Besuch von Blutspendern aus der Partnerstadt Nancy bei der Blutspende im Städtischen Krankenhaus, 20. Mai 1957, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/116/2/25.
Partnerschaftsurkunde zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft , 25. Mai 1975, Stadtarchiv Karlsruhe 11/DigD 30.

Städtepartnerschaft Karlsruhe - Nancy

Die Städtepartnerschaft Karlsruhe-Nancy ist die sechste nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossene deutsch-französische Städtepartnerschaft. Diese entstanden beiderseits des Rheins mit dem Ziel ein friedliches Europa zu schaffen. Ein Wegbereiter der Partnerschaft Karlsruhe-Nancy war der Lehrer Friedrich Bran vom Goethe-Gymnasium. Schon vor 1933 vermutlich mit seinem damaligen Kollegen Otto Abetz an den Verständigungsbemühungen mit Frankreich beteiligt, setzte er sich seit 1954 gemeinsam mit dem Journalisten Sascha Simon in Nancy für eine Partnerschaft der beiden Städte ein. Unterstützung fanden sie in Nancy beim stellvertretenden Bürgermeister Pierre Weber, dem Stadtrat Huriet, dem Direktor des Verkehrsvereins Garoux und Professor Baumann und in Karlsruhe bei Reinhold Glatz, Bruno Schlageter und dem Leiter des Kulturreferats Eugen Keidel.

Den Anfang nahmen die Partnerschaftsbeziehungen mit dem zweitägigen Besuch einer Klasse des Karlsruher Lessing-Gymnasiums mit Elisabeth Teichmann beim Lycée Jeanne d’Arc am 10./11. April 1955 und dem Gegenbesuch in Karlsruhe am 8./9. Juli. Schon 1957 folgten den Jugendlichen die ältere Generation der Kriegsteilnehmer mit dem symbolträchtigen Austausch von Blutspenderdelegationen im Mai und September. Die Partnerschaft entwickelte sich in der Folgezeit zu einer der erfolgreichsten deutsch-französischen Partnerschaften, die von zivilgesellschaftlichem Engagement, von Bürgern und etwa 100 Vereinen, Verbänden und der Wirtschaft organisiert, getragen und gepflegt wird.

Wesentlich beteiligt an den bis 2005 etwa 1.500 städtepartnerschaftlichen Begegnungen, Austauschprogrammen und Veranstaltungen unterschiedlichster Art waren in Karlsruhe die Deutsch-französische Gesellschaft, das heutige Centre Culturel Franco-Allemand und der Deutsch-Französische Freundeskreis sowie in Nancy das Maison Franco-Allemande, das Goethe-Institut und der Cercle Amical France Allemagne und auch die Verwaltungen der beiden Städte. Diese betreuten verstärkt seit 1973 den Austausch von Praktikanten und Praktikantinnen aus allen Partnerstädten. In Karlsruhe zeugen die Nancyhalle, die Partnerschaftstafel am Marktplatz, die Nancystraße und der Nancybrunnen von der Verbundenheit der beiden Städte. Zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft wurde 2005 in Nancy im Parc de la Pépinière und 2006 in Karlsruhe im Stadtgarten der jeweils gleiche von Luigi Colani geschaffene Brunnen installiert.

Schon 1956 besuchten Delegationen der Stadtverwaltungen die jeweils andere Stadt und gaben der Städtepartnerschaft einen offiziellen Charakter. Schnell wurde die deutsch-französische Freundschaft zur Selbstverständlichkeit. Man entschied sich deshalb, erst zum 20-jährigen Jubiläum die Partnerschaft mit einer offiziellen Zeremonie und einem Vertrag zu besiegeln. In dieser Zeit hatten Karlsruhe und Nancy für beispielhafte Aussöhnung zwischen Franzosen und Deutschen 1962 die Europafahne des Europarats, 1963 die Aristide-Briand-Medaille, 1969 den Europapreis des Europarats, 1974 vom französischen Staatspräsidenten den Prix-France-Allemagne und 2006 von der Europäischen Union die Goldenen Sterne der Partnerschaft erhalten.

Manfred Koch 2016

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 4756, 5119-5120, 7227, 10963-10964, 8/StS 25/153, 28, 9/Monatsspiegel.

Literatur

Manfred Koch: Zur Geschichte der Städtepartnerschaft, in: Karlsruhe Nancy. Eine deutsch-französische Städtepartnerschaft / Un jumelage franco-allemande, Karlsruhe 2005, S. 69-116.