Im Gebäude des Bezirksamts war auch die Gestapo untergebracht (hier mit der widerrechtlich am 6. März 1933 von den Nazis gehissten Hakenkreuzflagge), Generallandesarchiv Karlsruhe 231/3397.

Gestapo

Die Geheime Staatspolizei Karlsruhe (Gestapo) ging auf das Badische Landespolizeiamt zurück, das am 15. Mai 1922 bei der Polizeidirektion Karlsruhe als Polizeilicher Erkennungsdienst gegründet worden war und am 20. November 1922 die Bezeichnung Landespolizeiamt erhielt. Aus der Abteilung N für den Nachrichtendienst (sogenannte politische Polizei), zuständig unter anderem für die Überwachung der links- und rechtsextremen Parteien, ging letztlich die Gestapo hervor.

Bereits unmittelbar nach seiner Ernennung zum Reichskommissar befasste sich Gauleiter Robert Wagner mit einer Neuordnung der Polizei, wobei er auf die bestehenden Institutionen zurückgreifen konnte. Am 8. März ernannte er den ehemaligen Polizeioberleutnant und späteren badischen Innenminister Karl Pflaumer zum Kommissar zur besonderen Verwendung (z.b.V.), der im Wesentlichen für das Polizeiwesen zuständig war. In den folgenden Wochen entstand eine Einheitspolizei unter Leitung eines Landeskriminalpolizeiamtes, das aus dem ehemaligen Landespolizeiamt hervorging, in dem zunächst noch keine eigene Geheime Staatspolizei vorgesehen war. Offensichtlich in Anlehnung an Preußen, wo rasch eine Gestapo entstanden war, schwenkten auch die badischen Machthaber um. 1933 verfügte das neue badische Landeskriminalgesetz die Schaffung eines Landeskriminalamtes und, diesem nachgeordnet, einer Geheimen Staatspolizei, die sich zunächst aus dem Personal der ehemaligen politischen Polizei zusammensetzte. Nach Auflösung der SA-Hilfspolizei am 30. September 1933 waren dies die einzigen Polizeiorganisationen neben der nach wie vor bestehenden kasernierten Bereitschaftspolizei, die seit März 1933 Schutzpolizei hieß.

Beide residierten zunächst im Bezirksamt am Marktplatz, in dem auch das Polizeipräsidium untergebracht war. In dessen Keller wurden politische Gegner schon im Zuge der Machtübernahme gefoltert. 1935 zog die Gestapo zunächst in die Gartenstraße 25, dann wiederum aus Platzgründen ab 15. Februar 1938 die Abteilungen II (politische Polizei) und III (Spionageabwehr) in die Reichsstraße 24 (heute Ebertstraße 26) um; in der Gartenstraße verblieb nur die wirtschaftspolitische Abteilung. Im Juni 1940 waren die Räumlichkeiten auch dort zu klein, so dass Abteilung III in die Jahnstraße 18 zog. Dort befand sich auch die Hauptstelle des Sicherheitsdienstes (SD), der hier auch einen Folterkeller eingerichtet hatte.

Erster Leiter der Gestapo Karlsruhe wurde Karl Friedrich Berckmüller. In seiner Amtszeit (1. Oktober 1933 - 11. März 1937) konzentrierte er sich zunächst auf die Verfolgung politisch Andersdenkender, aber auch der katholischen Geistlichkeit und der Juden. Das Instrumentarium "Schutzhaft" wurde so häufig eingesetzt, dass dies sogar das Reichsinnenministerium beschäftigte. Nachfolger Berckmüllers waren Alexander Landgraf (1. September 1937 - Herbst 1942), Walter Schick (Herbst 1942 - Februar 1944) und Josef Gmeiner (Februar 1944 - April 1945).

Die Gestapo entwickelte sich auch in Karlsruhe rasch zu einem Instrument der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, das den Alltag durch die von ihm ausgehende Bedrohung aber auch durch die Förderung des Denunziantentums bestimmte. Sie war an vielen Verbrechen beteiligt, so zum Beispiel an der Ermordung von August Dosenbach und Ludwig Marum. Zu den Opfern gehörten neben den politischen Gegnern auch Angehörige der christlichen Kirchen, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma sowie Juden.

Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Das badische Landespolizeiamt: Die Überwachung der links- und rechtsextremen Parteien in der Weimarer Republik, in: Geschichte als Verantwortung. Festschrift für Hans Fenske zum 60. Geburtstag, hrsg. von Ernst Otto Bräunche und Hermann Hiery, Karlsruhe 1996, S. 85-111; Michael Stolle: Die Geheime Staatspolizei in Baden. Personal, Organisation, Wirkung und Nachwirken einer regionalen Verfolgungsbehörde im Dritten Reich, Konstanz 2001 (= Karlsruher Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus Bd. 6).