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Dragonerkaserne


Dragonerkaserne

Kaiserallee 12-14 (heute noch erhaltene Bauten Kaiserallee 12e, 12d, 12c, 16).

Mit der Vergrößerung der Markgrafschaft um bayerisch-kurpfälzische Gebiete 1803 ging auch die Übernahme einer Chevaulegers-Eskadron einher, die als "Leichte-Dragoner-Eskadron" in Heidelberg garnisoniert wurde. Daraus entwickelte sich das 1. Dragoner-Regiment, das nach der Militärkonvention mit Preußen und dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 seinen endgültigen Namen 1. Badisches Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 erhielt.

1887 erfolgte die Verlegung des Regiments, das inzwischen aus fünf Eskadronen (drei in Mannheim und zwei in Schwetzingen) bestand, nach Karlsruhe. Die zwischen der Polytechnischen Schule, heute Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Zeughaus in der Langen Straße (heute Kaiserstraße) zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete Dragonerkaserne war aber zur Aufnahme des Regiments zu klein, weswegen der preußische Militärfiskus vom Großherzoglichen Domänenärar ein Baugelände im westlichen Hardtwald erwarb. Von 1888 bis 1897 entstand auf diesem Terrain, das im Westen vom Schwimmschulweg (heute Blücherstraße), im Süden von der Kaiserallee und im Norden von der künftigen Südlichen Hildapromenade gefasst wurde, eine geräumige Kasernenanlage, deren großer Exerzierplatz von Pferdeställen, einer Reithalle und sonstigen Wirtschaftsgebäuden gesäumt wurde, während die Mannschaftsgebäude entlang der Kaiserallee angeordnet waren. Entsprechend des Baufortschritts zogen die in der Kaiserstraße sowie in Durlach untergebrachten Eskadrone zwischen 1890 und 1897 in die neue Dragonerkaserne um: 2. Eskadron zum 1. Oktober 1890; 4. Eskadron zum 24. April 1892; 1. Eskadron zum 4. Oktober 1892; 3. und 5. Eskadron zum 16. August 1897. Westlich der Blücherstraße, in der Kaiserallee 14, entstand bis 1897 ein Offizierskasino (heute Kaiserallee 16, Kindertagesstätte Villa im Zaubergarten der Reha Südwest).

Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs Anfang August 1914 wurde das 1. Badische Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 der 6. Kavallerie-Division zugeteilt. Es kam an verschiedenen Stellen im Westen und Osten, zuletzt in Nordfrankreich, zum Einsatz. Nach Kriegsende erfolgten in Eppingen seine Demobilmachung und Auflösung.

Mit der Einrichtung einer etwa 50 Kilometer breiten entmilitarisierten Zone östlich des Rheins entlang der badischen Grenze im Dezember 1918 durften Kaserne und Kasino nicht mehr militärisch genutzt werden. In dem Gebäudekomplex wurden daher zunächst zahlreiche Notwohnungen eingerichtet. Im Verlauf der 1920er-Jahre kamen noch Gewerbebetriebe, das Telegraphenbauamt, das Reichsbauamt Karlsruhe und das Städtische Jugendschutzheim dazu. Ab etwa 1926 war auch die Deutsche Passstelle für Ausländer im ehemaligen Offizierskasino untergebracht.

Ab 1936 wurde die Anlage wieder militärisch genutzt, jetzt von Soldaten des 3. Bataillons des neu gebildeten Infanterie-Regiments 109. Kurz darauf erfolgte die Umbenennung der Kaserne in Loretto-Kaserne. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kasernenareal wiederholt Ziel von Luftangriffen, zuletzt am 27. September 1944, bei dem der Mittelbau (Stabgebäude) und der Westflügel (Mannschaftsgebäude) großenteils zerstört wurden.

Nach Kriegsende 1945 zogen zunächst US-Streitkräfte in die Kaserne ein. Ein Teil der ehemaligen Wirtschaftsgebäude wurde nach und nach an Gewerbebetriebe vermietet. 1956 gab das US-Militär das Kasernenareal auf, das noch im selben Jahr Eigentum des Bundes wurde, der sogleich mit dem Wiederaufbau und der Instandsetzung der ehemaligen Mannschaftsgebäude für die Nutzung durch Soldaten der Bundesluftwaffe begann. Im Februar 1957 zog der erste Teil und im Juli 1958 der restliche Teil des Luftwaffen-Fernmelde-Bataillons 121 (später 2. Luftwaffen-Fernmelde-Regiment 12) in den Trakt ein. Die Gewerbebetriebe auf dem bundeseigenen Gelände wurden ab 1956 unter der Adresse Blücherstraße 13 geführt.

