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Dinkel stellte in einem 1935 erschienenen Artikel im <lex id="ins-1164">Führer</lex> “Wir helfen an allen Enden“ zunächst klar, dass die NSV mehr sei als der Organisator des Winterhilfswerks. Dieses sei für jeden Bedürftigen zuständig, die NSV dagegen nur für die der „Volksgemeinschaft wertvollen Volksgenossen“. Das Hilfswerk „Mutter und Kind“ sei für Betreuung und Erziehung der Kleinkinder sowie die Kleinkinder-Erholung in eigenen Einrichtungen zuständig. Diese Arbeit würde mit den Jugendlichen fortgesetzt, deren „Erholung und Kräftigung“ im Vordergrund stehe. Der Artikel schloss mit dem Bekenntnis: „Unser steter Gedanke sei die Erreichung einer wahren Volksgemeinschaft. Ihr zu dienen, ist eine Dankespflicht gegenüber dem Führer, der Tag und Nacht über das Volk wacht.“ Dennoch wurde Dinkel, der die badische NSV bis <lex id="ereig-0074">Kriegsende</lex> leitete, von 1954 bis 1970 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Eschelbronn. |
Dinkel stellte in einem 1935 erschienenen Artikel im <lex id="ins-1164">Führer</lex> “Wir helfen an allen Enden“ zunächst klar, dass die NSV mehr sei als der Organisator des Winterhilfswerks. Dieses sei für jeden Bedürftigen zuständig, die NSV dagegen nur für die der „Volksgemeinschaft wertvollen Volksgenossen“. Das Hilfswerk „Mutter und Kind“ sei für Betreuung und Erziehung der Kleinkinder sowie die Kleinkinder-Erholung in eigenen Einrichtungen zuständig. Diese Arbeit würde mit den Jugendlichen fortgesetzt, deren „Erholung und Kräftigung“ im Vordergrund stehe. Der Artikel schloss mit dem Bekenntnis: „Unser steter Gedanke sei die Erreichung einer wahren Volksgemeinschaft. Ihr zu dienen, ist eine Dankespflicht gegenüber dem Führer, der Tag und Nacht über das Volk wacht.“ Dennoch wurde Dinkel, der die badische NSV bis <lex id="ereig-0074">Kriegsende</lex> leitete, von 1954 bis 1970 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Eschelbronn. |
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Mit der Ausgrenzung von <lex id="ereig-0048">Juden</lex>, von so genannten "Asozialen“ und als erbbiologisch minderwertig verunglimpften Behinderten fielen diejenigen aus der Fürsorge der NSV, die später den Mordaktionen im Rahmen der "Euthanasie" und der als „Endlösung“ bezeichneten Vernichtung des jüdischen Volkes zum Opfer fielen. Allerdings erreichte die NSV nicht die angestrebte Monopolstellung der freien Wohlfahrt. Nur die Ausschaltung der <lex id="ins-0433">Arbeiterwohlfahrt (AWO)</lex> gelang im Zuge der Gleichschaltung, Verbände wie das <lex id="ins-1535">Deutsche Rote Kreuz (DRK)</lex> oder die <lex id="ins-1641">Caritas</lex> konnten aber immerhin behindert und in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt werden. |
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1938 gab die NSV an, in Baden über 300 Dauer- und Erntekindergärten für über 12.000 Kinder geschaffen zu haben, 1936 kamen 8.000 Kinder aus dem Reich in die 12 Kindererholungsstätten, 1937 waren es schon 11.000 und 1938 wurde mit den hinzugekommenen österreichischen Kindern mit 16.000 gerechnet. In zehn Erholungsstätten waren in fünf Jahren 10.000 Mütter betreut worden. Die NSV in Baden stehe damit in der „ersten Reihe der Leistungsgaue“ (Der Führer vom 5. Mai 1938). |
1938 gab die NSV an, in Baden über 300 Dauer- und Erntekindergärten für über 12.000 Kinder geschaffen zu haben, 1936 kamen 8.000 Kinder aus dem Reich in die 12 Kindererholungsstätten, 1937 waren es schon 11.000 und 1938 wurde mit den hinzugekommenen österreichischen Kindern mit 16.000 gerechnet. In zehn Erholungsstätten waren in fünf Jahren 10.000 Mütter betreut worden. Die NSV in Baden stehe damit in der „ersten Reihe der Leistungsgaue“ (Der Führer vom 5. Mai 1938). |
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Version vom 29. Januar 2026, 10:32 Uhr
Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV)
Die reichsweit agierende Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) ging aus einer im September 1931 in Berlin von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gegründeten Selbsthilfeorganisation hervor. Diese wurde am 18. April 1932 als Verein eingetragen. Zu einem der NSDAP angeschlossenen Verband wurde der NS-Volkswohlfahrt e. V. erst durch die Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 29. März 1935. Als NS-Massenorganisation wuchs sie bis auf rund 17 Millionen Mitglieder im Jahr 1943.
