Wilhelm Kalliwoda um 1890, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1228.

Wilhelm Kalliwoda

Musiker, Pianist, Kapellmeister, * 19. Juli 1827 Donaueschingen, † 8. September 1893 Karlsruhe.

Der Sohn des Donaueschinger Hofkapellmeisters Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866) und der tschechischen Sängerin Therese Brunetti (1803-1892) begann sein Musikstudium mit 16 Jahren am Leipziger Konservatorium. Als Schüler von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Ignaz Moscheles beendete er seine Ausbildung mit Auszeichnung. Im Zuge der Revolution von 1848 floh die Familie nach Aarau in der Schweiz, wo Kalliwoda eine Tätigkeit als Musiklehrer aufnahm.

1851 kam Kalliwoda als Leiter des Chores von St. Stephan nach Karlsruhe. Unter seiner Ägide, die bis 1875 andauerte, entwickelten sich kirchenmusikalische Konzerte zu einer festen Einrichtung. 1853 wurde er zum Musikdirektor am Hoftheater und 1864 in Nachfolge von Josef Strauß zum Ersten Hofkapellmeister berufen. Daneben erteilte er weiterhin Musikunterricht, unter anderem für Großherzogin Luise sowie die Prinzessinnen Viktoria und Marie. Mit Hermann Levi, Otto Dessoff und Felix Mottl begründete Kalliwoda 1861 den Philharmonischen Verein. 1866 erkrankte er an einem Nervenleiden, das ihn bis zu seinem Tod beeinträchtigte und ihn zur vorzeitigen Amtsniederlegung im Jahr 1875 veranlasste. Zum Abschied erhielt er eine Kaminuhr mit der Statuette Beethovens, die heute im Karlsruher Stadtmuseum präsentiert wird. Kalliwoda widmete sich nun ganz dem Philharmonischen Verein, mit dem er mehrere viel beachtete Oratorienaufführungen organisierte. Daneben war er als Klavierlehrer tätig. Kalliwoda war zeitlebens ein erfolgreicher Solopianist sowie ein gefragter Kammermusiker und Liedbegleiter. Er komponierte eine größere Messe, zahlreiche Lieder sowie Orchester- und Klavierstücke.

Meinrad Welker 2012

Werk

Verzeichnis im Kalliwoda-Archiv der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe.

Literatur

Thomas Cathiau: Wilhelm Kalliwoda, in: Badische Biographien, Bd. 5, hrsg. von Friedrich von Weech und Albert Krieger, Heidelberg 1906, S. 363; Heinrich Ordenstein: Musikgeschichte der Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 1915; Musik in Geschichte und Gegenwart Bd. 9, S. 1410.