Ab 1965 wurden für die Nutzung des Areals, das als Sondergebiet für den Gemeinbedarf ausgewiesen wurde, verschiedene Bebauungspläne erstellt. Jedoch erst 1983 stand mit dem Bebauungsplan Dragoner-Kaserne-Änderung die zukünftige Konzeption weitgehend fest. In der Zwischenzeit liefen die Verkaufsverhandlungen zwischen Bund und Stadt mit dem Resultat, dass die Stadt 1973 ein Großteil des Geländes entlang der Blücherstraße und südlich der Hildapromenade erwerben konnte. Von 1988 bis 1990 entstand hier zunächst die Dragonerhalle (Blücherstraße 19), die vor allem auch dem Schulsport dient. 1990/91 wurde dann in Fortführung des Grünzugs der Hildapromenade ein Park mit Bäumen, rosenumrankten Pergolen, Wiesen, Spielplätzen und einem tiefer gelegenen Rasenspielfeld angelegt. Und bis Mai 1993 errichtete schließlich die Volkswohnung GmbH am südwestlichen Rand des Stadtteilparks einen Neubau mit 32 Wohnungen einschließlich einer städtischen Kindertagesstätte.

Bis auf den Ostbau der ehemaligen Mannschaftsgebäude (heute Kaiserallee 12c) konnte die Stadt 1993 vom Bund das restliche Kasernenareal erwerben und damit den Bebauungsplan weiterführen. Der Westbau wurde noch im selben Jahr durch die Volkswohnung GmbH grundlegend saniert und dient als Studienhaus Kaiserallee (heute Kaiserallee 12e) seitdem der Volkshochschule (VHS) Karlsruhe und der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Baden (VWA) in Karlsruhe als Domizil. Die Geschäftsstelle der Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung Karlsruhe (AWWK) dagegen wurde später in die Rüppurrer Straße 1a verlegt und 2026 aufgelöst. Das nordwestlich vom Studienhaus gelegene ehemalige Kantinengebäude wurde, da es im Studienhaus selbst keinen großen Saal gibt, zu einem Veranstaltungs- und Hörsaal umgebaut. Im Mittelbau (heute Kaiserallee 12d) befindet sich seit Mai 1995 das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) Karlsruhe. Den Ostbau nutzte seit 1979 das Luftwaffenmusikkorps II der Bundeswehr. Diesen Trakt konnte die Stadt erst nach dessen Auflösung 2014 im darauffolgenden Jahr für eine künftige Nutzung durch das Badische Konservatorium (KONS) erwerben. Eine Machbarkeitsstudie, mehrere Planvarianten, die Corona-Pandemie und Firmeninsolvenzen verzögerten die Umbaumaßnahmen des Gebäudes, das erst im Spätsommer 2024 vom Konservatorium bezogen werden konnte.

Mit der Herstellung der Paul-Ehrlich-Straße 1999 wurde am Ostrand des ehemaligen Kasernenareals nochmals der Wohnungsbau berücksichtigt. Zwischen 2000 und 2009 entstanden hier mehrere Mehrfamilienhäuser in privater Bauträgerschaft.

Katja Förster 2026

Quelle

GLA 56/3131; Garnisonstadt Karlsruhe. Militärische Liegenschaften einst und heute, zus. gestellt von Oberstleutnant Lüdke 1989, überarb. 1993 [masch. schriftl. Manuskript], S. 39-41; Mitteilungen des Baudezernats. Stadtplanung 14, 1972, Planungskonzepte "Dragonerkaserne"; Amtsblatt der Stadt Karlsruhe vom 17. November 1989, 12. November 1993, 11. Oktober 1996, 20. Juni 1997; Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 23. Februar 1957, 25. Juli 1958, 15. Dezember 1965, 23. Juli 1969, 24. Mai 1971, 30. November 1982, 30. Juli 1990, 15. Oktober 1993, 28. April 1994, 17. Dezember 2015, 26. November 2021, 25. Oktober 2024.