Reinhold Glatz, 1977, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A33/14/3/19.

Reinhold Glatz

Bauingenieur, Rektor, * 15. Mai 1918 Reichenbach/Stadt Lahr/Ortenaukreis, † 18. Februar 1998 Karlsruhe, kath., ∞ 1943 Brigitte Gloggengießer, 2 Söhne.

Als einer von vier Söhnen eines Bauunternehmers studierte Reinhold Glatz nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Lahr und einer Lehre zum Betonbauer im väterlichen Betrieb 1938-1940 Bauingenieurwesen am Karlsruher Staatstechnikum (heute Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft). Daran schloss sich, unterbrochen vom Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg als Pionier, ein siebensemestriges Bauingenieurstudium an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe an. Seit 1946 lehrte Glatz als Dozent am Staatstechnikum, wo er dessen Neuaufbau und die Weiterentwicklung des Studiengangs Bauingenieurwesen maßgeblich vorantrieb. Im September 1946 wurde er von der Spruchkammer Karlsruhe wegen seiner von April bis Juni 1938 bestehenden NSDAP-Anwartschaft als Mitläufer eingestuft. Im Rahmen der Weihnachtsamnestie vom 5. Februar 1947 wurde dieser Bescheid aufgehoben. 1950 wurde Glatz zum Baurat und 1956 zum Professor ernannt. 1958 wurde er zum Doktor der Ingenieurwissenschaften promoviert und 1961 zum Oberbaurat ernannt.

1949 gehörte Glatz zu den Gründungsmitgliedern des Verbands der Dozenten an den Staatlichen Ingenieurschulen in Baden-Württemberg (heute Verband Hochschule und Wissenschaft Baden-Württemberg e. V.), dessen Landesvorsitzender (1960-1968) und Ehrenmitglied (seit 1970) er war. 1950 gründete Glatz den Architekten- und Ingenieurverein Mittelbaden, dessen Vorsitz er ebenfalls zeitweise übernahm.

Parallel zu seiner Lehrtätigkeit betrieb Glatz ein Ingenieurbüro, später Prüfingenieurbüro für Baustatik. Als vereidigter Sachverständiger (ab 1952) für Baustatik, Stahlbeton und Ingenieurholzbau und als anerkannter Prüfingenieur für Baustatik (ab 1956) prüfte er die Statik zahlreicher Häuser auch in Karlsruhe. Dazu zählten seit den 1960er-Jahren auch Hochhäuser, bei denen die Statiker oftmals Neuland betraten. In Karlsruhe waren das die Hochhäuser am Schmiederplatz, an der Königsberger Straße in der Waldstadt, an der Kaiserallee/Ecke Uhlandstraße, der Bau der Landesversicherungsanstalt (LVA) an der Gartenstraße und das Versicherungsgebäude Amalienstraße 81-87. Zu seinen bedeutendsten Prüfarbeiten gehörten die Fernsehtürme Donnersberg und Hornisgrinde.

Im Juni 1968 wurde Glatz zum Direktor (ab 1972 Rektor) der Staatlichen Ingenieurschule Karlsruhe gewählt. In seine Amtszeit fiel der Umbau der Bildungsanstalt von einer Landeseinrichtung zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Als Rektor intensivierte Glatz die Zusammenarbeit der Fachhochschule mit europäischen Hochschulen. Hierfür wurde er von der Trent-Polytechnic in Nottingham zum Honorary-Fellow ernannt und von der Universität Besançon mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet. 1980 trat Glatz in den Ruhestand.

Als überzeugter Europäer setzte sich Glatz früh für den Aufbau der deutsch-französischen Freundschaft und der Städtepartnerschaft Karlsruhe-Nancy ein. In Karlsruhe wurde er deshalb 1954 Gründungsvorsitzender des Kreisverbandes Karlsruhe der Europa-Union Deutschland, ein Ehrenamt, das er - mit einer Unterbrechung 1973-1977 - bis 1985 innehatte. Darüber hinaus amtierte Glatz 1986 als Président d’Honneur des Komitees zur Förderung des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrags Paris und als Vice Président der Vereinigung für grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Straßburg. Seine Aktivitäten auf dem Gebiet der Völkerverständigung wurden 1971 mit der Europa-Medaille, 1978 mit dem Bundesverdienstkreuz und der Verdienstmedaille der Universität Karlsruhe sowie 1981 mit der Ernennung zum Ehrenkurator der Fachhochschule Karlsruhe gewürdigt.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 465h/36571, 466-24/326.

Werk

Einführung in den Stahlbetonbau: Ein Lehrbuch zum Gebrauch an Höheren Technischen Lehranstalten und für die Praxis, Karlsruhe 1949; Allgemeines Iterationsverfahren für verschiebliche Rahmentragwerke mit beliebigen Stabneigungen, Diss. Karlsruhe 1958; 100 Jahre Fachhochschule Karlsruhe, in: Ingenieurblatt für Baden-Württemberg 24 (1978), S. 173-177.

Literatur

Konstanze Ertel: Reinhold Glatz: Bauingenieur, Rektor, Europäer, in: Susanne Richter (Hrsg.): Spuren in der Stadt: Beiträge der Fachhochschule Karlsruhe - Hochschule für Technik zur Karlsruher Stadtentwicklung 1878-2003, Karlsruhe 2003, S. 139-143; Konstanze Ertel: Reinhold Glatz, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2003-2008, Karlsruhe 2009, S. 244 f., http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick61/glatz.de (Zugriff am 16. Oktober 2016).