Blick von Südosten auf das Haupt- und Verwaltungsgebäude der Nähmaschinenfabrik Haid & Neu an der Haid-und-Neu-Straße, um 1925, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 487/2b.
Blick in die Haid-und-Neu-Straße mit der Technologiefabrik, 2017, Foto: Feitenhansl.
Haid-und-Neu-Straße Nr. 1, 2009, Foto: Feitenhansl.

Haid-und-Neu-Straße

Die Straße zieht insgesamt in nahezu gerader Linie nordostwärts vom Durlacher Tor in der Oststadt über Rintheim bis nach Hagsfeld. Sie wurde 1888 als Karl-Wilhelm-Straße angelegt und trägt seit 1955 ab dem Karl-Wilhelm-Platz die Namen von Georg Haid (12. Juni 1825 – 22. Juni 1895) und Carl Wilhelm Neu (23. Oktober 1831 – 21. Dezember 1909), den Gründern der Nähmaschinenfabrik Haid & Neu. Von links nimmt sie die Parkstraße, die Stumpfstraße, die Emil-Frommel-Straße, den Hirtenweg, die Emmy-Noether-Straße und die Straße Am Sportpark auf. Von rechts kommen die Georg-Friedrich-Straße, die Tullastraße, die Helmertstraße, die Töpperstraße, der Ostring, die Forststraße, der Hirtenweg, die Sinsheimer Straße und die Karlsruher Straße hinzu. Danach geht sie in die Gustav-Heinemann-Allee über.

Der Bereich des Karl-Wilhelm-Platzes ist noch überwiegend von historischer Wohnbebauung im Jugendstil aus der Zeit um 1900 geprägt. Im weiteren Verlauf folgt ein ausgedehntes Gebiet aus gemischter Wohn- und Gewerbenutzung, darin die Brauerei Hoepfner und das große Areal des städtischen Hauptfriedhofs.

Die Wohnhäuser unmittelbar am kreisrunden Karl-Wilhelm-Platz stammen fast alle vom Architekten Franz Wolff. Sie sind sehr individuell geplant und handwerklich hochwertig ausgeführt, so z. B. das Wohnhaus für den Fabrikanten August Herling mit seinem geschwungenen Giebel, den hochovalen Okuli und den zierlichen Balkongeländern (Nummer 8). Auf der Nordseite der Straße folgen nach den Wohnhäusern zwei Bauten der früheren Nähmaschinenfabrik Haid & Neu. Im Fabrikbau direkt an der Straße und in dem einstigen Schreinereibau dahinter sind seit 1984 das Existenzgründerzentrum Technologiefabrik Karlsruhe, sowie unter anderem das Karlsruher Stadtwiki untergebracht (Nummer 7). Direkt nebenan residiert das Max Rubner-Institut, die frühere Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (Nummer 9).

Auf der Südseite der Straße wurden weitere Bauteile der Nähmaschinenfabrik einschließlich einer Verbindungsbrücke bis gegen 1970 abgerissen, um Platz für das wegen seiner Dimensionen umstrittene, 18-geschossige Wohnhochhaus des Mosch-Centers zu schaffen, das 1975 fertigestellt wurde (Nummer 16). Es lehnt sich unmittelbar an die Hoepfner-Burg der gleichnamigen Privatbrauerei an, die zu ihrer Erbauungszeit noch alleine auf weiter Flur stand (Nummer 18). Zu den eigentlichen Brauereigebäuden mit Mälzerei, Darrengebäude und Sudhaus gesellt sich ein – im Grunde funktionsloser – 53 Meter hoher, spitz behelmter Rundturm, der gleichsam als Bergfried dem Turm des Schlosses Neuschwanstein nachempfunden ist (1898 von Johann Hantschel errichtet). Dazu kommt die Gaststätte Burghof, 1900 von den Jugendstil-Architekten Curjel & Moser, die in der Tat schon Elemente dieses Stils aufzeigt.

Im Bereich der Tullastraße erstreckt sich entlang der Nordseite der Straße die weitläufige Anlage des Hauptfriedhofs, des ältesten kommunalen Parkfriedhofs in Deutschland. Er wurde von Josef Durm im ersten Bauabschnitt 1874 auf damals noch Rintheimer Gemarkung fertiggestellt (Nummern 35, 39). Seit 1897 befindet sich auch der Jüdische Friedhof mit eigenem Eingang an der Haid-und-Neu-Straße. Erst seit 1890 konnte man die 600 Meter Entfernung vom Durlacher Tor mit der Lokalbahn nach Spöck und seit 1905 mit der parallel verlaufenden Städtischen Straßenbahn zurücklegen. Nur für die Lokalbahn wurde eine elegante Wartehalle im Jugendstil errichtet (1906 von Friedrich Beichel, Nummer 33). Im Anschluss an den Friedhof jenseits des Hirtenwegs liegt der Karlsruher Technologiepark. Weiter stadtauswärts finden sich der Freie Kindergarten Karlsruhe (Nummer 137) und die sogenannte Wagenburg einer alternativen Lebensgemeinschaft, die hier tatsächlich in umfunktionierten Bauwagen wohnt (Nummer 153). Vor dem Übergang in die Gustav-Heinemann-Allee befindet sich auf der gleichen Seite das Karlsruher Fächerbad.

Roland Feitenhansl 2018

Quelle

Datenbank der Karlsruher Kulturdenkmale https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?suchstring=Haid&Suche+starten=Suche+starten (Zugriff am 4. Mai 2018).

Literatur

Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Jochen Karl Mehldau: Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7); Obert, Michael: Hundert Jahre Bürgerverein Oststadt, Karlsruhe 1996; Barbara Guttmann: Hopfen und Malz. Die Geschichte des Brauwesens in Karlsruhe, Karlsruhe 1998 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 19) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP4J3sb0PAe/Hopfen%20und%20Malz.pdf (Zugriff am 27. Dezember 2020); Manfred Koch (Hg.): Unter Strom. Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Karlsruhe, Karlsruhe 2000 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 20) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmpleMfMKrOgD/Unter%20Strom.pdf (Zugriff am 27. Dezember 2020); Karl Zahn: Gräber, Grüfte, Trauerstätten. Die Geschichte des Karlsruher Hauptfriedhofs, Karlsruhe 2001; Monika Bachmayer/Robert Dreikluft: Jugendstil in Karlsruhe, Karlsruhe 2002; Annette Ludwig/Hansgeorg Schmidt-Bergmann: Karlsruhe - Architektur im Blick, Karlsruhe 2005; Bernhard J. Lattner/Roland Feitenhansl: Stille Zeitzeugen. 900 Jahre Karlsruher Architektur, Karlsruhe 2007; Ferdinand Leikam: Karlsruhe so wie es war, Düsseldorf 2015.