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Das Theater "Die Spur"


Das Theater "Die Spur"

Im November 1961 gründete Peter M. Wolko mit theaterbegeisterten Jugendlichen der Pfarrei St. Peter und Paul in Mühlburg eine Laienschauspielgruppe, die im Pius-Saal der Pfarrgemeinde proben konnte. Anfang Mai 1962 feierte die Amateurgruppe mit dem Jugendtheaterstück "Tarzitius in Moskau" von Hermann Boon im Bonifatiushaus in der Weststadt ihr Debüt. Bereits in der zweiten Spielzeit wurde die Theatergruppe, die sich fortan Die Spur nannte, Mitglied des Arbeitskreises Spiel- und Amateurtheater Nordbaden. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Laientheaters wurde sein Zusammenschluss mit der Theatergruppe des Jugendheims am Engländerplatz im Januar 1964. Träger des Jugendheims war nämlich der Stadtjugendausschuss (StJA), wodurch das Ensemble Die Spur nicht nur für seine Proben und Aufführungen ein festes Domizil im Anne-Frank-Haus erhielt, sondern auch zukünftig unter der Schirmherrschaft des StJA stand.

Ab Jahresende 1964 führten die Mitglieder des Ensembles unter dem Motto "Jugend spielt für das Alter" regelmäßig Theaterabende in Karlsruher Altersheimen durch. 1966 wurde die studio-reihe ins Leben gerufen, bei der Werke von zeitgenössischen Autoren wie Max Frisch, Fernando Arrabal und James Saunders aufgeführt und zur Diskussion gestellt wurden. Nach der 100. Aufführung im Februar 1968 kam es zur Kooperation mit dem damaligen Regisseur des Badischen Staatstheaters Karl Michael Balzer. Dieser unterstützte die Arbeit der Laienschauspieler durch Diskussions- und Übungsabende und gab vor allem den Anstoß, in den kommenden Jahren ein eigenes Aus- und Fortbildungsprogramm mit Theaterworkshops und -seminaren, regelmäßigen Übungsabenden für Körpertraining, Sprecherziehung etc. aufzubauen.

Nach der Fertigstellung des Jugend- und Begegnungszentrums (Jubez) im März 1982, an dessen Konzeption der StJA maßgebend beteiligt war, verlegte das Theater Die Spur seine Aktivitäten in das Gemeinschaftszentrum am Kronenplatz, das über einen Saal und ein Studio verfügte. Über 33 Jahre, bis zum Februar 2016, war das Theater als Bühne des StJA hier beheimatet. Es profitierte von den internationalen Kontakten des StJA, indem es neben den eigenen Verbindungen zu deutschen, belgischen, französischen und japanischen Bühnen auch mit den Theatern im italienischen Forli, im ungarischen Kaposvar und im russischen Krasnodar kooperierte – Städte, in denen das Jugendfreizeit- und Bildungswerk des StJA seit Jahrzehnten regelmäßige internationale Jugendbegegnungen durchführte.

2011 beging das älteste Amateurtheater der Stadt Karlsruhe sein 50-jähriges Jubiläum. Zu diesem Zeitpunkt blickte es auf 174 Inszenierungen (31 Uraufführungen) und über 2.230 Vorstellungen (etwa 400 Gastspiele im In- und Ausland) vor knapp 160.000 Zuschauern zurück. Der Spielplan umfasste Klassiker, zeitgenössisches und absurdes Theater, Kinder- und Jugendtheater, literarisch-musikalisches Kabarett, literarisch-musikalische Collagen sowie szenische Lesungen. Mit der Premiere der Collage Die Zähmung des Steppenwolfs von Peter M. Wolko am 21. Februar 2016 beendete Die Spur die Zusammenarbeit mit dem StJA.

Bis November 2017 spielte das Ensemble in seinem Stammlokal, dem Allee-Hotel in der Kaiserallee. Danach fand es mit dem D & S Bücherland in der Oststadt, dem Studio Rabus in Durlach und dem Ökumenischen Gemeindezentrum in Oberreut drei neue Spielstätten, die abwechselnd bespielt wurden. In der Regel brachte es pro Spielzeit eine Neuinszenierung und zwei Wiederaufnahmen heraus.

Die Corona-Pandemie 2020 brachte die Theaterarbeit vollständig zum Erliegen. Die Hygienemaßnahmen nach dem Lockdown waren von der Kleinbühne nicht zu leisten, Kürzungen der Zuschüsse durch das städtische Kulturamt kamen noch erschwerend dazu. Erst im Juni 2021 konnten die Proben wieder aufgenommen werden. Am 17. Oktober 2021 fand die Premiere von Wolfgang Borcharts Draußen vor der Tür statt, mit der zugleich der 60. Geburtstag des Theaters Die Spur gefeiert wurde. 2022 feierte Ulrike Wolko ihr 60. Bühnenjubiläum. Im Oktober 2025 wurden Peter M. Wolko und seine Frau Ulrike Wolko in Heidenheim mit dem Landesamateurtheaterpreis Lamathea ausgezeichnet. Am 2. November fand im Ökumenischen Gemeindezentrum Oberreut mit der Collage Klaus Mann. Unterschätzter Autor im Schatten eines Übervaters die letzte Premiere des Theaters Die Spur statt. Zum 31. Dezember wurde der Theaterbetrieb eingestellt. Das Archiv des Theaters, das Peter M. Wolko über sechs Jahrzehnte aufgebaut und gepflegt hat, hatte er bereits im April 2024 dem Stadtarchiv Karlsruhe übergeben.

Katja Förster 2026

Quelle

StadtAK 8/VA Die Spur.

Literatur

Peter M. Wolko: Zehn Jahre "Die Spur" 1961-1971. Amateurtheater im Anne-Frank-Jugendheim Karlsruhe, Karlsruhe 1971; ders.: 35 Jahre "Die Spur" 1961-1996. Theater "Die Spur" des Jugend- und Begegnungszentrums Karlsruhe am Kronenplatz – Bühne des Stadtjugendausschusses e. V., Karlsruhe 1996; ders.: 50 Jahre Theater "Die Spur" des Jubez am Kronenplatz Karlsruhe. Bühne Stadtjugendausschusses e. V., Karlsruhe 2011; ders.: Theater als Gegengewicht zum Alltag im Theater "Die Spur", Bd. II, 2010-2021, Karlsruhe 2021; ders.: Ulrike Wolko – 60 Jahre auf der "Spur"-Bühne. Eindrucksvolle Bühnenbilanz einer vielseitigen Theatermacherin, Karlsruhe 2022; ders.: Theater als Gegengewicht zum Alltag im Theater "Die Spur", Bd. III, 2021-2025, Karlsruhe 2025.