Das Jugend- und Begegnungszentrum (Jubez) mit Kulturmarkt, 17. Juni 1994, Stadtarchiv Karlsruhe 8/STJA S 37/1.

Jugend- und Begegnungszentrum (Jubez)

Erst der mit der Altstadtsanierung eintretende Wandel in der Bevölkerungsstruktur des ehemaligen Dörfle machte das Gebiet ab 1972 für die kommunalpolitische Jugend- und Freizeitplanung interessant. In den folgenden Jahren entwickelte der Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe (StJA) mit wichtigen städtischen und institutionellen Vertretern eine Gesamtkonzeption für ein Gemeinschaftszentrum, welches sowohl zentrale, stadtteilübergreifende Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche als auch stadtteilbezogene Begegnungsstätte für Erwachsene und Senioren sein sollte.

Der Architekt Gernot Kramer wurde von der Stadt mit der Planung des Jubez betraut, das von 1978/79-1981/82 auf dem spitzwinklig nach Süden zulaufenden Grundstück zwischen der Kronen- und tiefer gelegenen Fritz-Erler-Straße errichtet wurde. Kramer überbaute die gesamte Fläche bis auf einen Vorplatz im Nordwesten, der, um die Kronenstraße erweitert, zum südlichen Kronenplatz wurde. Zwischen Sommer 1981 und der offiziellen Eröffnung am 2. April 1982 wurde das Gebäude nach und nach vom StJA, der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde (Ökumenisches Zentrum), dem Gaststättenpächter und den Ladenbesitzern in Betrieb genommen.

Das Jugendfreizeit- und Bildungswerk (jfbw) des StJA bezog eines der sechs Ladengeschäfte an der Fritz-Erler-Straße, die Werkstätten, Hobby- und sonstigen Räume des Jugendzentrums verteilen sich über die oberen drei Stockwerke. Infolge der Weiterentwicklung jugendkultureller Aktivitäten seit 1972 wurden neben den klassischen Kurs- und Freizeitangeboten (Holz, Metall, Ton, Basteln, Ballett etc.) erstmals auch Workshops, Gruppenarbeit und Gemeinschaftsprojekte in den Bereichen Medienerziehung, Musik, Literatur und Kunst, Sport und Spiel und politische Bildung angeboten, die um weitere Veranstaltungsangebote für jedermann (Vorträge, Lesungen, Literaturforen, Diskussionen, Konzerte etc.) ergänzt wurden. Dieses Konzept, Kreativangebot für Jugendliche unter 27 Jahren und Veranstaltungsprogramm für Interessierte aller Altersgruppen, welches bis heute die Einrichtung kennzeichnet, funktionierte allerdings erst seit dem Umbau des als offener Treff für Unterhaltung und Kultur konzipierten Jugendcafés 1983/84. Unmittelbar danach kam es zu ersten Kooperationen mit verschiedenen kulturellen Vereinigungen wie die Wirkstatt e. V., ai Amnesty International, das Centre Culturel Français und der Jazz-Club, der noch Ende 1984 Räumlichkeiten im Jubez bezog und zweimal wöchentlich das Jugendcafé für Veranstaltungen nutzte.

Mit circa 200 Veranstaltungen und über 30.000 Besuchern jährlich gilt das Jubez, das neben dem jubez-Café mit 80 Plätzen über ein Studio mit 30, einen kleinen Saal mit 100 und einen großen Saal mit 300 Plätzen verfügt, als drittgrößter Live Club der Stadt. Größere Veranstaltungen finden im Kulturzentrum Tollhaus oder im Zirkuszelt im Otto-Dullenkopf-Park statt. Seit der Eröffnung 1982 wird der Kreativbereich auch von Schulen genutzt. Neben dem regulären Kurs- und Freizeitangebot steht er außerdem werktagnachmittags Kindern und Jugendlichen kostenlos und ohne Voranmeldung offen.

Katja Förster 2015

Literatur

Das Jugend- und Begegnungszentrum (Jubez), in: Katja Förster: Die Geschichte der Jugendarbeit in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und dem Förderkreis des Stadtjugendausschusses e. V. Karlsruhe, Karlsruhe 2011, S. 208-213 und S. 221 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 32); http://www.jubez.de (Zugriff am 29.Oktober 2015).