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De:Lexikon:bio-1108: Unterschied zwischen den Versionen

(Die Seite wurde neu angelegt: „{{DISPLAYTITLE:Wilhelm (Willy) Friedrich Storck}} =Wilhelm (Willy) Friedrich Storck= Kunsthistoriker, Museumsdirektor, * 9. Mai 1889 Wörrstadt/Lkr. Alzey-Worms, † 30. August 1927 Karlsruhe, ev., ∞ Josefine Maria Theresia Nosbisch, 1 Sohn.<br/ ><br/ > Nach dem Abitur am Realgymnasium in Weisenau (heute Stadtteil von Mainz) nahm der Sohn eines Postsekretärs im Herbst 1907 das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und germanischen Philologie an der…“)
 
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Nach dem Abitur am Realgymnasium in Weisenau (heute Stadtteil von Mainz) nahm der Sohn eines Postsekretärs im Herbst 1907 das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und germanischen Philologie an der Universität Heidelberg auf. Das Sommersemester 1908 verbrachte er in Berlin, wo er Veranstaltungen von Heinrich Wölfflin und Oskar Wulff besuchte. Im August 1910 wurde er bei Henry Thode in Heidelberg promoviert, dessen Assistent er seit 1909 war.
Nach dem Abitur am Realgymnasium in Weisenau (heute Stadtteil von Mainz) nahm der Sohn eines Postsekretärs im Herbst 1907 das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und germanischen Philologie an der Universität Heidelberg auf. Das Sommersemester 1908 verbrachte er in Berlin, wo er Veranstaltungen von Heinrich Wölfflin und Oskar Wulff besuchte. Im August 1910 wurde er bei Henry Thode in Heidelberg promoviert, dessen Assistent er seit 1909 war.


1911 wechselte Storck an die von Fritz Wichert geleitete Mannheimer Kunsthalle, an der er mit dem Aufbau des neu gegründeten Kunstwissenschaftlichen Instituts, zu dem auch das im März 1911 eröffnete Graphische Kabinett und eine Kunstbibliothek gehörten, betraut wurde. Als Wichert während des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieges</lex> von Den Haag und Berlin aus die Museumsgeschäfte führen musste, übernahm Storck weitere wichtige Aufgaben. Die letzte von Storck organisierte Ausstellung in Mannheim bevor er 1920 als Direktor an die <lex id="ins-0836">Badische Kunsthalle</lex> in Karlsruhe wechselte, war Das badische Land im Bild.
1911 wechselte Storck an die von Fritz Wichert geleitete Mannheimer Kunsthalle, an der er mit dem Aufbau des neu gegründeten Kunstwissenschaftlichen Instituts, zu dem auch das im März 1911 eröffnete Graphische Kabinett und eine Kunstbibliothek gehörten, betraut wurde. Als Wichert während des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieges</lex> von Den Haag und Berlin aus die Museumsgeschäfte führen musste, übernahm Storck weitere wichtige Aufgaben. Die letzte von Storck organisierte Ausstellung in Mannheim, bevor er 1920 als Direktor an die <lex id="ins-0836">Badische Kunsthalle</lex> in Karlsruhe wechselte, war Das badische Land im Bild.


