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Gerhard Karl Huber

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Gerhard Karl Huber

Bildhauer, * 17. Juli 1941 Karlsruhe, † 30. Juni 2023 Karlsruhe, ∞ 1964 Sieglinde Gröbel, 2 Töchter.

Gerhard Karl Huber wuchs als Sohn von Ida und Karl Huber in der Karlsruher Südstadt mit zwei älteren Schwestern auf. Der Vater führte einen Steinmetzbetrieb für Natursteinfassaden und Grabmale. Nach dem Schulbesuch absolvierte Huber eine Lehre als Steinmetz und erwarb in Abendkursen die Mittlere Reife. 1961 bis 1963 besuchte er die Fachschule für Steinmetze und Bildhauer in Freiburg. Die Ausbildung schloss er mit den Meisterprüfungen als Steinmetz und Bildhauer sowie als Steintechniker ab.

Im Alter von elf Jahren wurde Huber Mitglied bei den Naturfreunden, engagierte sich später in der Jugendgruppenarbeit und gründete 1959 mit Naturfreunden in Berghausen ein politisches Kabarett, mit dem sie bis 1961 auftraten. Die Werte und Ziele der Naturfreunde - soziale Demokratie, Gewaltfreiheit, Antifaschismus, Naturschutz und Ablehnung von Atomkraft und -waffen -, die er in seiner Jugend aufnahm, prägten seine Haltung und bestimmten sein Handeln. So gehörte er zu Beginn der 1960er-Jahre zur Organisationsgruppe der Ostermarsch-Demonstrationen und hielt 1961 auf dem Festplatz eine Rede bei der Demonstration gegen atomare Aufrüstung. Zu dieser Zeit verweigerte er als einer der ersten Karlsruher den Wehrdienst und leistete 1964/65 Ersatzdienst in einem Stuttgarter Altenheim und im Diakonissenkrankenhaus in Rüppurr. Jahre später wirkte er als Schöffe in der Kommission zur Prüfung von Anträgen auf Wehrdienstverweigerung mit. Seine musikalische Neigung pflegte er als Akkordeonspieler und Mitglied des Symphonischen Akkordeonorchesters Karlsruhe, mit dem er unter Leitung von Ernst Dizuleit schon mit 16 Jahren Konzertreisen im In- und Ausland unter anderem nach Moskau unternahm.

Als Huber 1968 die Firma des Vaters übernahm, zeichnete sich bereits ab, dass der Schwerpunkt seines Wirkens die Bildhauerei sein würde. 1967 gestaltete er zur Bundesgartenschau in Karlsruhe vier prämierte Grabmalplastiken, 1971 eine Stele für die Schau in Köln und 1972 seinen ersten, am Durlacher Tor installierten Brunnen. Im selben Jahr nahm er erstmals an der Bildhauerklasse der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg bei den Professoren Ralph Brown und Eduardo Paolozzi teil. Eine seiner Plastiken kaufte die Stadt Salzburg an. 1972 bis 1974 beteiligte er sich an der Internationalen Kunstausstellung für Plastiken am Rehfels in Baselland/Schweiz. 1975 gestaltete er das Areal vor dem Kolumbarium auf dem Hauptfriedhof und fertigte dazu eine große Brunnenskulptur. Seit 1976 arbeitete Huber als freischaffender Künstler in seinem Atelier an der Haid-und-Neu-Straße. Studienreisen führten ihn nach Italien, vor allem nach Rom, und nach Frankreich. In seinem Atelier ermöglichte er Studenten der Kunstakademie Praktika, zudem wirkte er einige Jahre im Vorstand des Berufsverbands der Bildenden Künstler Karlsruhe (BBK) mit.

Seit 1976 hinterlässt Gerhard Karl Huber ein umfangreiches Werk mit großer künstlerischer und gestalterischer Bandbreite. In Karlsruhe finden sich zahlreiche Brunnen, Mahnmale, Gedenktafeln und Erinnerungszeichen, die sein Signet tragen. Damit prägte er einerseits an vielen Orten das Stadtbild und es machte ihn andererseits zum Mitgestalter der Karlsruher Erinnerungskultur. Bei der Planung seiner Objekte im öffentlichen Raum galt seine Aufmerksamkeit sowohl dem Bezug zum Aufstellungsort bzw. dessen Geschichte wie auch dem Inhalt und der Gestaltung der Texte.

Als freier Künstler schuf Huber abstrakte Plastiken in streng geometrischer, minimalistischer Art. Dafür verwendete er Naturstein, Bronze, Stahl, Beton, Holz und Papier. Mit Groß- und Kleinplastiken war Huber auf etwa 20 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsent, darunter Bretten, Karlsruhe, Kassel, Moskau und Nancy. Seine Arbeiten fanden Eingang in öffentliche und private Sammlungen im In- und Ausland.

2009 erhielt Huber den Preis der Ludwig-Marum-Stiftung Pfinztal für seinen Einsatz zur Umgestaltung eines NS-Kriegerdenkmals in ein Friedensdenkmal.

Manfred Koch 2025

Quellen

StadtAK 8/ZGS Personen; 8/ZGS 21 (Brunnen); 8/ZGS 22 (Denkmäler); Städtische Website zu Kunst im öffentlichen Raum - Rotes Haus Brunnen (Zugriff am 29. März 2025); Badische Neueste Nachrichten vom 7. September 1961; Tobias Klumpf: Gerhard Karl Huber. Freischaffender Künstler (Schülerarbeit Freie Waldorfschule 2022, Typoskript); Grabmal von Gerhard Karl Huber auf dem Karlsruher Hauptfriedhof, Foto von Horst Schlesiger (Zugriff am 28. März 2025); Informationen von Sieglinde Huber und Paul Mehrer.

Literatur

Uwe Faulhaber/Dietrich Maier: Brunnenlexikon für die Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 2016; Karlsruher Brunnen: Modelle - Bilder - Fotografien; Ausstellung im Landesgewerbeamt "Karlsruher Brunnen - Kunst und Technik" vom 22.03. bis 25.04.2004, hrsg. von den Stadtwerken Karlsruhe GmbH. Dietrich Maier. Unter künstler. Leitung von Barbara Jäger und OMI Riesterer. Fotogr. von Thilo Mechau; Claudia Pohl: Kunst im Stadtraum – Skulpturenführer für Karlsruhe, Karlsruhe 2009, S. 72 f.; Gernot Horn: Wohnanlage mit Denkmal, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Nr. 101 vom 3. Januar 2014, (Karlsruhe: Denkmal für Heinrich Coblenz in Karlsruhe, Zugriff am 31. März 2025); Manfred Koch: Zwei Katzen über der Alb, in: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Nr. 134 vom 18. März 2022, (Karlsruhe: Zwei Katzen über der Alb, Zugriff am 31. März 2025); Jürgen Schuhlade-Krämer: Gegen Aufrüstung und Krieg - Friedensbewegung in Karlsruhe während des Kalten Krieges, in: Manfred Koch (Hrsg.): Bewegte Zeiten. Beiträge zur Karlsruher Geschichte, Ubstadt-Weiher 2022, S. 83-91 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 21).