Menü
Suche

Karlsruher Schützenverein für Kleinkaliberschießen Wildpark

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)


Karlsruher Schützenverein für Kleinkaliberschießen Wildpark

Karlsruher Tagblatt vom 26. Juni 1924.
Karlsruher Tagblatt vom 26. Juni 1924.
Schießstand des Schützenvereins Karlsruhe Wildpark e.V. 1924, Badische Presse 29./30. Mai 1935.
Schießstand des Schützenvereins Karlsruhe Wildpark e.V. 1924, Badische Presse 29./30. Mai 1935.

Speziell für das zu Beginn der 1920er-Jahre verstärkt aufkommende Kleinkaliberschießen wurde der Karlsruher Schützenverein für Kleinkaliberschießen am 19. Juni 1924 in dem Restaurant Alte Brauerei Kammerer gegründet und am 22. August als Kleinkaliber-Klub Karlsruhe ins Vereinsregister eingetragen. Erster Vorsitzender wurde Generalmajor a. D. Karl Robert Praefcke, Vorsitzender des Deutschen Offiziersbundes, der Vaterländischen Arbeitsgemeinschaft, einem Sammelbecken nationalistischer und rechtsextremer Organisationen außerhalb der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), und von 1924 bis 1928 der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Zur zehnjährigen Gründungsfeier wurde darauf hingewiesen, dass der Verein im Wesentlichen unter Führung Praefckes aus der Freischar Damm, einem Ableger der rechtsextremen, vor allem in Nordbaden seit 1919 aktiven Organisation Escherich hervorgegangen sei.

Nur ein Jahr später am 7. November 1925 konnte der Verein nach etlichen vergeblichen Versuchen von der Badischen Regierung die Genehmigung dafür bekommen, einen eigenen Schießstand im Wildpark, den ehemaligen Schießstand des Großherzoglichen Prinzen, unweit des Stadions des FC Phönix einzuweihen. Praefcke lobte den Aufschwung, den das Kleinkaliberschießen in Baden genommen habe, wo es inzwischen rund 400 Vereine mit 18.000 Mitgliedern gebe. Der Vorsitzende des ebenfalls 1924 gegründeten Badischen Sportverbandes für Kleinkaliberschießen Generalmajor a. D. Camille Thierry aus Baden-Baden betonte, dass das Kleinkaliberschießen im Verein "einen willkommenen Ersatz für die verloren gegangene militärische Erziehung" biete. Zum zehnjährigen Jubiläum sah der Verein das Ziel erreicht, der deutschen Jugend "eine Stätte zur Erfüllung ihres Wehrwillens" (Badische Presse 29./30. Mai 1935) geschaffen zu haben. Zu den Mitgliedern des Vereins gehörten auch der spätere Brigadeführer der Sturmabteilung (SA) der NSDAP Karl Lucke und der spätere Karlsruher Kreissportführer und SA-Sturmbannführer (1938) Friedrich Minola.

Der neue Schießstand sorgte für eine Verdreifachung der Mitglieder innerhalb eines knappen Jahres. Nun nahm der Verein auch regelmäßig an den zu Ehren des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zu dessen Geburtstag veranstalteten Ehrenschießen und an den Wettschießen im Gau Baden teil. Seit Ende der 1920er-Jahre wurde der Verein mit dem Zusatz Wildpark in der Berichterstattung geführt. Den zweiten Gauwettkampf des Jahres 1930 am 15. Juni dominierte der Verein, dessen 1. und 2. Mannschaft die beiden ersten Plätze belegte. Den Vereinsvorsitz hatte nach dem Tod Praefckes 1928 der Glasermeister und DNVP-Stadtrat Ferdinand Lang übernommen. 1932 trat der Verein schon mit fünf Mannschaften zu den Wettkämpfen an.

Als Ferdinand Lang Mitte 1934 vom Vereinsvorsitz zurücktrat, war der Schützenverein Karlsruhe Wildpark, wie er nun hieß, mit 250 Mitgliedern einer der größten im Gau Baden. Nachfolger Langs wurde der Studienrat an der Handelsschule Dr. phil. Robert Bege.

Aktivitäten des Vereins lassen sich bis 1943 nachweisen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er allerdings nicht wieder gegründet. Generell wurden Schützenvereine erst 1949 wieder zugelassen. Zunächst wurde mit Luftdruckgewehren geschossen, das Kleinkaliberschießen war noch bis 1952 verboten. Zum ersten Mannschaftsschießen der Karlsruher Schützenvereine im Dezember 1951 trafen sich die Schützenvereinigung Knielingen, die Schützengesellschaft Durlach und Karlsruhe sowie der Schützenverein Hubertus Mühlburg. Vermutlich werden dort auch wieder ehemalige Schützen des Karlsruher Schützenvereins für Kleinkaliberschießen Wildpark aktiv geworden sein.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

Karlsruher Zeitungen 1924-1952, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 19. Januar 2026).