Nach <lex id="bio-0774">Carl Ludwig Frommel</lex> (1829-1858), <lex id="bio-1105">Carl Friedrich Lessing</lex> (1858-1880), <lex id="bio-0148">Wilhelm Lübke</lex> (1880-1893) und <lex id="bio-0068">Hans Thoma</lex> (1899-1919) übernahm mit dem erst 30-jährigen Storck erstmals kein Künstler, sondern ein Kunstwissenschaftler die Leitung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Storcks langfristiges Ziel war es, den von seinen Vorgängern eher planlos erworbenen und sehr lokal geprägten Galeriebestand in eine moderne Sammlung zu überführen, die weiterbildend auf das Publikum einwirken sollte. Unmittelbar nach Amtsantritt begann er mit der Neuordnung des Museums, indem er die einzelnen Abteilungen, mit der Altdeutschen Malerei beginnend, so ordnete, dass der Besucher die historische Entwicklung epochenübergreifend nachvollziehen konnte. Unbedeutende, nicht in das Sammlungskonzept passende Werke, verkaufte Storck, um den knappen Ankaufsetat für Neuerwerbungen aufzustocken, oder er tauschte sie gegen Neuzugänge ein. So gelang es ihm, in den sieben Jahren bis zu seinem Tod 1927 Meisterwerke wie die Kreuzaufnagelung Christi (1450) vom Meister der Karlsruher Passion, Friedrich Overbecks Heimsuchung Mariä (1838), Hans Baldungs Ungleiches Liebespaar (1528) oder auch <lex id="bio-0482">Wilhelm Trübners</lex> Selbstbildnis (1913), <lex id="bio-0779">Carl Hofers</lex> Selbstbildnis mit Dämonen (1921/22) und <lex id="bio-0433">Alexander Kanoldts</lex> Stillleben mit Gummibaum (1921) zu erwerben. Da Gemälde von den deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth unerschwinglich waren, erwarb er grafische Blätter von diesen Künstlern.
Nach <lex id="bio-0774">Carl Ludwig Frommel</lex> (1829-1858), <lex id="bio-1105">Carl Friedrich Lessing</lex> (1858-1880), <lex id="bio-0148">Wilhelm Lübke</lex> (1880-1893) und <lex id="bio-0068">Hans Thoma</lex> (1899-1919) übernahm mit dem erst 30-jährigen Storck erstmals kein Künstler, sondern ein Kunstwissenschaftler die Leitung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Storcks langfristiges Ziel war es, den von seinen Vorgängern eher planlos erworbenen und sehr lokal geprägten Galeriebestand in eine moderne Sammlung zu überführen, die weiterbildend auf das Publikum einwirken sollte. Unmittelbar nach Amtsantritt begann er mit der Neuordnung des Museums, indem er die einzelnen Abteilungen, mit der Altdeutschen Malerei beginnend, so ordnete, dass der Besucher die historische Entwicklung epochenübergreifend nachvollziehen konnte. Unbedeutende, nicht in das Sammlungskonzept passende Werke, verkaufte Storck, um den knappen Ankaufsetat für Neuerwerbungen aufzustocken, oder er tauschte sie gegen Neuzugänge ein. So gelang es ihm, in den sieben Jahren bis zu seinem Tod 1927 Meisterwerke wie die Kreuzaufnagelung Christi (1450) vom Meister der Karlsruher Passion, Friedrich Overbecks Heimsuchung Mariä (1838), Hans Baldungs Ungleiches Liebespaar (1528) oder auch <lex id="bio-0482">Wilhelm Trübners</lex> Selbstbildnis (1913), <lex id="bio-0779">Carl Hofers</lex> Selbstbildnis mit Dämonen (1921/22) und <lex id="bio-0433">Alexander Kanoldts</lex> Stillleben mit Gummibaum (1921) zu erwerben. Da Gemälde von den deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth unerschwinglich waren, erwarb er grafische Blätter von diesen Künstlern.

Version vom 18. August 2026, 09:49 Uhr


Wilhelm (Willy) Friedrich Storck

Kunsthistoriker, Museumsdirektor, * 9. Mai 1889 Wörrstadt/Lkr. Alzey-Worms, † 30. August 1927 Karlsruhe, ev., ∞ Josefine Maria Theresia Nosbisch, 1 Sohn.

Nach dem Abitur am Realgymnasium in Weisenau (heute Stadtteil von Mainz) nahm der Sohn eines Postsekretärs im Herbst 1907 das Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und germanischen Philologie an der Universität Heidelberg auf. Das Sommersemester 1908 verbrachte er in Berlin, wo er Veranstaltungen von Heinrich Wölfflin und Oskar Wulff besuchte. Im August 1910 wurde er bei Henry Thode in Heidelberg promoviert, dessen Assistent er seit 1909 war.

