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Auferstehungskirche


Auferstehungskirche

Auferstehungskirche, 2013, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Behringer 1255/1 DO.
Auferstehungskirche, 2013, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Behringer 1255/1 DO.

Um 1900 reichte der Platz in der kleinen Nikolauskirche für die immer größer werdende evangelische Gemeinde von Rüppurr nicht mehr aus. Die Gemeinde hatte 1.835 Seelen, aber nur Platz für 550 Gläubige. Außerdem war die alte Kirche vom Dorf zu weit entfernt und ihre Glocken zu schwach, um das ganz Dorf zusammenzurufen. Neben dem schon im 16. Jahrhundert erwähnten Friedhof in der Lange Straße wurde daher ein neues stattliches Gotteshaus gebaut. Am 4. Oktober 1908 fand die feierliche Einweihung dieser Kirche in Gegenwart von Großherzog Friedrich II. statt. Dekan Friedrich Roth und Pfarrer Lebrecht Mayer hatten sich für den Neubau der Kirche beim Oberkirchenrat in Karlsruhe eingesetzt, um auch auf den “größtenteils religiös indifferenten und von sozialdemokratisch durchdrungenem Geist” der vorwiegend aus Arbeiterfamilien bestehenden Gemeinde Einfluss nehmen zu können.

Baurat Rudolf Burckhardt, Vorstand der evangelischen Kirchenbauinspektion, lieferte die Entwürfe für die Kirche, deren Ausführung Bauleiter Max Appenzeller überwachte. Es entstand eine Kirche auf einem gedrungenen kreuzförmigen Grundriss mit einer Turmfassade zur Straße mit im Neobarock gestalteten Portal und Fenstergewänden, die von einer welschen Haube bekrönt wurde. Das dreischiffige Langhaus trägt ein hohes Mansarddach, das der Kirche ein monumentales Aussehen verleiht. Im Inneren der Kirche wurden große Emporen eingezogen. Die beeindruckenden Bleiglasfenster wurden von der Werkstatt von Hans Drinneberg nach Entwürfen des Kunstmalers Franz Rieger gestaltet. Das Gemälde Christi Himmelfahrt an der Chorwand stammt von Bernhard Schneider, einem Schüler Hans Thomas. Die großformatigen Fenster über den Emporen behandeln die Reformation: “Luther auf dem Reichstag zu Worms” und “Luther und Melanchthon übersetzen die Bibel”. Die Glasgemälde an den Chorseiten beschäftigen sich mit dem Leben Jesu. Die Medaillonbildnisse an den Längsseiten zeigen unter anderem den Dichter Max von Schenkendorf, Fürst Bismarck, Großherzog Friedrich I., und Kaiser Wilhelm I. Sie stehen für eine deutsch-nationale Politik und die Verbindung von Thron und Altar, die der der Arbeiterbewegung nahestehenden Gemeinde eindrücklich vor Augen geführt werden sollte. Die Orgel stammte von der Durlacher Orgelfabrik Voit & Söhne, die vier Glocken von der Firma Bachert aus Karlsruhe. Sie wurden bereits im Ersten Weltkrieg für Rüstungszwecke eingeschmolzen und später durch Stahlglocken ersetzt.

Die Glasfenster an der Chorseite wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, konnten aber nach den alten Kartons originalgetreu wieder hergestellt werden. Zum 50jährigen Jubiläum 1957 wurde die Kirche außen neu verputzt und im Inneren renoviert und Altar und Kanzel neugestaltet. Damals erhielt die Kirche wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Friedhof ihren heutigen Namen. Die Orgel wurde 1962 durch den Neubau einer auswärtigen Firma ersetzt, die nicht nur bei den Gottesdiensten, sondern auch bei Konzerten nun häufig eingesetzt wird.

Zum hundertjährigen Jubiläum 2008 wurde die Kirche erneut renoviert und erhielt im Inneren einen neuen farblichen Anstrich. Das historische Gestühl, der Terrazzoplattenboden und die Türgewände wurden im Originalzustand wieder hergestellt und die Glasfenster restauriert, so dass die Kirche seit dieser Zeit in neuem Glanz erstrahlt und unter anderem häufig zum Tag des offenen Denkmals einlädt. Vor der Kirche steht zum Gedenken der Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 ein bekrönter Sandsteinobelisk. Er wurde 1896 vor der Nikolauskirche errichtet und wohl 1908 an das neue Gotteshaus versetzt. Im Inneren der Kirche befindet sich zudem eine steinerne Gedenktafel für die Gefallenen beider Weltkriege, die 1960 durch Bildhauer Edzard Hobbing gestaltet wurde. Wohl schon seit 1908 schmückte auch noch die Holzschnitzarbeit eines Kruzifixes aus dem 17. Jahrhundert den Innenraum der Kirche. Sie gehört wahrscheinlich zur Innenausstattung des Vorgängerbaus der Nikolauskirche und wurde daher vor kurzem an das mittlerweile katholische Gotteshaus zurückgegeben.

Peter Pretsch 2025

Quelle

Website zum Karlsruher Denkmaltag 2003, hier: Auferstehungskirche, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/archiv/dt2003/auferstehung.php.

Literatur

Ute Fahrbach-Dreher: Rüppurrs Kirchen und Kapellen, hrsg. von der Bürgergemeinschaft Rüppurr durch Günther Philipp, Karlsruhe 2008, S. 36-63 (= Rüppurrer Hefte Bd. 5); Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, Ubstadt-Weiher 2015, S. 168-191.