Rechts westlicher Teil des in Blockrandbebauung errichteten und denkmalgeschützten Wohnblocks mit sieben viergeschossigen Mietwohnhäusern, Ecke August-Dürr-Straße/Renckstraße, 1926-1928 nach Plänen von Hans Zippelius erbaut, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA V V 1804.
Wohnungsbau der Volkswohnung GmbH im Mühlburger Feld, im Hintergrund eines der Hochhäuser am Entenfang, 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/67/1/6.
Wohnungsbau der Volkswohnung GmbH im Rintheimer Feld, 1955, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/92/6/24.
Baufertigstellung des 19stöckigen Hochhauses der Volkswohnung GmbH am Lameyplatz , 1964, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/36/5/32A.
Zentrale der Volkswohnung GmbH am Ettlinger-Tor-Platz 2, 2005, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA ONUK 132 DO.

Volkswohnung GmbH

Ettlinger-Tor-Platz 2

Die prekäre Wohnungsmarktsituation Anfang der 1920er-Jahre veranlasste die Stadt Karlsruhe, gemeinsam mit tragfähigen wirtschaftlichen Unternehmen am 26. Mai 1922 die gemeinnützige Wohnungsbau für Industrie und Handel GmbH zu gründen. Ihr Zweck wurde im Zentral-Handels-Register für Baden mit der Herstellung und Verwertung von Kleinwohnungen hauptsächlich für Angestellte und Arbeiter des Handels und der Industrie umschrieben. Das Stammkapital betrug sechs Millionen Mark, wovon die Stadt die Hälfte beigesteuert hatte. Stadtbaurat Johannes Dommer und Kaufmann Albert Brauchle wurden als Geschäftsführer, Architekt Hans Zippelius als stellvertretender Geschäftsführer eingesetzt. Öffentliche Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgten in der Karlsruher Zeitung.

Die erste Mietwohnhausanlage des Unternehmens entstand von Juli 1922 bis Mai 1923 als mehrgeschossige Vierflügelanlage auf einem 3.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen der Philipp-, Brahms-, Kalliwoda- und der heutigen Ludwig-Marum-Straße, damals noch Maxaustraße. Der Bauplatz war der Gesellschaft von der Stadt, die das Areal erst im Juli 1922 von der Rheinischen Creditbank Mannheim erworben hatte, unter Einbehaltung von Vor- und Ankaufsrechten zum Selbstkostenpreis überlassen worden.

Ende März 1928 verzeichnete die Wohnbaugesellschaft bereits 169 Mietwohnungen in solide ausgeführten Wohnblöcken, darunter auch in dem im Rahmen der Ettlinger-Tor-Platz-Bebauung von 1926 bis 1928 errichteten Wohnhauskomplex entlang der August-Dürr-, Garten- und Renckstraße. Die Erbauung der Dammerstocksiedlung unter künstlerischer Leitung von Walter Gropius führte 1928 zur Gründung der ersten Tochtergesellschaft, der gemeinnützigen Volkswohnung GmbH. Am 7. Juli 1931 wurde der bisherige Firmennamen durch Wohnungsgesellschaft Ettlinger Tor mbH ersetzt.

Die verheerende Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg setzte in den 1950er- und 60er-Jahren eine enorme Bautätigkeit der 1951 aus der Fusion der Wohnungsgesellschaft Ettlinger Tor mbH mit den beiden Tochtergesellschaften – der 1928 gegründeten Volkswohnung GmbH und der erst 1947 geschaffenen Neubürgersiedlung GmbH – entstandenen ‚neuen‘ „Volkswohnung GmbH“ in Gang. Von 1953 bis1956 schuf das gemeinnützige Unternehmen mit der Bebauung des Mühlburger Felds und des Rintheimer Felds zwei Wohnsiedlungen in fünfgeschossiger Zeilenbauweise mit ca. 1.300 und 874 Mietwohnungen. Eine weitere Maßnahme, mit welcher der akuten Wohnungsnot entgegengewirkt werden sollte, war ab 1957 der Bau der Waldstadt. In Zusammenarbeit mit dem Bundeswohnungsbauministerium hatte die Stadt ein Demonstrativ-Bauprogramm entwickelt, das der Volkswohnung GmbH ermöglichte, bis 1960 etwa 450 kostengünstige Mietwohnungen, wiederum in fünfgeschossigem Zeilenbau, zu erstellen. 1965 gehörten der Gesellschaft 1.235 Wohnungen in der Königsberger, der Insterburger und der Kolberger Straße.