1911 wechselte Storck an die von Fritz Wichert geleitete Mannheimer Kunsthalle, an der er mit dem Aufbau des neu gegründeten Kunstwissenschaftlichen Instituts, zu dem auch das im März 1911 eröffnete Graphische Kabinett und eine Kunstbibliothek gehörten, betraut wurde. Als Wichert während des Ersten Weltkrieges von Den Haag und Berlin aus die Museumsgeschäfte führen musste, übernahm Storck weitere wichtige Aufgaben. Die letzte von Storck organisierte Ausstellung in Mannheim, bevor er 1920 als Direktor an die Badische Kunsthalle in Karlsruhe wechselte, war Das badische Land im Bild.

Nach Carl Ludwig Frommel (1829-1858), Carl Friedrich Lessing (1858-1880), Wilhelm Lübke (1880-1893) und Hans Thoma (1899-1919) übernahm mit dem erst 30-jährigen Storck erstmals kein Künstler, sondern ein Kunstwissenschaftler die Leitung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Storcks langfristiges Ziel war es, den von seinen Vorgängern eher planlos erworbenen und sehr lokal geprägten Galeriebestand in eine moderne Sammlung zu überführen, die weiterbildend auf das Publikum einwirken sollte. Unmittelbar nach Amtsantritt begann er mit der Neuordnung des Museums, indem er die einzelnen Abteilungen, mit der Altdeutschen Malerei beginnend, so ordnete, dass der Besucher die historische Entwicklung epochenübergreifend nachvollziehen konnte. Unbedeutende, nicht in das Sammlungskonzept passende Werke, verkaufte Storck, um den knappen Ankaufsetat für Neuerwerbungen aufzustocken, oder er tauschte sie gegen Neuzugänge ein. So gelang es ihm, in den sieben Jahren bis zu seinem Tod 1927 Meisterwerke wie die Kreuzaufnagelung Christi (1450) vom Meister der Karlsruher Passion, Friedrich Overbecks Heimsuchung Mariä (1838), Hans Baldungs Ungleiches Liebespaar (1528) oder auch Wilhelm Trübners Selbstbildnis (1913), Carl Hofers Selbstbildnis mit Dämonen (1921/22) und Alexander Kanoldts Stillleben mit Gummibaum (1921) zu erwerben. Da Gemälde von den deutschen Impressionisten Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth unerschwinglich waren, erwarb er grafische Blätter von diesen Künstlern.

Neben der Umsetzung eines modernen Sammlungskonzepts, das seine Nachfolgerin Lilli Fischel bis zu ihrer Amtsenthebung 1933 fortführte, richtete er zahlreiche Ausstellungen aus, teilweise aus dem eigenen Bestand wie die Sonderdarbietung J. W. Schirmer und seine Schule im Herbst 1920, zum Teil aus Museen und Privatsammlungen, wie die Große Schweizer Ausstellung mit 1.227 Werken Schweizer Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, die in der von Karl Moser und Robert Curjel entworfenen Städtischen Ausstellungshalle stattfand.

Storcks Sammlungskonzept und Ankaufspolitik stießen bei der einheimischen Künstlerschaft und der traditionsverbundenen Öffentlichkeit von Anfang auf Kritik, die ihm seit 1922 seine Arbeit sehr erschwerte. Seine fortschreitende Krankheit zwang ihn ab 1923 zu immer längeren Abwesenheitszeiten in der Kunsthalle, die ihn allerdings nicht daran hinderten, sein Konzept bis zu seinem Tod engagiert voranzutreiben.

Katja Förster 2020/26

Quelle

Lebenslauf [Willy F. Storcks], in: Die Legende von den drei Lebenden und von den drei Toten. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde bei der hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg, vorgelegt von Willy F. Storck, Tübingen 1910, S. 56 f.

Literatur

Marlene Angermeyer-Deubner: Die Kunsthalle Karlsruhe – Der Beginn einer modernen Sammlung. Willy F. Storck (1920-1927) und Lilli Fischel (1927-1933), Teil 1, in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, Bd. 34, München/Berlin 1997, S. 51-103; Tomas Köllhofer: Moderne Ankaufspoltik mit verheerenden Folgen, in: Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter, Mannheim 2029, S. 13.41; Katja Förster: Willy F. Storck, in: Blick in die Geschichte, 2020, 128, S. 1, https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/stadtarchiv/blick-in-die-geschichte/ausgaben/blick-128/willy-f-storck (Zugriff am 3. August 2026).