Pfinzgaumuseum Durlach U II 338.

Karl Weysser

Zeichner, Maler, * 7. September 1833 Durlach, † 28. März 1904 Heidelberg, ev., ? 1885 Auguste Luise Sickinger.

Karl Weysser war das jüngste von zehn Kindern des Kaufmanns und damaligen Durlacher Bürgermeisters Friedrich Wilhelm Weysser. Er besuchte 1841-1848 die Höhere Bürgerschule in Durlach (Pädagogium) und studierte anschließend Mathematik und Maschinenbau bei Ferdinand Redtenbacher am Karlsruher Polytechnikum und ab Sommer 1853 in Berlin ohne abschließende Prüfung.

Von Johann Carl Heinrich Koopmann, Professor für Figurenzeichnen am Polytechnikum, 1852/53 auf sein zeichnerisches Talent aufmerksam gemacht, entschloss sich Weysser 1855 zum Studium an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe. Hier war er zunächst Schüler von Ludwig des Coudres und seit 1861, als er sich für das Landschaftsfach entschieden hatte, von Johann Jakob Vollweider, Johann Wilhelm Schirmer, Carl Friedrich Lessing und Hans Gude. Auf Reisen und zwei längeren Aufenthalten in München hatte er sich bereits ab 1857 auf Architekturmotive im landschaftlichen Kontext konzentriert. Seit 1865 arbeitete Weysser als freischaffender Künstler häufig auf Reisen unterwegs in Baden, Württemberg, Hessen, der Pfalz, im Elsass, der Schweiz und in Südtirol sowie mit zahlreichen Wohnortwechseln zwischen Karlsruhe, Durlach, Baden-Baden, Heidelberg und Düsseldorf.

Hatten unter dem direkten Einfluss der Akademie bis 1865 noch bevorzugt historisch bedeutende Bauten im Zentrum von Weyssers Kompositionen gestanden, widmete er sich danach hauptsächlich unbedeutenden kleinstädtischen und dörflichen Architekturmotiven. Weniger die Gesamtansicht eines Dorfes interessierte den Künstler als vielmehr die unsensationelle innerdörfische Szenerie mit den engen Gassen, reizvollen Fachwerkhäusern, Tortürmen, Marktplätzen, alten Dorfbrunnen, Hinterhöfen und sonstigen abgelegenen Stellen. Sein Geburtsort Durlach bildete wiederholt Gegenstand von Zeichnungen und Ölbildern. Das Pfinzgaumuseum in Durlach besitzt rund ein Dutzend Bilder der circa 900 bekannten Gemälde und Ölstudien (darunter Zehntscheuer in Durlach, 1875; Durlach, Blick durch die Breite Gaß auf den Turmberg, ohne Jahr). Daneben veröffentlichte er, teilweise unter Pseudonym, drei satirische Schriften.

Den Wert von Weyssers detailgetreuen Architekturzeichnungen als bauhistorische Dokumente hatte die Denkmalpflege früh erkannt. Heute bewahrt das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Dienstsitz Karlsruhe, Außenstelle Karlsruhe eine große Sammlung seiner etwa 3.225 bekannten Zeichnungen. Seit 1938 erinnert die Karl-Weysser-Straße in Durlach an den Künstler.

Katja Förster 2015

Quellen

StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten; GLA Bestand 498-2 (Denkmalpflege - Sammlung Karl Weysser).

Werk

K. W. Heisster (Pseudonym): An die Mitglieder des Kunstvereins in Hutzelwaldberg, Heidelberg 1883; Durch Dick und Dünn - Ästhetische und andere Betrachtungen, Baden-Baden 1887; Der Darwinismus und die moderne Malerei im Spiegel einer möglichst richtigen Weltanschauung, Heidelberg 1898.

Literatur

Benno Lehmann: Karl Weysser (1833-1904). Badischer Architektur- und Landschaftsmaler, Monographie und Werkverzeichnis, Heidelberg 1996; Helga Walter-Dressler: Der Durlacher Maler und Zeichner Karl Weysser, in: Das Pfinzgaumuseum in Karlsruhe-Durlach. Akzente seiner Neugestaltung, Karlsruhe 1976, S. 19-29 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 3); Karl Weysser. 1833-1904. 12 Farbreproduktionen. Mit einer Einführung von Helga Dressler, Karlsruhe 1979.