Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 900.

Wilhelm Florentin Lauter

Wiesenbaumeister, Oberbürgermeister, * 11. Februar 1821 Lörrach, † 10. April 1892 Karlsruhe, ∞ 1. Wilhelmine Erhardt, 2 Kinder, 2. 1890 Anna Wilser.

Der Sohn eines Pfarrers besuchte bis 1835 das Pädagogium in Lörrach; nach dem Tod des Vaters Übersiedlung nach Karlsruhe; 1839 Reifeprüfung am Lyzeum; 1839-1843 Studium der Kameralwissenschaften in Heidelberg und 1844 Anschlussstudium an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim. 1845 wurde Lauter Wiesenbautechniker bei der Hofdomänenkammer und 1848 großherzoglicher Wiesenbaumeister. Nach Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1857 Leiter der Aktiengesellschaft für Tabakproduktion und -handel und Vertreter der Berliner Diskonto-Gesellschaft.

Am 30. Juni 1870 wurde Lauter zum Oberbürgermeister in Karlsruhe gewählt und 1875 sowie 1884 im Amt bestätigt, das er bis zu seinem Tod innehatte. In seiner Amtszeit wurden wesentliche Grundlagen für den Aufbruch der Stadt Karlsruhe in das Industriezeitalter sowie für den Wandel zur modernen Großstadt gelegt, unter anderem: Planung und Ausbau der Kanalisation mit dem Landgraben als Rückgrat (1879-1886); Hochdruckbehälter zur besseren Wasserversorgung im künstlich geschaffenen Lauterberg (1893); Förderung des Nahverkehrs durch die Pferdebahn in Karlsruhe (1877), die Kraichgaubahn nach Bretten (1876) und die Lokalbahn Durmersheim–Spöck (1891); Übernahme des Tiergartens durch die Stadt und dessen Vereinigung mit den Außenanlagen der Festhalle zum Stadtgarten (1877); Bau des Vierordtbades (1873) sowie Erweiterung und Modernisierung des Rheinbades bei Maxau (1880); Übernahme des Krankenhauses in städtische Regie (1870/1884); Bau des neuen Hauptfriedhofs (1874); Neuorganisation des Volksschulwesens (1877) und Bau neuer Schulhäuser; Einrichtung des Stadtarchivs (1885); Eingemeindung Mühlburgs (1886); Bau des Gaswerks II (1886) und des neuen Schlachthofs (1887); Übernahme der Straßenreinigung und Müllabfuhr durch die Stadt (1889).
Neben seinem Amt als Oberbürgermeister war Lauter von 1873 bis 1874 Mitglied der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung.

Nach Lauter benannt ist seit 1897 die Lauterbergstraße und der Lauterberg im Stadtgarten, an dessen Fuß das von Hermann Volz geschaffene Wilhelm-Lauter-Denkmal (1895) steht.

Marco Wagner 2012

Quellen

StadtAK 1/POA 1425 a und b, 1442.

Werk

Der Schienen- und Wasserweg. Der Rheinverkehr, seine Erweiterung bis Karlsruhe und durch einen Rheinthalkanal an den Bodensee, Karlsruhe 1856; Die Kraichgaubahn von Grötzingen über Bretten nach Eppingen (Karlsruhe-Heilbronn), Karlsruhe 1879.

Literatur

Boeckh, Max: Wilhelm Lauter, in: Badische Biographien Bd. 5, hrsg. von Friedrich von Weech und Albert Krieger, Heidelberg 1906, S. 514-518; Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für das Jahr 1892, 8. Jg., Karlsruhe (1893), S. 15-19, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik.de (Zugriff am 29. Juni 2016); Susanne Asche: Residenzstadt – Bürgerstadt – Großstadt. Auf dem Weg von der Residenz zum Industrie- und Verwaltungszentrum 1806-1914, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 191-353, S. 298-353.