Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 215/3a.

Fridolin Heurich

Maurer, Gewerkschaftler, Politiker, * 14. September 1878 Magdlos/Lkr. Fulda, † 12. Februar 1960 Karlsruhe, kath., ∞ 1907 Lioba Hack, 2 Töchter.

Nach dem Besuch der Volksschule lernte der Sohn eines Taglöhners Maurer und legte nach einem Fortbildungskurs in Gelsenkirchen 1904 die Prüfung als Maurerpolier ab. 1906 begann Heurich in Krefeld eine Karriere als Funktionär des christlichen Bauarbeiterverbandes, die ihn im selben Jahr als Bezirksleiter nach Elsass-Lothringen führte und 1911 nach Freiburg mit der Zuständigkeit für Oberbaden und Südwürttemberg. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Feldwebel stieg Heurich zum christlichen Gewerkschaftsführer in Südwestdeutschland auf und verlegte 1921 seinen Wohnsitz nach Karlsruhe. Die Zentrumspartei, der er seit 1902 angehörte, wählte ihn zum Vorstandsmitglied in Baden wie im Reich und seit 1919 gehörte er dem badischen Landtag an. Ab 1927 war Heurich Staatsrat der badischen Regierung. Für die Mitwirkung am Zustandekommen des badischen Konkordats erhielt er 1932 den päpstlichen Gregoriusorden und wurde zum Professor der Kurie ernannt.

Heurich galt als glänzender Versammlungsredner und Meister der Debatte. Seine den Ausgleich suchende Einstellung fand ihre Grenze im Umgang mit den Nazis. 1930 erregte sein Ohrfeigenduell mit dem NSDAP-Abgeordneten Herbert Kraft im Landtag öffentliches Aufsehen. Die Gegnerschaft zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) kostete Heurich 1933 alle Ämter und er stand unter Beobachtung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Vertreter und Hilfsarbeiter. Nach dem missglückten Attentat vom Juli 1944 wurde er mehrere Tage inhaftiert.

1945 kehrte Heurich in die Politik zurück. Die amerikanische Militärregierung übertrug ihm im August 1945 das Amt eines Bürgermeisters in Karlsruhe, in das er dann auch vom Gemeinderat 1946 und 1948 gewählt wurde. Er zählte zu den Gründern der Christlich Demokratischen Union (CDU) und der Einheitsgewerkschaft in der Stadt. Dem Programm des christlichen Sozialismus nahe stehend, trat er mit Überzeugung für die Gemeinsamkeit aller demokratischen Kräfte ein. Die CDU wählte ihn 1946-1951 zum Vorsitzenden in Nordbaden und danach zum Ehrenvorsitzenden. Er vertrat die CDU von 1946-1952 in den Parlamenten von Württemberg-Baden.

Als Karlsruher Bürgermeister war Heurich verantwortlich für das Bau- und Wohnungswesen. In seine Amtszeit fielen unter anderem die rasche Trümmerräumung in der Stadt, die Planungen für den Wiederaufbau im Stadtzentrum, insbesondere der Kaiserstraße, sowie der Beginn des Wohnungsneubaus. 1953 schied er alters- und krankheitsbedingt aus dem Amt und wurde mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Manfred Koch 2015

Quellen

StadtAK 1/POA 1/1220; 8/ZGS Persönlichkeiten.

Literatur

Gerd F. Hepp: Fridolin Heurich. Gewerkschafter, Zentrums-/CDU-Politiker, Verfolgter des NS-Regimes, in: Badische Biographien, NF Bd. 2, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S. 135 f.