Friedrich Ostendorf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 565.

Friedrich Ostendorf

Architekt, Hochschullehrer, * 17. Oktober 1871 Lippstadt/Kreis Soest, † 17. März 1915 Lorettohöhe bei Arras/Dép. Pas-de-Calais/Frankreich, ev., ∞ 1899 Joaquina Hilbck, 5 Kinder.

Aufgewachsen als Sohn eines Lehrers in Düsseldorf und Lippstadt studierte Friedrich Ostendorf nach dem Abitur 1890 Architektur an den Technischen Hochschulen (TH) Stuttgart sowie Hannover und nach der Ersten Vorprüfung im Hauptfach 1893 bei Carl Schäfer in Berlin-Charlottenburg. Anfang 1895 arbeitet Ostendorf kurzfristig in dessen privatem Architekturbüro unter anderem an den Plänen für die Altkatholische Kirche in Karlsruhe. Im April 1895 wechselt Ostendorf in die Großherzogliche Baudirektion in Karlsruhe zu Josef Durm und erhält seine Ernennung zum Regierungsbauführer in der Staatlichen Hochbauverwaltung. 1896-1899 arbeitete er unterbrochen durch den Militärdienst in mehreren Städten im Norden Deutschlands als Bauführer.

1899 legte Ostendorf die zweite Staatsprüfung ab und gewann mit dem Entwurf für das Fest- und Gesellschaftshaus für die Deutsche Marine in Kiel den Schinkelpreis. Das Preisgeld ermöglichte ihm 1899/1900 Reisen in Deutschland und nach Italien, um mittelalterliche Profanbauten zu studieren. Nach seiner erbetenen Entlassung aus dem Staatsdienst betreibt Ostendorf 1900-1903 in Düsseldorf ein Bureau für Architektur und Möbelkunst, um dann wieder als Mitarbeiter im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin in den Staatsdienst einzutreten. 1903 erfolgte seine Habilitation an der TH Berlin, worauf er einen Ruf an die neue TH Danzig als Professor für mittelalterliche Baukunst erhält, wo er ab 1904 lehrte. 1907 folgte er seinem Lehrer Carl Schäfer als ordentlicher Professor an der TH Karlsruhe. Ab Oktober 1908 wirkte Ostendorf zudem als bautechnischer Referent im badischen Finanzministerium und war unter anderem mit den Restaurierungsarbeiten an der Abteikirche St. Blasien befasst.

Als Architekt erhielt Ostendorf für eine Reihe nicht ausgeführter Wettbewerbsbeteiligungen Preise, so für den Neubau eines Rathauses in Dresden 1901 und 1903. Von seinen realisierten Projekten sind in Karlsruhe erhalten: die Staatsschuldenverwaltung 1910-1913 (heute Regierungspräsidium) am Schlossplatz 4-6, sein eigenes Wohnhaus in der Weberstraße 5 sowie Wohnhäuser und die Bebauung des Ostendorfplatzes in der Gartenstadt Karlsruhe-Rüppurr 1911-1925. Ostendorf war nicht nur kreativer Entwerfer, sondern auch charismatischer Hochschullehrer sowie einflussreicher Architekturtheoretiker. Mit seinen unvollendet gebliebenen "Sechs Büchern vom Bauen" forderte er, wieder an die architektonischen Ideen des Spätbarock und des Klassizismus anzuknüpfen und damit zu einfachen und klaren Formen anstelle der von ihm kritisierten "wirren Kompliziertheit" zeitgenössischer Bauten zurückzukehren.

Ostendorf hatte sich 1914 als Freiwilliger zum Kriegsdienst gemeldet und fiel 1915 bei den Kämpfen um die Lorettohöhe bei Arras in Frankreich. Bestattet wurde Ostendorf auf dem Karlsruher Hauptfriedhof, wo seine Grabstätte erhalten ist. Nach ihm wurden in Rüppurr 1915 der Ostendorfplatz und 1974 die Ostendorfstraße benannt.

Günther Philipp 2015

Quelle

GLA 456 E/8807 (Personalakte).

Werk

Die Geschichte des Dachwerks, Leipzig 1908; Sechs Bücher vom Bauen, enthaltend eine Theorie des architektonischen Entwerfens (nur drei Bände und ein Supplementband erschienen), Berlin 1913-1923; Die deutsche Baukunst im Mittelalter, Bd. 1: Aufnahme und Differenzierung der Bautypen. Aus seinem Nachlass herausgegeben von seinen Schülern, Berlin 1920.

Literatur

Julia Hauch: Friedrich Ostendorf (1871–1915). Architektonisches Werk, architekturgeschichtliche und theoretische Schriften, Diss. Mainz 1995; Werner Oechslin: Ostendorf, Friedrich, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 19, Berlin 1999, S. 614 f.; Gerhard Kabierske: Ein gebautes Manifest: das Ostendorf-Haus in der Weberstraße, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2008-2013, Karlsruhe 2013, S. 274 f, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick83/blickpunkt83.de (Zugriff am 11. Februar 2016); Joachim Kleinmanns (Hrsg.): Friedrich Ostendorf. Bauten und Schriften, Salzburg, Wien 2010; Hansmartin Schwarzmeier: Zum Gedenken an Friedrich Ostendorf, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge Nr. 107 vom 19. Juni 2015, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick107/ostendorf (Zugriff am 11. Februar 2016).