Der Rheinhafen war zwischen 1904 und 1968 Schauplatz regelmäßig stattfindender bedeutender Regatten, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 2289.

Rudersport

Wie andere Sportarten kam Rudern über England nach Deutschland, lange Zeit war der 1836 in Hamburg gegründete Ruder-Club der erste seiner Art. In Heidelberg und Mannheim entstanden 1872 und 1875 die ersten Rudervereine in Baden. Trotz eines fehlenden geeigneten Gewässers entschlossen sich ruderbegeisterte Mitglieder des Karlsruher Turnvereins (KTV 1846) nach einem Spaßrudern auf dem kleinen Stadtgartensee 1879 zur Gründung eines eigenen Ruder-Clubs. Der neue Karlsruher Ruderklub Salamander fand seinen ersten Standort mit Bootshaus am Rheinhafen Maxau, Altrheinarme dienten als Trainingsgelände. Die Mitglieder stammten überwiegend aus der Studentenschaft und dem Bürgertum. Aus dem Zusammenschluss der 1888 nach vereinsinternen Differenzen aus dem Salamander hervorgegangenen Karlsruher Rudergesellschaft mit Bootshaus bei der Maxauer Schiffsbrücke und der 1897 gegründeten Ruder-Gesellschaft Fidelitas entstand 1898 die Rudergesellschaft Germania. Diese schlief bis 1902 wieder ein. 1894 gründeten wiederum Salamander-Abtrünnige den Ruderverein Sturmvogel mit Bootshaus im Maxauer Hafen.

1901 bildeten Mitglieder von Salamander und Sturmvogel und Ehemalige der Ruder-Gesellschaft den Rheinklub Alemannia (später Alemannia). 1919 fusionierten Salamander und Sturmvogel zum Ersten Karlsruher Ruderklub v. 1879, nach 1945 mit Zusatz Wiking. Karlsruher Ruderverein v. 1879 Wiking und Rheinklub Alemannia stehen derzeit für die Tradition des Karlsruher Rudersports und garantieren sowohl Breiten- wie auch Spitzensport mit Weltmeisterschaftstiteln und Olympiamedaillen.

Der neue Karlsruher Rheinhafen von 1901/02 mit seinem langen Stichkanal und den Hafenbecken bot lange Zeit gute Voraussetzungen für Sportwettkämpfe. Bis 1968 wurden hier zahlreiche und bedeutende Ruderregatten ausgetragen. Das Ende der Regatten lag zum einen darin begründet, dass sich das Sportinteresse in Karlsruhe auf Fußball und Leichtathletik verlagert hatte, vor allem aber darin, dass der Rheinhafen nicht mehr die nach internationalem Regattenreglement erforderlichen freien 2000 Meter Länge und nicht die geforderten Breite von 90 Metern aufwies. Politische Bestrebungen zwischen 1969 und 1978, im Auegebiet Rappenwört und Kastenwört eine neue Wassersportanlage samt Regattastrecke zu etablieren, schlugen auch angesichts des Naturschutzes fehl.

Außerhalb der Rudervereine wurde und wird Rudersport heute auch als Schulsport und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie als Abteilung in anderen Sportvereinen betrieben.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Quellen

StadtAK Bauakten in 1/BOA; Festschriften und Chroniken "Karlsruher Ruderverein v. 1879 Wiking" zum 75., 80., 100. und 125. sowie "Rheinklub Alemannia" zum 25. und 75. Jubiläum in 8/StS 20; Fotos in 8/SpoA; Filme in 9/Monatsspiegel.

Literatur

Jürgen Schuhladen-Krämer: Rudern - eine lange Tradition in Karlsruhe, in: Ernst Otto Bräunche/Volker Steck (Hrsg.) : Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, Karlsruhe 2006, S. 315-330 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28).