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Friedhelm Traugott Georg Kemper


Friedhelm Traugott Georg Kemper

Zeitungskaufmann, Führer der badischen Hitlerjugend (HJ), * 24. November 1906 Pyritz/Pommern, † 4. April 1990 Mosbach, ev., 1933 gottgläubig, ∞ 1930 Mina Olga Maria Götz, 4 Kinder.

Der Führer der badischen Hitlerjugend und Sohn eines Zeitungsredakteurs Friedhelm Kemper wuchs zunächst in Mülheim a. d. Ruhr auf und besuchte dort bis 1918 die Volksschule. Nach dem Umzug der Familie nach Halle (Saale) wechselte er von der Volksschule zur Mittelschule. Am 1. April 1922 begann er eine kaufmännische Lehre bei der Saale-Zeitung, bei der er noch ein halbes Jahr nach Abschluss der Lehre blieb. 1924 wechselte er zum Weinheimer Anzeiger, von wo er 1927 noch einmal ein Jahr zurück nach Halle ging. 1928 zog er nach Mannheim und kam 1930 schließlich nach Karlsruhe.

Schon 1923 war Kemper, zuvor schon Mitglied der Wandervogelbewegung, dann des Bundes Adler und Falken, eines der ersten Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP) in Halle geworden, der er auch nach deren Verbot treu blieb. Nach der Wiedergründung der Partei 1925 trat er erneut bei und erhielt die Mitgliedsnummer 41016 oder 17. Kemper war auch Mitglied des Schlageterbundes, der zuvor für die verbotene NSDAP die Anhänger sammelte. Bereits 1926 war er als badischer Gauredner unterwegs. Nachdem er den Weinheimer Anzeiger wegen antisemitischen Verhaltens verlassen musste, wurde er eigenen Angaben zufolge in Halle Ortsgruppen- und Kreisleiter. Dieselben Funktionen hatte er dann in Mannheim 1928 bis 1930 inne. Seit 1928 fungierte er auch als Reichsredner. Er gab 1938 an, in mehr als 2.000 Veranstaltungen aufgetreten zu sein.

Der offensichtlich von Gauleiter Robert Wagner protegierte Kemper sah sich 1930 heftigen Attacken innerhalb der Mannheimer Ortsgruppe ausgesetzt, woraufhin Wagner die Ortsgruppe kurzerhand auflöste und Kemper erneut zum Ortsgruppenleiter bestimmte. Erst als die Proteste nicht nachließen, wurde Kemper im September 1930 durch den Landtagsabgeordneter Karl Lenz ersetzt und war nun in Karlsruhe als Gaupropagandaleiter, dann bei der Parteizeitung Der Führer tätig. 1931 wurde er Ortsgruppenbetriebswart Karlsruhe der von Fritz Plattner geleiteten NS-Betriebszellenorganisation, Anfang 1932 übernahm er von Felix Wankel, der zum Reichsinspekteur der Hitlerjugend nach Berlin berufen worden war, die Führung der badischen HJ, die er bis 1945 behielt. Kemper wurde parteiintern mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Partei, des Gaues Baden, der Hitlerjugend und dem Traditionszeichen des Gaues Halle-Merseburg ausgezeichnet.

Kemper war überzeugter Antisemit und Nationalsozialist, der die Demokratie entschieden ablehnte, wie schon ein von ihm verfasster Artikel "Demokratie" in der Parteizeitung Der Führer vom 10. Oktober 1928 nachdrücklich belegt: die Demokratie sei ein Geldsack, in der alle Gewalt vom Volk ausgehe, "das die meisten Börsengauner, Volksausbeuter und Volkszersetzer stelle." Gleiche Rechte sähen so aus, dass "die Fremdrassigen in Deutschland mehr zu sagen haben wie wir Deutsche." Dem stellte er den "deutschen Willen" entgegen, der "nichts mit verjudeter Demokratie ..., nichts mit parlamentarischem Kuhhandel gemein" habe. Kurze Zeit, von April 1933 bis Ende des Jahres, war Kemper Mitglied des Badischen Landtags, dem Reichstag gehörte er von 1933 bis 1945 an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, kam Kemper, der 1939 bis 1942 Ausbildungslehrgänge geleitet und Kriegseinsätze absolviert hatte, danach aber als "zur besonderen Verwendung" eingestuft wurde, in Tirol, wo er für die 19. Armee tätig war, in Kriegsgefangenschaft. Mitte des Jahres 1945 kehrte er in den Raum Wertheim, die Heimat seiner Frau zurück, die ebenfalls eine sehr aktive Nationalsozialistin und wie ihr Mann Trägerin des Goldenen Parteiabzeichens gewesen war. Kemper kam in Internierungshaft zunächst nach Kornwestheim, dann nach Ludwigsburg. Zum Spruchkammerverfahren kam es im Juli 1948. Als Hauptschuldiger angeklagt, stufte ihn die Kammer als Belasteten ein und verurteilte ihn zu drei Jahren Haft, die durch die Internierung abgegolten war. Kemper hatte sich geständig, aber nicht reumütig gezeigt und sich als überzeugter Nationalsozialist bekannt. Das Urteil rief viel Widerspruch in der Öffentlichkeit und der Presse hervor. Das Badische Volksecho kommentierte: "Noch selten hat in Karlsruhe und darüber hinaus eine Spruchkammer der Nazipropaganda gedient und Beifallskundgebungen der zahlreich versammelten Unterführer und- führerinnen des ehemaligen Gebietsführers 'tolerant' entgegengenommen." (4. August 1948). Die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) relativierten aber: „Wenn die Kammer dennoch einen Spruch fällte, der selbst von dem Betroffenen als gerecht bezeichnet wurde, dann nur deshalb, weil der anständigen, menschlichen Haltung des Betroffenen, die nicht mehr “hart wie Kruppstahl“ war, weitgehend Rechnung getragen wurde.“ (22. Juli 1948).

Kemper lebte zunächst in Wenkheim im Main-Tauber-Kreis, wo er zunächst als Landarbeiter, dann als Handelsvertreter unter anderem als Generalvertreter für Flensburger Hansen-Rum arbeitete.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

Staatsarchiv Freiburg D 180/18 Nr. 6442, https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php; Karlsruher und badische Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff jeweils am 8. April 2026).

Literatur

Tobias Wöhrle: Kemper, Friedhelm Traugott Georg, in: Fred Ludwig Sepaintner (Hrsg.): Baden-Württembergische Biographien Bd. V, Stuttgart 2013, S. 217-219, dort weitere Quellen und Literatur.