Helene Marie Stromeyer

Malerin, * 26. August 1834 Hannover, † 13. März 1924 Karlsruhe, ev., ledig.

Als Tochter des Königlich Hannoverschen Hofchirurgs Louis Stromeyer erhielt Helene Marie Stromeyer, die bereits durch ihr Elternhaus in Kontakt mit bildenden Künstlern gekommen war, privaten Malunterricht bei Rudolf Jordan in Düsseldorf und wurde Mitglied der Düsseldorfer Malerschule. Eine ansehnliche Erbschaft sorgte für ihre dauerhafte finanzielle Unabhängigkeit und das Privileg, sich bis zu ihrem Lebensende ausschließlich der Malerei widmen zu können. Stromeyers frühe Werke haben bevorzugt Blumenstillleben und idyllische Landschaftsansichten zum Thema. Um 1880 ging sie an die Großherzoglich Badische Kunstschule in Karlsruhe, wo Hans Gude und Gustav Schönleber ihre Lehrer waren. Letzterer richtete ihr gar einen Atelierraum in seiner Villa ein. Diese Schaffensperiode war geprägt von Bildern mit süddeutschen Naturlandschaften und des Bodensees, wobei Stromeyer sich maltechnisch an ihren Lehrern, die eine deutsche Sonderform des Impressionismus vertraten, orientierte. Von 1892-1900 unterrichtete Stromeyer an der Karlsruher Malerinnenschule in der Blumenklasse und der Stilllebenklasse. 1897 wurde sie Mitglied des Karlsruher Künstlerbunds.

Durch familiäre Beziehungen erhielt Stromeyer Zugang zum deutschen Kaiserhaus, das ihr auch die Bekanntschaft mit dem badischen Großherzog Friedrich I., dem Schwiegersohn Kaiser Wilhelms I., ermöglichte. So war sie 1902 an einer Ausstellung anlässlich dessen 50-jährigen Regentschaftsjubiläums sowie 1906 an der Jubiläumsausstellung für Kunst und Kunstgewerbe in Karlsruhe beteiligt. Friedrich I. und besonders dessen Frau Luise von Preußen gaben bei Stromeyer in der Folge Portraitarbeiten in Auftrag und kauften mehrere ihrer Bilder. Die vermehrte Abbildung ihrer Werke in Illustrierten führte zu ihrem hohen Bekanntheitsgrad im frühen 20. Jahrhundert. So konnte sie ihre Arbeiten in wichtigen Ausstellungen, allen voran regelmäßig in der Deutschen Kunstausstellung in der Kunsthalle Baden-Baden (ab 1909) zeigen. Gegen Ende ihres Lebens zählte Stromeyer zu den bedeutendsten Stilllebenmalerinnen ihrer Zeit.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 56/1530.

Werk

Huflattich, Öl auf Leinwand 1858 (Städtische Galerie Karlsruhe); Rivierarosen, Öl auf Leinwand 1899; Fruchtstillleben, Öl auf Pappe 1901 (beide Staatliche Kunsthalle Karlsruhe).

Literatur

Hermann Alexander Müller: Stromeyer, Helene Marie, in: Biographisches Künstler-Lexikon der Gegenwart, Leipzig 1882, S. 510; Gerlinde Brandenburger-Eisele: Malerinnen in Karlsruhe 1715–1918, in: Karlsruher Frauen 1715-1945. Eine Stadtgeschichte, Karlsruhe 1992, S. 260 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 15) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/frauengeschichte/frauen1715.de (Zugriff am 23. Dezember 2020); Sylvia Bieber (Hrsg.): Frauen im Aufbruch? Künstlerinnen im deutschen Südwesten 1800-1945. Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais Karlsruhe, 25. März 1995 bis 28. Mai 1995, S. 431 f.; Clemens Ottnad: Stromeyer, Helene Marie, in: Badische Biographien NF Bd. VI, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2011, S. 392-394.