Hindenburg (vorne Mitte) bei einem Besuch in Karlsruhe vor dem Rathaus, rechts Oberbürgermeister Julius Finter, 12. November 1925, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXI 385.

Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und Hindenburg

Generalfeldmarschall, Reichspräsident, * 2. Oktober 1847 Posen, † 2. August 1934 Gut Neudeck/Ostpreußen, ev., ∞ 1879 Gertrud von Sperling, 3 Kinder.

Hindenburg stammte aus ostpreußischem Adel und ergriff wie der Vater die Offizierslaufbahn. 1877 als Hauptmann in den Großen Generalstab berufen machte er militärische Karriere bis zur Verabschiedung in den Ruhestand als Kommandierender General 1911. Von 1900-1905 war Hindenburg Kommandeur des XIV. Armeekorps in Karlsruhe. Hier logierte er im Haus Kaiserstraße 184.

Im Ersten Weltkrieg reaktiviert, wurde er mit Generalmajor Erich Ludendorff Befehlshaber der 8. Armee, die die weit in Ostpreußen eingedrungene russische Armee unter anderem bei Tannenberg entscheidend besiegte. Das begründete seinen legendären Ruf. Im August 1916 übernahm er mit Ludendorff die Oberste Heeresleitung, die bis kurz vor Kriegsende eine quasidiktatorische Machtfülle innehatte. Die Besiegelung der Niederlage im Friedensvertrag von Versailles im November 1918 überließen die verantwortlichen Militärführer dann aber der im Oktober installierten ersten parlamentarischen Regierung unter Prinz Max von Baden bzw. der im November nachfolgenden Revolutionsregierung.

1925 wurde Hindenburg als populäre Symbolfigur der politischen Rechten zum Reichspräsidenten gewählt und 1932 im Amt bestätigt. Am 30. Januar 1933 machte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Das vom Reichstag beschlossene und von Hindenburg unterschriebene Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 sicherte die NS-Herrschaft ohne weitere präsidiale Eingriffe.

Als Reichspräsident stattete Hindenburg im November 1925 Karlsruhe und Durlach einen Besuch ab. Der Karlsruhe Geometer und nebenberufliche Komponist Ludwig Keller komponierte 1916 ein Hindenburg-Lied. Unter den unübersehbar vielen Orden und Ehrungen für Hindenburg ist auch die Ehrenbürgerwürde von Karlsruhe (1915), die fast 4.000 Städte und Gemeinden Hindenburg ebenfalls verliehen. 1915 wurde in Durlach die Hindenburgschule eingeweiht, Hindenburgstraßen gab es in Durlach (heute Waldshuter Straße), Grötzingen (heute Rosalienberg) und Karlsruhe (heute Erzbergerstraße) und vor seiner ehemaligen Wohnadresse in Karlsruhe wurde eine Erinnerungstafel angebracht, die nicht mehr existiert.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Quelle

StadtAK 8/StS 12/74 (Hindenburg-Lied, für eine mittlere Stimme mit Klavierbegleitung, Ludwig Keller, Opus 97. Verlag Fritz Müller, Karlsruhe o. J. [1916]).

Werk

Aus meinem Leben. Leipzig 1920; Briefe, Reden, Berichte, hrsg. und eingeleitet von Fritz Endres, Ebenhausen 1934.

Literatur

Wolfram Pyta: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, München 2009.