Emmy Schoch-Leimbach, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 174.
Emmy Schoch-Leimbach, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 683.

Hermine Emilie (Emmy) Schoch-Leimbach

Schneiderin, Textilkünstlerin, * 21. Dezember 1881 Lichtenau/Lkr. Rastatt, † 28. November 1968 Karlsruhe, ev., ∞ 1910 Max Friedrich Hermann Leimbach.

Das neunte und zugleich einzige Kind aus der zweiten Ehe des politisch und gesellschaftlich engagierten Apothekers Karl Friedrich Schoch verbrachte die ersten Lebensjahre in Lichtenau. 1886 zog die Familie nach Karlsruhe, wo Schoch nach Schulabschluss ein Studium am Konservatorium für Musik (Hauptfach Klavier) begann. Als Meisterschülerin von Heinrich Ordenstein lag zwar eine vielversprechende Zukunft als Pianistin vor ihr, doch nach einer längeren krankheitsbedingten Auszeit beschloss sie, ihre künstlerisch handwerkliche Begabung im textilen Bereich zum Beruf zu machen. Ab 1903 absolvierte Schoch in einem Berliner Atelier eine Schneiderlehre, bei der sie bereits durch ihre eigenwilligen Kreationen auf sich aufmerksam machte. Ausstellungsmöglichkeiten in Berlin ab 1905 ermutigten sie, Anfang März 1906 in der Herrenstraße 12 in Karlsruhe ein eigenes Schneideratelier zu eröffnen.

Ein Jahrzehnt nach dem "Internationalen Frauenkongress" in Berlin 1896 war die Reformkleid-Bewegung in Deutschland in vollem Gang; auch in Karlsruhe gab es seit 1902 einen Verein für Verbesserung der Frauenkleidung. Mit ihren bequemen modischen Kleiderentwürfen und zahlreichen Vorträgen in Karlsruhe und anderen deutschen Städten setzte sich Schoch ganz entschieden für die Reformkleidung ein. Sowohl ihre schlichten Typenkleider (Nachmittags-, Straßen-, Haus-, Sport-, Abendkleid) als auch ihre fantasievoll künstlerischen Kreationen (Japanischer Abendmantel, Badisches Landesmuseum Karlsruhe) stießen auf große Resonanz, so dass Schochs Werkstätte für moderne Frauenkleidung und künstlerische Stickerei binnen weniger Jahre als eine der bedeutendsten ihrer Art galt. Das Unternehmen verfügte über verschiedene Abteilungen (Näh- und Zuschneiderei, Handstickerei und -weberei, Maschinenstickerei, Zeichenwerkstätte, Abteilung für männliche Gehilfen) und beschäftigte 1911 rund 50, 1914 rund 60 Personen. Schochs Ehemann Max Leimbach, der nach der Heirat 1910 seinen Bankberuf aufgegeben hatte, kümmerte sich um das Finanzwesen des florierenden Betriebs. Unter den zahlreichen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen ist insbesondere die Teilnahme an der Deutschen Werkbund-Ausstellung. Kunst in Handwerk, Industrie und Handel, Architektur in Köln 1914 zu nennen. Bis 1953 führte Schoch, die sich ihr Leben lang als Kunstgewerblerin bezeichnete, den Werkstättenbetrieb fort, der sich seit 1938 in der Waldstraße 3 befand.

Katja Förster 2014

Quelle

Badische Neueste Nachrichten, Nr. 296 vom 21. Dezember 1961, StadtAK 8/Ze 15.

Werk

Emmy Schoch. Werkstätte für moderne Frauenkleidung und künstlerische Stickerei Karlsruhe in Baden. Deutsche Typenkleider, hrsg. von Emmy Schoch, Karlsruhe 1913.

Literatur

Edeltraud Link: Die Jugendstilkünstlerin Emmy Schoch, in: Heimatgruß aus Lichtenau 2011, S. 108-113.