Brauereigesellschaft vormals S. Moninger, Kriegsstraße, vor 1914, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 410.

Brauerei Moninger (heute Hatz-Moninger Brauhaus GmbH)

Im Dezember 1856 übernahm der aus Württemberg stammende Stefan Moninger die Brauerei des verstorbenen Ludwig Kaufmann in der Waldhornstraße 23, in der er seit 1854 als Braumeister arbeitete. Nach Kaufmanns Tod im Juni des Jahres hatte er das badische Staatsbürgerrecht und das Meisterrecht erworben sowie die Witwe Marie Kaufmann geheiratet. Da die Waldhornstraße der florierenden Brauerei Stefan Moninger nur wenig Raum bot, erwarb Moninger 1866 die zum Verkauf stehende Brauerei seines Schwagers Josef Hack in der Langen Straße (heute Kaiserstraße) 142, zu der vier Morgen Ackerland einschließlich eines Bierkellers im Sommerstrich gehörten. Als Moninger 1875 verstarb, übertrug seine Frau zunächst ihrem ältesten Sohn aus erster Ehe, Ludwig Kaufmann junior, die Leitung der Brauerei. 1881 übernahmen dann die beiden älteren Söhne aus zweiter Ehe, Karl Moninger (Kaufmann) und Stefan Moninger (Bierbrauer), das Unternehmen käuflich von ihrer Mutter und bildeten mit ihr eine Offene Handelsgesellschaft (OHG). 1887 trat der jüngste Sohn Theodor Moninger als dritter Teilhaber in das Unternehmen ein, das sich in den 1880er-Jahren zu einem bedeutenden Industrieunternehmen entwickelte.

Von 1886-1888 entstand in der Kriegsstraße 128-130 (heute Kriegsstraße 210-216), dem Gelände im ehemaligen Sommerstrich, nach Plänen von Hermann Walder eine moderne Brauereianlage, die bis 1900 kontinuierlich ausgebaut wurde. Am 12. Juni 1889 wurde der Familienbetrieb in die Aktiengesellschaft Brauereigesellschaft vormals S. Moninger umgewandelt. Mit einem Bierausstoß von über 100.000 Hektolitern im Geschäftsjahr 1897/98 stieg das Unternehmen zur größten Karlsruher Brauerei auf. 1898 erwarben die Brüder von der Stadt ein 12.800 Quadratmeter großes Gelände am Westbahnhof als Lager- und Umschlagplatz für den wachsenden Güterverkehr auf Schienen. 1901 eröffneten sie in der Kaiserstraße 144, direkt neben der ehemaligen Braustätte, den ebenfalls von Walder entworfenen Hauptausschank Zum Moninger. Von 1906-1908 wurde auf dem Brauereigelände in der Kriegsstraße eine moderne Flaschenabfüllerei sowie auf dem angrenzenden Grundstück Ecke Kriegs- und Grenzstraße (heute Moningerstraße) eine Brunnenanlage errichtet.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte zu einem Produktionstiefstand. 1920 übernahm die Brauerei die Brauerei Karl Kammerer in der Kriegsstraße 113 und die Brauerei Eglau Aktiengesellschaft (AG) in Durlach sowie 1922 die Unions-Brauerei Aktiengesellschaft AG in der Sophienstraße 101. 1923 erweiterte sie die Produktion um die Herstellung von Limonade und Mineralwasser. Nach einem Auf und Ab in den 1920er- und 1930er-Jahren führte der Zweite Weltkrieg wiederum zu einem Produktionseinbruch des ab 1938 nur noch mit Brauerei Moninger AG firmierenden Unternehmens. Die beiden Häuser in der Kaiserstraße wurden bei Luftangriffen getroffen, die Brauereianlage in der Kriegsstraße blieb verschont.

Ab 1948 begannen sich die Produktionsverhältnisse zu normalisieren. 1951-1956 erfolgte der Wiederaufbau des Hauptausschanks Zum Moninger. 1956/57 wurde in der Kriegsstraße eine moderne Flaschenreinigungs- und Abfüllanlage errichtet, die den Ausstoß einer Viertelmillion Flaschen in nur einer Arbeitsschicht ermöglichte. 1965 erreichte die Jahresproduktion mit 300.000 Hektolitern Bier einen neuen Höchststand. 1967 übernahm die Henninger Bräu AG in Frankfurt (Reemtsma-Gruppe) zunächst 25 %, 1971 dann mehr als 50 % der Brauerei. Die Brauerei selbst übernahm 1969 die Brauerei Denner in Bruchsal, 1970 die Brauerei Huttenkreuz in Ettlingen sowie 1972 die Aktienmehrheit der Sinner AG in Grünwinkel mit einem Betriebsgelände von 140.000 Quadratmetern. Nach der Erweiterung der Grünwinkler Brauereianlage verlegte die Brauerei Moninger 1980 die Produktion von der Kriegsstraße in die Durmersheimer Straße 59. Die ehemalige Produktionsstätte in der Kriegsstraße 210-216 wurde bis auf das burgähnliche Sudhaus und das Verwaltungsgebäude abgerissen und durch Wohnblöcke ersetzt.

1990 übernahm die Stuttgarter Hofbräu AG 80 % der Brauerei Moninger. Die Hofbräu AG, ausgenommen der Stuttgarter Brauerei, wurde 2002 zur STINAG Stuttgarter Invest AG, die bis heute 80 % der Moninger Holding AG und 75 % der Sinner AG hält. 2009 gliederte die Moninger Holding AG (vormals Brauerei Moninger AG) den Brauereibetrieb in die Tochtergesellschaft Brauerei Moninger GmbH aus, um flexibel auf Marktveränderungen reagieren zu können. 2010/11 kaufte die Brauerei GmbH das Hofbrauhaus Hatz AG in Rastatt, die seitdem als Hatz-Moninger Brauhaus GmbH firmiert.

Katja Förster 2014

Literatur

1856-1956. Ein Jahrhundert Moninger Bier. [Texte von Rolf Gustav Haebler, Wolfgang Altendorf und Cornel Dax, Aquarelle von Hermann Kupferschmid], Karlsruhe 1957; Barbara Guttmann: Hopfen & Malz. Die Geschichte des Brauwesens in Karlsruhe. Mit Beiträgen von Thomas Meyer und Erik Neumann, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Stadtarchiv, Karlsruhe 1998 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 19); https://www.hatz-moninger.de/brauerei (Zugriff am 5. Februar 2014).