In Baden entstand die Organisation nach der Machtübertragung im Deutschen Reich auf die Nationalsozialisten kurz nach der Ausschaltung der Gewerkschaften am 1. Mai 1933. Erster Leiter und Gauwalter der NS-Volkswohlfahrt Baden und des Kreises Karlsruhe wurde der Stadtrat Fritz Argus, dem im Oktober 1934 der Kreisleiter von Heidelberg Philipp Dinkel folgte. Argus und Dinkel waren in Personalunion auch Gaubeauftragte für das Winterhilfswerk, das am 5. September 1933 erstmals als „führende Organisation auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege und Fürsorge“ in Baden um Spenden geworben hatte, wobei häufig direkt oder indirekt Druck ausgeübt wurde, zu spenden oder Mitglied zu werden. Diesem Aufruf zufolge konnten alle Deutschen ab 20 Jahren Mitglied in der NSV werden, ausgeschlossen waren dagegen alle, die nicht „arischer Rasse“ waren.
Dinkel stellte in einem 1935 erschienenen Artikel im Führer “Wir helfen an allen Enden“ zunächst klar, dass die NSV mehr sei als der Organisator des Winterhilfswerks. Dieses sei für jeden Bedürftigen zuständig, die NSV dagegen nur für die der „Volksgemeinschaft wertvollen Volksgenossen“. Das Hilfswerk „Mutter und Kind“ sei für Betreuung und Erziehung der Kleinkinder sowie die Kleinkinder-Erholung in eigenen Einrichtungen zuständig. Diese Arbeit würde mit den Jugendlichen fortgesetzt, deren „Erholung und Kräftigung“ im Vordergrund stehe. Der Artikel schloss mit dem Bekenntnis: „Unser steter Gedanke sei die Erreichung einer wahren Volksgemeinschaft. Ihr zu dienen, ist eine Dankespflicht gegenüber dem Führer, der Tag und Nacht über das Volk wacht.“ Dennoch wurde Dinkel, der die badische NSV bis Kriegsende leitete, von 1954 bis 1970 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Eschelbronn.
Mit der Ausgrenzung von Juden, von so genannten "Asozialen“ und als erbbiologisch minderwertig verunglimpften Behinderten fielen diejenigen aus der Fürsorge der NSV, die später den Mordaktionen im Rahmen der "Euthanasie" und der als „Endlösung“ bezeichneten Vernichtung des jüdischen Volkes zum Opfer fielen. Allerdings erreichte die NSV nicht die angestrebte Monopolstellung der freien Wohlfahrt. Nur die Ausschaltung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gelang im Zuge der Gleichschaltung, Verbände wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Caritas konnten aber immerhin behindert und in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt werden.
1938 gab die NSV an, in Baden über 300 Dauer- und Erntekindergärten für über 12.000 Kinder geschaffen zu haben, 1936 kamen 8.000 Kinder aus dem Reich in die 12 Kindererholungsstätten, 1937 waren es schon 11.000 und 1938 wurde mit den hinzugekommenen österreichischen Kindern mit 16.000 gerechnet. In zehn Erholungsstätten waren in fünf Jahren 10.000 Mütter betreut worden. Die NSV in Baden stehe damit in der „ersten Reihe der Leistungsgaue“ (Der Führer vom 5. Mai 1938).
Als der badische Gauleiter Robert Wagner die Hauptstadt und die Gauleitung nach der französischen Niederlage 1940 nach Straßburg verlegte, zogen zunächst nur die Parteidienststellen in das dortige Gauhaus, Pioniergasse 2-20, um, darunter auch die NSV.
Quellen
Karlsruher Zeitungen 1933-1945, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 17. Dezember 2025).
Literatur
Herwart Vorländer: Die NSV. Darstellung und Dokumentation einer nationalsozialistischen Organisation, Boppard am Rhein 1988 (= Schriften des Bundesarchivs Bd. 35; Ernst Otto Bräunche: „… sind auch hier die Führerbilder unbeschädigt“: Zum Karlsruher Herrschaftsalltag im „Dritten Reich“, in: Rainer Beck u.a.: Alltag in Karlsruhe. Vom Lebenswandel einer Stadt in drei Jahrhunderten, hrsg. von Heinz Schmitt unter Mitwirkung von Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe 1990, S.229-261, S. 236-242 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 10); Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Volkswohlfahrt (Zugriff am 17. Dezember 2025).