Ernst Schurth, um 1905, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 1434.

Ernst Schurth

Maler, * 1. Mai 1848 Neustadt/Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald, † 10. Juli 1910 Karlsruhe, kath., ledig.

Ernst Schurth, Sohn eines Malers, besuchte 1864 die Vorbereitungsklasse an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe. 1865-1868 setzte er seine Ausbildung an der Nürnberger Kunstgewerbeschule fort. In Nürnberg lernte Schurth den Kupferstecher Johann Leonhard Raab kennen, dem er 1869 als Schüler an die Münchner Akademie folgte. Weitere Stationen waren Dresden sowie nach seiner Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg mit dem 5. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 113 Wien.

1872/73 ließ sich Schurth zusammen mit seinem Bruder Oskar, einem Dekorationsmaler, in Karlsruhe nieder. In den folgenden Jahren verdiente er sich mit privatem Zeichen- und Malunterricht sowie dekorativen Arbeiten für seinen Bruder den Lebensunterhalt. Nach einer längeren Studienreise durch Italien 1877/78 kehrte er 1878 nach Karlsruhe zurück und besuchte als Schüler von Ferdinand Keller nochmals 1878-1882 die Kunstschule. Seit Oktober 1882 war er Hilfslehrer von Theodor Poeckh in der Antiken- und Naturklasse und ab April 1885 ordentlicher Professor für Figurenmalerei an der Einrichtung. Nach dem Weggang Poeckhs 1892 übernahm Schurth die Leitung der Naturzeichenklasse, die er, 1899-1907 unterstützt durch Ludwig Schmid-Reutte, bis zu seinem Tod innehatte.

Das Œuvre, welches Schurth als Künstler hinterließ, fällt relativ bescheiden aus. Der größere Teil davon waren Auftragsarbeiten. Josef Durm zog ihn wiederholt für seine Bauvorhaben heran: Bei der Neugestaltung der Aula der Heidelberger Universität anlässlich der Fünfhundertjahrfeier 1886 beauftragte er Schurth mit den Porträtmedaillons von Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz und Markgraf Karl Friedrich von Baden; beim Bau des Kaiserin-Augusta-Bades in Baden-Baden (1890-1893, abgebrochen 1963) mit Malereien in den Haupträumen; beim Erweiterungsbau des Palais Bürklin ab 1898 mit dem Wandgemälde "Wein, Weib und Gesang" (Karton zum Gemälde in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe); und beim Aula- und Hörsaalbau der Technischen Hochschule Karlsruhe (1895-1899, heute KIT) mit dem monumentalen Wandbild an der Westwand der Aula, welches die allegorische Verherrlichung der technischen Wissenschaften zeigte (1944 zerstört). Auch für auswärtige Auftraggeber war Schurth tätig, beispielsweise für den Essener Unternehmer Friedrich Alfred Krupp, für den er die Porträts von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria fertigte.

Katja Förster 2016

Literatur

Joseph August Beringer: Ernst Schurth, in: Badische Biographien, Bd. VI, hrsg. von Albert Krieger und Karl Obser, Heidelberg, 1935, S. 726 f.