokraten wurde er am 16. Mai 1933 in einer inszenierten Schaufahrt von Karlsruhe in das Konzentrationslager Kislau gebracht und so einer öffentlichen Demütigung preisgegeben. Als Dekorationsmaler restaurierte er dort im Schloss das Fürstenbad: "Eine durchaus zu unterschreibende Massnahme, da sinnvolle Arbeit die einzige Möglichkeit bildete, längere politische Schutzhaft ohne schwere seelische Schädigung zu ertragen", wie später Stenz an den Lagerdirektor berichtete. Am 9. März 1934 wurde er schließlich gegen Abgabe einer Loyalitätserklärung aus Kislau entlassen. Anschließend betätigte sich Stenz als Schriftsteller, nahm Kunstaufträge an und betrieb auf Auftragsbasis Wappen- und Familienforschung. Angesichts des gescheiterten Attentats vom 20. Juli 1944 und der daraufhin folgenden Verhaftungen floh Stenz aus der Stadt nach Dauchingen, wo er gesundheitlich schwer angeschlagen das Kriegsende erlebte.

Nachdem die französische Militärregierung Paul Haußer mit der Leitung des badischen Innenministeriums beauftragt hatte, stellte er Stenz Anfang Juli 1945 als Regierungsdirektor erneut in den Staatsdienst ein. Zunächst übertrug er ihm die Leitung der Bauabteilung, die federführend für den Wiederaufbau und den Städtebau verantwortlich war. Nach der institutionellen Trennung des Landes Baden folgte Stenz Haußer nach Freiburg, wo die unter der französischen Kontrolle stehende südbadische Regierung errichtet wurde. In der Innenverwaltung übernahm Stenz neben der Bauabteilung später auch die Leitung der Reinigungskommission. Als Stellvertreter des Staatskommissars für den Wiederaufbau Erwin Eckert war Stenz ab 1947 zudem für die Gesamtplanung, Lenkung sowie Kontrolle des Wiederaufbaus in Südbaden verantwortlich.

Im Januar 1947 übernahm Stenz aufgrund seiner Erfahrung während der Weimarer Republik die Leitung der Polizeiabteilung im Innenministerium, die er bis zu seiner Pensionierung behielt. Neben der allgemeinen Organisation sowie Personalverwaltung oblag ihm die Dienstaufsicht über die Schutzpolizei, Gendarmerie und die Kriminalpolizei.

Nach seiner Pensionierung im Juni 1949 mit 71 Jahren, die zuvor mehrfach aufgeschoben worden war, bemühte sich Stenz um eine Wiedergutmachung. Zwar wurde seinem Wiedergutmachungsantrag im November 1951 stattgegeben, die Wiedergutmachungskommission berücksichtigte jedoch mögliche weitere Beförderungen während des Nationalsozialismus nicht. Sie verwies stattdessen darauf, dass durch die Wiedereinstellung in den Staatsdienst nach 1945 als Regierungsdirektor sowie die Beförderungen zum Ministerialrat eine "ausreichende" Wiedergutmachung eingetreten sei. Die Kommission betonte außerdem, dass Stenz bereits vor 1933 vom Obersekretär zum Regierungsrat aufgestiegen war. Eine solche Karriere war in den Augen des konservativen Berufsbeamtentums noch weit nach 1945 verpönt, da sie nicht im Einklang mit den "hergebrachten Grundsätzen" des Berufsbeamtentums stand. Gesundheilich schwer angeschlagen verstarb Stenz am 23. Februar 1953 in Karlsruhe im Alter von 75 Jahren.

Viktor Fichtenau 2026

Quellen

GLAK: 450-3/17367, 521/8369 und 8556, 465 c/142; StAF: C 15/1 Nr. 815, D 180/2 Nr. 225745, F 30/1 Nr. 2045, F 30/5 Nr. 1441, F 196/1 Nr. 2862; Ernst Christoph Brühler: Im Zauberreich des Herrn Remmele, Freiburg im Breisgau 1931; Adam Remmele: "Im Zauberreich des Herrn Remmele". Eine Antwort an Herrn Dr. Ernst Brühler. Mitglied des Badischen Landtages, Karlsruhe 1931; Kurt Hochstuhl (Hrsg.): Die Protokolle der Regierung von Baden, Bd. 1: Die Landesverwaltung Baden und das Staatssekretariat Wohleb 1945–1947 (Kabinettsprotokolle von Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern 1945–1952. I. Teil: Die Protokolle der Regierung von Baden 1), Stuttgart 2006.

Werk

Das steinerne Meer. Erzählungen aus badischer Landschaft, Karlsruhe 1927.

Literatur

Viktor Fichtenau: Art. "Stenz, Hermann, Ministerialrat in (Süd-)Baden und Verfolgter des NS-Regimes", in: Baden-Württembergische Biographien 8 (2022), S. 350–351; Günter Wimmer: Adam Remmele. Ein Leben für soziale Demokratie, Ubstadt-Weiher u. a. 2009; Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager, München 2005, S. 134 f.; Michael Ruck: Korpsgeist und Staatsbewußtsein. Beamte im deutschen Südwesten 1928 bis 1972 (Nationalsozialismus und Nachkriegszeit in Südwestdeutschland 4), München 1996; Peter Brandt/Reinhard Rürup: Volksbewegung und demokratische Neuordnung in Baden 1918/19. Zur Vorgeschichte und Geschichte der Revolution, Sigmaringen 1991; Peter Brandt: Arbeiter-, Soldaten- und Volksräte in Baden 1918/19 (Quellen zur Geschichte der Rätebewegung in Deutschland 3), Düsseldorf 1980.