Großherzogliches Hoftheater am Schlossplatz, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 373.
Blick auf das Badische Staatstheater, 1978, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA V V 213.

Badisches Staatstheater

Das Badische Staatstheater umfasst als Mehrspartentheater Oper, Ballett und Schauspiel sowie das 2011 gegründete Junge Staatstheater, das sich speziell an Kinder und Jugendliche richtet.

Die Geschichte des Badischen Staatstheaters ist älter als die Fächerstadt selbst. Sie begann mit der Aufführung des Balletts Glück und Tugend im August 1666 im Theatersaal der Karlsburg in der früheren Markgrafenstadt Durlach. Durch den Bau des neuen Schlosses in der 1715 gegründeten Residenzstadt Karlsruhe änderte sich auch die Spielstätte des Hoftheaters, das am 13. Januar 1719 mit dem Singspiel Celindo oder die hochgepriesene Gärtnertreue im Ostflügel des Karlsruher Schlosses neu eröffnet wurde. Während des 23 Jahre dauernden Schlossumbaus von 1752–1775 fanden die Vorstellungen in den Gebäuden der Orangerie statt. 1787 erhielt Karlsruhe mit dem Comedienhauß am Linkenheimer Tor das erste öffentliche Hoftheater (bis 1798), in dem eine vom badischen Hof unterstützte Wandertruppe Theateraufführungen für die breite Bevölkerung darbot.

Im Zuge der Erhebung Badens zum Großherzogtum entstand bei Großherzog Karl Friedrich der Wunsch nach einem der neuen Größe seines Landes angemessenen, eigenständigen Theatergebäude. Den Auftrag bekam Friedrich Weinbrenner, nach dessen Plänen es von 1806–1808 im westlichen Schlossbezirk gebaut wurde. Die neue repräsentative Spielstätte, für die sogar die mittlere Orangerie abgerissen wurde, bot zwischen 1.800 und 2.000 Besuchern Platz. Am 9. November 1810 wurde das Theater mit der Uraufführung der Oper Achilles von Fernando Paër eröffnet.

Am 28. Februar 1847 entstand während einer Aufführung ein Brand, ausgelöst durch unsachgemäßen Umgang mit einer offenen Gaslampe, bei dem 65 vornehmlich junge Menschen ums Leben kamen und das Gebäude vollständig zerstört wurde. Als Interimstheater diente das alte Komödienhaus, ehe an gleicher Stelle von 1851–1853 der von Heinrich Hübsch entworfene Neubau entstand. In den folgenden Jahrzehnten erlebte das Hoftheater unter dem Intendanten Eduard Devrient, dem Hofmusikdirektor Wilhelm Kalliwoda, dem Hofkapellmeister Hermann Levi und dem Generalmusikdirektor Felix Mottl seine Blütezeit und wurde wegen seiner gefeierten Wagner-Inszenierungen auch Klein-Bayreuth genannt.

Nach dem Ende der Monarchie erfolgte im November 1918 die Umbenennung des Großherzoglichen Hoftheaters in Badisches Landestheater. Die Nationalsozialisten benannten es im April 1933 in Badisches Staatstheater um. Am 9. Juli 1944 fand kriegsbedingt die letzte Vorstellung statt, bevor das Theater am 1. September geschlossen wurde. Bei einem Bombenangriff am 27. September 1944 brannte das Gebäude vollständig aus. Als provisorische Spielstätten dienten nach Kriegsende das Konzerthaus (Großes Haus) und die Stadthalle (Kleines Haus). Die Theaterruine blieb indes bis 1963 stehen, ehe sie für den Neubau des Bundesverfassungsgerichts abgerissen wurde. Von 1970–1975 entstand nach Plänen des Architekten Helmut Bätzner der Neubau am Ettlinger Tor. Im Januar 2014 beschloss der Karlsruher Gemeinderat die Generalsanierung und Erweiterung des Badisches Staatstheaters mit einem Kostenvolumen von 125 Millionen Euro.

René Gilbert 2014

Quellen

StadtAK 8/ZGS 50; GLA Bestände 47, 57, 424f Zug. 1991/21.

Literatur

Günther Haass: Geschichte des ehemaligen Grossherzoglich-Badischen Hoftheaters Karlsruhe von seiner Gründung bis zur Berufung seines Reformators Eduard Devrient 1806–1852, Karlsruhe 1934; Hans-Georg Rudolph (Hrsg.): Badisches Staatstheater Karlsruhe. Festschrift zur Neueröffnung des Neuen Hauses am Ettlinger Tor 1975, Karlsruhe 1975; Badisches Staatstheater/Generallandesarchiv Karlsruhe (Hrsg.): Karlsruher Theatergeschichte. Vom Hoftheater zum Staatstheater, Karlsruhe 1982.