Otto Fikentscher, Foto aus: Hans Knab/Volker Hooß: Die Grötzinger Malerkolonie und ihre Nachfolger, hrsg. v. der Ortsverwaltung Karlsruhe-Grötzingen, 1991, S. 12.

Otto Fikentscher

Maler, Grafiker, * 6. Juli 1862 Zwickau, † 26. Februar 1945 Baden-Baden, ev., ∞ 1891 Jenny Nottebohm, 2 Söhne, 3 Töchter.

Nach einer Bildhauerlehre studierte der Sohn eines Fabrikanten 1880-1882 an der Dresdner Kunstgewerbeschule und 1883-1888 an der Münchner Kunstakademie Bildhauerei. 1888 wechselte Fikentscher an die Badische Kunstschule in Karlsruhe und wurde bis 1891 Meisterschüler des Tier- und Landschaftsmalers Hermann Baisch. Bereits früh galt Fikentscher als Tiermaler, da der Hauptakzent seiner naturalistisch geprägten Malerei stets auf dem Tier lag und die Landschaft als Lebensraum der Kreatur nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Fikentscher gehörte jener Gruppe von Karlsruher Künstlern an, die gegen Ende der 1880er-Jahre die landschaftliche Umgebung von Grötzingen als Inspirationsquelle für ihre Malerei entdeckte. 1891, im Jahr seiner Heirat mit der Halbschwester von Gustav Kampmann, kaufte er die Augustenburg in Grötzingen, deren Südflügel seit 1888 Jenny mit ihrer Mutter bewohnte. Das ehemals markgräflich badische Schloss wurde in den folgenden Jahren zum Mittelpunkt der Grötzinger Malerkolonie. 1896 gründete Fikentscher mit 23 Grötzinger und Karlsruher Künstlern, welche kurz zuvor aus der Karlsruher Künstlervereinigung ausgetreten waren, den Karlsruher Künstlerbund, der mittels preiswerter Steindrucke (Lithografien) einer breiten Bevölkerungsschicht Kunst zugänglich machen wollte. 1902 ließ sich Fikentscher anstelle des Kernschen Hauses am unteren Torbogen der Augustenburg an der Kirchgasse ein zweigeschossiges Wohn- und Atelierhaus errichten. Der Großteil seines Œuvres befindet sich noch heute in Privatbesitz. Die Staatliche Kunsthalle und die Städtische Galerie besitzen Werke von ihm.

Neben dem Künstlerberuf engagierte sich Fikentscher auch kommunalpolitisch in der Freien Bürgervereinigung und im Bürgerausschuss von Grötzingen, in den frühen 1920er Jahren ist eine Zugehörigkeit zur NSDAP nachweisbar. Zur Erinnerung an den Künstler wurde 1959 die Fikentscherstraße in Grötzingen nach ihm benannt, außerdem gibt es bei Grötzingen den Otto-Fikentscher-Weg.

Katja Förster 2014

Literatur

Wilhelm Riegger: Fikentscher, Otto, Maler., in: Badische Biographien, NF, Bd. I, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1982, S. 116 f.; Ute Grau: Schloss Augustenburg, Karlsruhe 2000, S. 31-35 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 1); Brigitte Baumstark: Grötzingen – das „Badische Malerdorf“, in: Susanne Asche: Eintausend Jahre Grötzingen. Die Geschichte eines Dorfes. Mit Beiträgen von Brigitte Baumstark und Angelika Sauer, Karlsruhe 1991, S. 314-335 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 13).