August Furrer bei seiner Verabschiedung 1955 durch Polizeidirektor Edgar Heller, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/101/6/6.

August Furrer sen.

Kommunalpolitiker, Polizeibeamter, Amtsleiter, * 28. Februar 1890 Rüppurr, † 23. März 1957 Karlsruhe, ev., ∞ 1914 Luise Lisette Fischer, 3 Kinder.

Der Vater war Schreinermeister und Landwirt. Furrer besuchte die Volksschule in Rüppurr und schloss eine Ausbildung als Schriftsetzer mit der Meisterprüfung ab. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg, in dem er mehrfach verwundet wurde, trat er 1921 in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein, wurde Gewerkschafter und 1924-1928 Stadtverordneter in Karlsruhe.

1920 wechselte Furrer in den badischen Polizeidienst, wo er sich als entschiedener Gegner der Feinde der Weimarer Republik und insbesondere des aufkommenden Nationalsozialismus profilierte. 1930 übernahm er in Lörrach die Leitung der Außenstelle der politischen Polizei. Wie schon in Karlsruhe, machte er sich auch dort die Nazis zu Feinden, die ihn nach der Machtübernahme bereits im Februar 1933 auf einen unbedeutenden Posten nach Mosbach versetzten. Am 10. März wurde er in „Schutzhaft“ genommen und nach schweren Misshandlungen zusammen mit anderen Sozialdemokraten (unter anderen Ludwig Marum, Adam Remmele) am 16. Mai 1933 nach einer beschämenden Schaufahrt in das KZ Kislau eingeliefert. Im September aus dem Staatsdienst entfernt, wurde der Sozialdemokrat im November aus dem KZ entlassen.

Furrer verdiente den Lebensunterhalt für seine Familie nun als Hilfsarbeiter und Hausierer. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) verfolgte ihn weiterhin durch Verhaftungen und Haussuchungen, die auch im Zusammenhang mit den Widerstandsaktivitäten seines Sohnes August Furrer jun. standen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Furrer 1939 bei der Rüstungsinspektion V in Stuttgart dienstverpflichtet. Um sich einer erneut drohenden Verhaftung im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler 1944 zu entziehen, setzte er sich im Februar 1945 in den Schwarzwald ab und kehrte wenige Tage vor Kriegsende nach Rüppurr zurück.

Noch im April 1946 übertrug ihm der kommissarische Oberbürgermeister Josef Heinrich die Leitung des Bezirksverwaltungsamtes. In dieser Funktion erwarb er sich bis zur Auflösung der Bezirksverwaltungen im Oktober 1948 große Verdienste um die Bewältigung der Nachkriegsnot. Er schuf auch eine „Beratungs- und Betreuungsstelle für politisch und rassisch Verfolgte und deren Angehörige“, die für andere Städte Vorbild wurde. Bereits im April bzw. Mai 1945 engagierte er sich noch vor der offiziellen Zulassung durch die Besatzungsmächte für die Wiedergründung der SPD und der Gewerkschaften.

1948 bis zu seiner Pensionierung 1955 wurde Furrer Leiter des Pass- und Meldeamtes der Stadt Karlsruhe. Von dem Vorschlag, ihm das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, bat er Abstand zu nehmen.

Günther Philipp 2013

Quellen

StadtAK 1/POA1/834; 1/BVA 114 (Handakten A. Furrer 1945-47).

Literatur

Frithjof Kessel: Der Politiker, Gewerkschafter und Amtsleiter August Furrer, in: Rüppurrer Lebensbilder, Bd. 3 der Schriftenreihe Rüppurrer Hefte, hrsg. Bürgergemeinschaft Rüppurr durch Günther Philipp, Karlsruhe 2003, S. 14-21.