Waldemar Leitgeb, 14. September 1971, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A22/67/1/26.

Waldemar Johannes Baptist Leitgeb

Schauspieler, Regisseur, * 14. September 1901 Konstantinopel/heute Istanbul, † 21. Juli 1974 Karlsruhe, ∞ 1936 Marie Mareczek, kinderlos.

Waldemar Leitgebs Vater war Vizedirektor der Anatolischen Bahnen des Osmanischen Reichs in Istanbul. Nach privatem Schauspielunterricht in der Schweiz gab Leitgeb wenige Wochen vor Ende des Ersten Weltkriegs am Stadttheater Luzern sein Schauspielerdebüt. 1919 spielte er in Solothurn, von 1920-1925 am Stadttheater Bern. Sein erstes Engagement in Deutschland erhielt Leitgeb 1925 am Badischen Landestheater durch den damaligen Oberspielleiter Felix Baumbach. Weitere Stationen führten ihn 1928 nach Hamburg und 1929 an das Deutsche Theater in Prag. Von 1932 bis zu seiner Schließung im August 1944 gehörte er dem Ensemble des Württembergischen Staatstheaters Stuttgart an.

Während dieser Zeit spielte Leitgeb, seit 1933 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), in mehreren deutschen Filmen mit, in denen er meist als Nebendarsteller auftrat. Seine bekanntesten Rollen waren die des Fürsten Grigorij Orlow in Münchhausen (1943) sowie des englischen Feldmarschalls Arthur Duke of Wellington in dem Propaganda- und heute als Vorbehaltsfilm geltenden Streifen Die Rothschilds (1940). Gastspiele gab er an den Staatstheatern in München, Dresden und Berlin, bei den Heilbronner Festspielen und am Theater in der Josefstadt in Wien. Von Februar bis Mai 1945 wurde Leitgeb noch zur Wehrmacht eingezogen.

Nach Kriegsende spielte Leitgeb, der 1949 von der Spruchkammer als Mitläufer eingestuft wurde, an der Tübinger Bühne bei Paul Rose. 1949 kam er als Ensemblemitglied an das Badische Staatstheater. Daneben gab Leitgeb sieben Jahre den Jedermann bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall und arbeitete 20 Jahre als Sprecherzieher an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Ab 1952 betätigte er sich auch als Theaterregisseur und inszenierte Komödien wie beispielsweise Wolken sind überall, Der tolle Tag, Das kleine Teehaus, Charleys Tante und Goethe-Dramen wie Iphigenie auf Tauris oder Torquato Tasso.

Nachdem der damalige Intendant Paul Rose 1962 in den Ruhestand getreten war, wurde Leitgeb für die Spielzeit 1962/63 von Kultusminister Gerhard Storz als beauftragter Generalintendant des Badischen Staatstheaters eingesetzt, bis Hans-Georg Rudolph im Herbst 1963 die Nachfolge antrat. Zu seinem 70. Geburtstag wurde Leitgeb zum Ehrenmitglied des Badischen Staatstheaters ernannt.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 465h/28580; StadtAK 7/Nl Zollner 589.

Literatur

Lola Ervig: Grandseigneur verließ die Lebensbühne. Zum Tode von Waldemar Leitgeb, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 23. Juli 1974, StadtAK 8/Ze 15; Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen Jahrbuch 1975, Hamburg 1975, S. 84; Wilhelm Kappler: Aufwärtsentwicklung bis zur Eröffnung des Neuen Hauses, in: Karlsruher Theatergeschichte. Vom Hoftheater zum Staatstheater, hrsg. vom Badischen Staatstheater Karlsruhe und Generallandesarchiv Karlsruhe, Karlsruhe 1982, S. 140-152, hier S. 144; Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Bd. 4, Berlin 2001, S. 674 f.