Johann Heinrich Weltring, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 827.

Johann Heinrich Weltring

Bildhauer, * 18. April 1847 Baccum/Lkr. Emsland, † 24. Mai 1917 Thuine/Lkr. Emsland, ev., ledig.

Bereits als Heranwachsender fiel Heinrich Weltring durch seine Geschicklichkeit mit dem Schnitzmesser auf. Nach dem Tod der Eltern bewirtschaftete er aber zunächst für die vier jüngeren Geschwister den Bauernhof weiter, bevor er 1870 Lehrling bei einem Osnabrücker Bildhauer und Holzschneider wurde. 1874 wechselte er in die Bildhauerwerkstatt Heinrich Pohlmanns in Berlin und besuchte gleichzeitig Vorlesungen an der Kunstakademie. 1877 erhielt er mit dem Entwurf und der Ausführung mehrerer biblischer Pfeilerfiguren für den Dom in Halberstadt seinen ersten großen Auftrag. Nach dem Verkauf des Baccumer Hofs 1879 ließ er sich 1880 in Karlsruhe nieder und wurde Mitarbeiter im Atelier des Bildhauers Adolf Heer.

Die 1883 geschaffene Bronzefigur einer "Nymphe" machte Weltring im süddeutschen Raum bekannt. Auch der Fabrikant Wilhelm Lorenz, Eigentümer der gleichnamigen Deutschen Metallpatronenfabrik in der Gartenstraße, wurde so auf den Bildhauer aufmerksam und bis 1891 sein wichtigster Mäzen. Lorenz finanzierte ihm 1885 eine Italienreise und beauftragte ihn 1886 mit einer monumentalen Brunnenanlage, die 1891 im südlichen Erbprinzengarten zur Aufstellung kam und eine "Nymphengruppe" inmitten eines Kratersees zeigt. Die bronzene Figurengruppe stellt den Höhepunkt seines bildhauerischen Werkes dar und vereint mit der schönlinigen, idealen Form (Nymphen), dem realistischen Ausdruck (Genien) und dem neobarocken Pathos (Stoffdrapierung) jene Stilmerkmale, die Weltrings Plastiken – verschieden gewichtet – prägen.

Des Weiteren schuf der Bildhauer in Karlsruhe das als Grabmal konzipierte Wilhelm-Lübke-Denkmal (1893-1895; heute Ostseite des Architekturgebäudes des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Englerstraße 7), eine Büste des Malers Anselm Feuerbach (1895; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), die Figurengruppe "Fischersfrau mit Kind am Strand, ihren Mann erwartend" (1898; Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe) und das "Hirtenmädchen" (1902; heute Waldstaudengarten des Stadtgartens Karlsruhe). Die beiden letztgenannten Arbeiten sind Beispiele für Weltrings realistische Kunstauffassung.

Von 1891 bis zu seiner Rückkehr nach Thuine 1908 unterrichtete er an der Malerinnenschule Modellieren. Da in den 1890er-Jahren Aufträge ausblieben, verschlechterte sich seine wirtschaftliche Situation zunehmend. Zwar beteiligte er sich wiederholt an Wettbewerben wie dem Joseph-Viktor-von-Scheffel-Denkmal, dem Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal und dem Bismarck-Denkmal, unterlag aber stets seinen badischen Mitkonkurrenten Adolf Heer, Friedrich Moest und Hermann Volz. Weltrings letzte Arbeiten entstanden in Thuine, welches er noch zweimal, 1911 und 1914, für kurze Zeit verließ, in der vergeblichen Hoffnung, in Karlsruhe und Lörrach Aufträge zu erhalten.

Katja Förster 2016

Literatur

Johann Heinrich Weltring, in: Ortsfamilienbuch Baccum, http://www.ortsfamilienbuecher.de/famreport.php?ofb=baccum&ID=I4644&nachname=WELTRING&modus=&lang=de (Zugriff am 25. Januar 2016); Beatrice Vierneisel: Nymphengruppe im Nymphengarten sowie Wilhelm-Lübke-Denkmal, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl., Karlsruhe 1989, S. 360-364, S. 386-390 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).