Der über Jahrzehnte gewachsene Mietwohnungsbestand stellte die Organisation in den 1970er-Jahren vor neue Aufgaben. Neben die Beschaffung von neuem Wohnraum traten von nun an vor allem auch Instandsetzung, Sanierung und Modernisierung des Altbestandes. Da für die letztgenannte Aufgabe die Wohnbaugesellschaft, nicht aber die Stadt zuschussberechtigt war, überführte die Stadtverwaltung 1979 93 ihrer Häuser mit 291 Wohnungen und 1988 weitere 109 Häuser mit 526 Wohnungen in das Eigentum der Volkswohnung. Die Verkäufe wurden über eine Erhöhung des Stammkapitals verrechnet. Ebenso gingen mit Abschluss der Altstadtsanierung und der Auflösung des Sanierungsbüros Neue Heimat die dortigen Mietwohnungen zum 1. Januar 1986 in den Besitz der Volkswohnung über.

Anfang 1980 beschritt das Unternehmen mit dem Bau von Wohnungseigentum einen neuen Weg. Grund hierfür war ein vom Land Baden-Württemberg erlassenes Förderprogramm für den Verkauf von Sozialwohnungen. Da bei der Volkswohnung über 2.000 Mietwohnungssuchende registriert waren, schieden für die Gesellschaft Verkäufe aus dem aktuellen Mietwohnungsbestand aus. Dafür setzte sie verstärkt auf den Bau von Eigentumswohnungen und Eigentums-Reihenhäusern, die an geeignete Bewerber, bevorzugt kinderreiche Familien, verkauft wurden. In Oberreut, im Neubaugebiet Zündhütle und im Europaviertel der Waldstadt entstanden 1982/83 die ersten Eigenheime, gefolgt vom Dammerstock 1985 und anderen Stadtteilen.

Auch der Altenwohnungsbau rückte Mitte der 1980er-Jahre infolge des hohen Bevölkerungsanteils an über 65-Jährigen in den Fokus der Wohnbaugesellschaft. Zu den ersten Bauprojekten dieser Art gehörte das 47 Kleinwohnungen umfassende Terrassen-Altenwohnheim, das 1986/87 in der Neisser Straße in der Waldstadt entstand.

Die Aufhebung des Wohnungsgemeinnützigkeitgesetzes zum 31. Dezember 1989 führte zum 1. Januar 1990 zu einem neuen Gesellschaftsvertrag und zur Gründung der Tochtergesellschaft Volkswohnung Bauträger und Verwaltungs GmbH. Außerhalb des sozialen Wohnungsbaus ist das Unternehmen seitdem steuerpflichtig, kann aber dafür Wohnbau in allen Nutzungs- und Rechtsformen betreiben.

Mit dem Abzug der US-Truppen aus Karlsruhe 1995 rückte für die Gesellschaft die Konversion, also die Entwicklung und Erschließung ehemals militärisch genutzter Flächen in den Fokus, weshalb 1999 auch die Tochtergesellschaft Konversationsgesellschaft Karlsruhe mbH (KGK) gegründet wurde. Erstes Projekt war die Amerikaner-Siedlung entlang der Erzbergerstraße in der Nordstadt, gefolgt von Kirchfeld-Nord und Knielingen 2.0 ab 2002.

Mit 13.328 Mietwohnungen (Stand September 2019) stellt die Volkswohnung GmbH die größte Vermieterin der Stadt Karlsruhe und das drittgrößte kommunale Immobilienunternehmen Baden-Württembergs dar. Da zwischen dem Angebot und der Nachfrage an Mietwohnungen für einkommensschwächere Bürger noch immer eine sehr große Diskrepanz besteht, konzentriert sich die Volkswohnung GmbH seit 2012 wieder verstärkt auf die Schaffung von neuen Mietwohnungen, die Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestandes einschließlich einer Verbesserung der Infrastruktur in den entsprechenden Wohnquartieren.

Katja Förster 2021

Quellen

Volksfreund vom 10. April und 15. Mai 1922, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/date/calendar/3614475?d=1922 (Zugriff am 5. Juni 2021); Karlsruher Zeitung vom 3. Juli und 14. August 1922, 10. August 1931, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/titleinfo/1790223 (Zugriff am 5. Juni 2021); Städtische Baupolitik, in: Karlsruher Tagblatt vom 23. Januar 1923, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/date/calendar/2411037?d=1923 (Zugriff am 5. Juni 2021); Badische Neueste Nachrichten vom 21. November 1978, 1. Juni 1983, 18. April und 13. Dezember 1985, 10. Juli 1986, 21. Oktober 1987, 7. Dezember 1989, 15, August 2014, 3. Juni 2016; Volkswohnung GmbH, https://www.volkswohnung.com (Zugriff am 14. Mai 2021).

Literatur

Gebhard Schramm: Die Volkswohnung GmbH in der Waldstadt 1957 bis 2007, in: Die Waldstadt in Karlsruhe. Ein lebendiger Stadtteil im Grünen, hrsg. von Walter Hof/Eva Paur/Gebhard Schramm für den Bürgerverein Waldstadt e. V., Karlsruhe 2007, S. 59-63.