Der Maxauer Hafen während des Auslaufens geflaggter Boote, 1975, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A30/90/7/39.

Hafen Maxau

Als Karlsruhe im Jahr 1715 gegründet wurde, lag es gut sieben Kilometer vom Rhein entfernt und verfügte über keinen eigenen Hafen, nach dem man aber schon in der Frühzeit der Stadt strebte. Angesichts der technischen und vor allem finanziellen Schwierigkeiten musste man noch lange mit Lösungen vorlieb nehmen, die den Anforderungen der wachsenden Stadt nicht gerecht werden konnten. Zunächst behalf man sich mit dem kleinen Hafen des Dörfchen Schröck. Der 1833 anläßlich der Hafeneröffnung zu Ehren des regierenden Großherzogs in Leopoldshafen umbenannte Ort verfügte aber nur über sehr bescheidene Hafenanlagen. Die Waren mussten zudem auch noch nach der Einführung des Eisenbahnverkehrs mit Pferdefuhrwerken transportiert werden. 1862 versprach die Ausbaggerung des kleinen Hafens Maxau endlich Abhilfe.

Die Rheinkorrektur am Knielinger Ufer hatte zur Bildung eines Altrheins geführt, den Johann Gottfried Tulla bereits 1824 als ideale Stelle für einen Rheinhafen bezeichnete. Durch die gemeinsam von Baden und Bayern finanzierte und am 25. August 1840 eröffnete Knielinger Schiffsbrücke entstand 1841 im nördlichen Teil des ehemaligen Flussarmes ein Landungsplatz. 1842 verlegten sowohl die Kölner Dampfschifffahrtsgesellschaft als auch die badische Zolldirektion das Hauptsteueramt von Leopoldshafen an die Knielinger Landestelle, welcher Großherzog Leopold am 26. Februar 1842 Freihafenrechte einräumte. Da der erwartete Umschlag an in- und ausländischen Gütern ausblieb und auch der Personenverkehr auf dem Wasser in den nächsten Jahren durch den Ausbau der Großherzoglichen Staatseisenbahn abnahm, wurde von einer Erweiterung der Ladestelle und der Ausführung eines festen Hafenbeckens Abstand genommen.

Mit der von 1860 bis 1862 auf städtische Kosten erbauten Maxaubahn, die zunächst zwischen dem Karlsruher Bahnhof in der Kriegsstraße und dem neuen Bahnhof Maxau verkehrte, erhielt die Knielinger Landungsstelle einen neuen Aufschwung, zumal die vom Personen- und Güterverkehr genutzte Strecke seit Mai 1865 durch die Maxauer Eisenbahnschiffsbrücke mit dem linksrheinischen Eisenbahnnetz verbunden war. Im Hinblick auf die direkte Anbindung der badischen Residenz- und Landeshauptstadt an den Rhein verlangten Stadtverwaltung und Karlsruher Handelskammer seit 1861 den Ausbau der Landestelle zum Hafen auf Staatskosten. Während das Handelsministerium und die Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus allmählich die Notwendigkeit des Maxauer Hafens erkannten, lehnte das Finanzministerium eine staatliche Förderung des Projekts ab. Großherzog Friedrich I. lenkte insofern ein, als der Stadt die Erstattung der Kosten in Aussicht gestellt wurde, falls sich Umschlag und Schiffsverkehr nach dem Ausbau deutlich steigern sollten.

Die städtische Wasser- und Straßenbauinspektion erstellte bis März 1863 die Planung, die am östlichen Rheindamm einen 30 Meter breiten Schiffskanal und parallel zum Bahnhof eine 45 Meter breite Fahrrinne vorsah. An der Ostseite befanden sich die Umschlag- und Verladeplätze für Fuhrwerke, an der Südseite für die Eisenbahn. Im Juli 1865 war die Hafenanlage fertig gestellt, deren Verkehr und Umschlag von nun an kontinuierlich anstiegen, so dass bereits im Oktober 1868 die Baukosten der Stadt zurückerstattet wurden und der Hafen in die Verantwortlichkeit der badischen Zollverwaltung überging. Mit der Übernahme der Hafenverwaltung durch die Großherzogliche Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues 1881 verlor der Hafen die seit 1842 bestehenden Freihafenrechte.

Angesichts des wachsenden Umschlags von 27.835 Tonnen im Jahr 1866 auf 178.342 Tonnen Fracht im Jahr 1899 wurden die unzureichenden Platzverhältnisse ein zunehmend größeres Problem. Da der Hafen nicht auf Karlsruher Gemarkung lag, seine Entfernung zu Karlsruhe ungünstig, das Hafengelände für die Ansiedlung großer Industrieanlagen ungeeignet, eine künftige Erweiterung flussbautechnisch kaum durchführbar waren und auch die Schiffsbrücke durch eine feste Rheinbrücke hätte ersetzt werden müssen, stimmten die staatlichen und städtischen Gremien Mitte der 1890er-Jahre einstimmig gegen eine Erweiterung des Maxauer Hafens und seine Aufhebung bei Inbetriebnahme des neuen Karlsruher Rheinhafens, die zum Mai 1901 erfolgte.

Lediglich die 1885 in Maxau niedergelassene Zellstofffabrik Vogel & Bernheimer nutzte auch weiterhin den Hafen als Umschlagplatz ihrer Produkte und Rohmaterialien. Da die Firma unter der allgemeinen Verkehrsaufsicht der Direktion des städtischen Rheinhafens stand, erging zum vierten Jahrestag der Eingemeindung Knielingens am 1. April 1939 der Beschluss, aufgrund der Existenz der beiden Häfen die Hafenverwaltung als „Rheinhäfen Karlsruhe“ zu bezeichnen. Noch heute wird der seit 1968 als Yachthafen dienende Hafen von der Papierfabrik Stora Enso Maxau GmbH & Co.KG genutzt, in deren Firmengeschichte die jüdische Papier- und Zellstofffabrik Vogel & Bernheimer nach ihrer Enteignung durch die Nationalsozialisten 1938 eingegangen ist.

Katja Förster 2020

Literatur

Georg Hertweck: Die Geschichte des Rheinhafens von den Anfängen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, in: Rheinhafen Karlsruhe. 1901-2001, hrsg. von Stadtarchiv Karlsruhe und Rheinhäfen Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe 2001, S. 27-159, bes. S. 62-77 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 22).