Berthold Riedinger um 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 621.

Berthold Riedinger

Bankkaufmann, Stadtrat, Bürgermeister, * 20. Februar 1893 Karlsruhe, † 25. November 1964 Karlsruhe, Atheist (urspr. kath.), ∞ 1929 Helene Huthmacher, kinderlos.

Der Sohn eines Heizers aus der Karlsruher Südstadt ging nach der mittleren Reife 1910-1912 auf die Handelsschule und absolvierte dann eine dreijährige Ausbildung bei der Bank Alfred Seeligmann & Cie. Danach arbeitete Berthold Riedinger als Bankangestellter in Berlin und Frankfurt. Am Ersten Weltkrieg nahm er von 1914-1918 als Soldat an der Westfront teil, wurde zweimal verwundet und erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Verwundetenabzeichen.

Nach seiner Rückkehr vom Kriegsdienst schloss er sich 1919 der Karlsruher Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an, vertrat diese 1919-1921 und 1926-1933 als Stadtverordneter. Während der Inflation verlor Riedinger 1923 seine Arbeit als Bankangestellter. Ende 1925 erhielt er eine Anstellung als Schaffner bei der Städtischen Straßenbahn und wurde 1928 Beamter. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er 1933 als Oberwagenführer entlassen und blieb bis 1938 erwerbslos.

Berthold Riedinger betätigte sich aktiv im Widerstand der KPD gegen die NS-Diktatur. Er kam deswegen Ende September 1933 für sechs Wochen im KZ Kislau in Schutzhaft und musste sich danach dreimal pro Woche bei der Polizei melden. 1936 wurde er wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er 1939-1945 als Angestellter der Heeresstandortkasse. Im Zuge der „Aktion Gitter“, einer Verhaftungswelle nach dem Attentat gegen Hitler vom 20. Juli 1944, kam Riedinger am 22. August 1944 für drei Wochen in das KZ Dachau. Die Haftzeiten führten zu schweren gesundheitlichen Schäden.

Am 3. August 1945 ernannte die US-Militärregierung als neue Leiter der Stadtverwaltung Oberbürgermeister Hermann Veit sowie die Bürgermeister Fridolin Heurich und Berthold Riedinger Sie wurden vom neu gewählten Gemeinderat am 21. Juni 1946 im Amt bestätigt. Zuständig war Riedinger für Soziales, wozu auch die Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge und Vertriebenen gehörte. Bei der Neuwahl der Bürgermeister durch den Stadtrat im März 1948 beanspruchte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) als stärkste Fraktion eine Bürgermeisterstelle. Sie verweigerte deshalb Riedinger, dessen Arbeit allgemein geschätzt wurde, die Wiederwahl. Riedinger bewertete dies als Ende des antifaschistischen Konsenses aller Parteien in der Nachkriegszeit.

Er blieb politisch für die KPD bis zu deren Verbot 1956 aktiv und gehörte bis 1953, danach hatte die KPD dort keinen Sitz mehr, dem Gemeinderat an und kandidierte 1952 für das Amt des Bürgermeisters und für den Landtag. Aktiv betätigte er sich nach dem KPD-Verbot wie bereits zuvor bis zu seinem Tod in der Landesleitung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN).

Nach seinem Tod würdigte Oberbürgermeister Günther Klotz in einem Nachruf seine Leistungen für die Stadt. Ein Ehrenbegräbnis, wie für ehemalige Bürgermeister vorgesehen, verweigerte die Stadtverwaltung jedoch dem verstorbenen Kommunisten, übernahm aber bestimmungsgemäß die Begräbniskosten.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quellen

StadtAK 1/POA 1/4916; GLA 480/1306.

Literatur

Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998.